Ehrenfeld – Mitten im Partyviertel des Stadtteils fand Hendryk Martin den Ort, um sein Glück zu machen. „Das isses“, sagte er, als er vor sieben Jahren zum ersten Mal das Loftbüro im Haus Heliosstraße 6A betrat. Er war auf der Suche nach neuen Räumen für seine Kreativagentur Bonoer – der Name ist die lautschriftliche Umsetzung des französischen Worts bonheur, auf Deutsch: Glück.
„Natürlich hat sich seitdem viel verändert um uns herum“, sagt Hendryk Martin, der als gebürtiger Pfälzer in 20 Jahren zum überzeugten Ehrenfelder wurde. Im imposanten und zum Teil mit Penthouse-Wohnungen ausgestatteten Bürohaus, das Mitte der 1920er Jahre Verwaltungsgebäude der angrenzenden Miele-Fabrik war, herrschen nach wie vor gut nachbarschaftliche Beziehungen. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der unterschiedlichsten Branchen unter einem Dach, von chinesischer Kampfkunst bis hin zum Treffpunkt eines Vereins für Whisky-Liebhaber. Dazwischen gibt es ganz viel Kreativwirtschaft.
Aber man kennt und hilft sich. Das gute Klima rührt nicht zuletzt daher, weil man sich schon länger kennt. Die Konzertagentur c/o pop beispielsweise war vor dem Umzug in die Heliosstraße – wie Bonoer – im früheren 4711-Hochhaus an der Venloer Straße. Auch mit anderen kooperiert die Kreativagentur. Zehn Mitarbeiter haben im Großraumbüro mit Wohnzimmeratmosphäre ihre Schreibtische. Auch eine Küchenzeile fehlt nicht.
Mehr als doppelt so viele Menschen arbeiten ein Stockwerk tiefer, wenn es bei c/o pop gilt, das bekannte Musikfestival zu stemmen. In ruhigeren Zeiten sind es weniger. In den Büros und auf den Fluren ist ein Stückchen Kölner Musikgeschichte spürbar. Chef Norbert Oberhaus hat längst ein Faible für den Stadtteil entwickelt. Das ging inzwischen so weit, dass der Festival-Schwerpunkt nach Ehrenfeld verlagert wurde. Zur Freude der Musikfans.
Dass es vor gerade mal 90 Jahren im Gebäude und in der zur Vogelsanger Straße gelegenen Fabrikhalle um die Produktion von Haushaltsgeräten und Turbinen ging und weniger um kreative Leistungen, ist allenfalls noch an der breiten Laderampe und am fast 60 Jahre alten Lastenaufzug zu erkennen. Der Name „Miele“ prangte vor dem Krieg gleich mehrfach an der klassizistisch anmutenden Fassade.
Der Wandel vom Industriegebiet zum Kulturort hatte sich damals gegenüber bei den Helioswerken bereits vollzogen. In der Rheinlandhalle gab es Ende der „wilden Zwanziger Jahre“ bereits Radrennen und andere Sportveranstaltungen – und ganz sicher schon so manche Party.