Innenstadt – Kundige Kunstbetrachter wissen beim Blick auf die aktuelle Ausstellung im Plus-Raum für Bilder sogleich: Diese Schau könnte auch in einem Museum hängen. Die 16 Werke, die der Künstler Reiner Fuchs allesamt auf und mit Papier gestaltet hat, haben es in sich. Das heißt, in ihnen werden Struktur und Geheimnis sichtbar als eine unauflösbare Verbindung, die unweigerlich von der Oberfläche in die Tiefe geht.
Der gebürtige Heidelberger (Jahrgang 1963), der seit 1993 in Köln lebt, entwickelt in seinen Zeichnungen ein feines Gespür für die undurchsichtigen Prozesse unserer äußeren und inneren Wirklichkeit, die sich in aller Regel unterhalb unseres bewussten Wissens vollziehen.
Fuchs macht das Unsichtbare sichtbar, wie es der Maler und Zeichner Paul Klee einmal formulierte. Die Bilder zeigen Oberflächen, die gezeichnet, geklebt, gemalt und sanft gesprüht sind. Sie zeigen ineinander verschachtelte Papierfragmente und Linien. Und sie führen uns über die aufmerksame Anschauung in ein namenloses Abenteuer, das durch die Spannung von Ganzheit und Bruch, Muster und Variation bestimmt wird. Wir erkennen Liniengeflechte, die wie ein unbekanntes Brettspiel oder wie die abstrahierten Gehirnwindungen im Innern unseres Kopfes erscheinen. Wir sehen die Andeutungen von Konstruktionszeichnungen, deren Linien allerdings nicht ins sichere Funktionsgefüge, sondern in die Verunsicherung leiten.

Reiner Fuchs setzt in seinen Zeichnungen und Collagen auf die Wirkung unterschiedlichster Spuren.
Copyright: Repro: Jürgen Kisters
Die kreative Vielfalt dieser Arbeiten ist erstaunlich. Mit keinem Blatt wiederholt sich der Künstler. An keiner Stelle verfällt er in die Routine eines Stils, eines Konzepts, einer Masche. Mit jeder Zeichnung und jeder Collage, und daran besteht kein Zweifel, hat Reiner Fuchs sich auf eine bildliche Entdeckungsreise ins Unbekannte aufgemacht. Ins Unbekannte des Materials, des Papiers, der Farben, der Bleistiftspuren. So betreibt der Künstler gleichermaßen Forschung und Poesie. Als ein Suchender auf intuitivem Wege. Als gewitzter Kompositeur, der das Unscheinbare dem Spektakulären vorzieht.
In den Farben bleibt Fuchs stets verhalten, viel Weiß, viel Schwarz, helles und dunkles Braun. Die Farben der Erde auf der einen Seite, die der Nacht auf der anderen. Seine gepunkteten Muster, die Verbindung von konstruktiven Elementen und expressiven schwarzen Pinselhieben, seine flattrigen Umrisse und tückischen Schnittlinien lassen alle künstlerischen Einordnungen hinter sich. Plus-Raum für Bilder, Schillingstraße 14, geöffnet Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 11-13 Uhr, bis 22. Dezember

Reiner Fuchs setzt in seinen Zeichnungen und Collagen auf die Wirkung unterschiedlichster Spuren.
Copyright: Jürgen Kisters