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Der etwas andere Ort zum Kaffeetrinken

3 min

Alex Wolf und Myriam Edingloh stecken ihre Freizeit ins Kaffe Güzel. Das Café lebt vom Engagement Freiwilliger und der gemütlichen Atmosphäre.

Zollstock – Direkt an der Hauptstraße Am Bischofsweg gelegen, lässt nicht viel vermuten, dass sich seit Januar hier in unmittelbarer Nähe zum Vorgebirgspark ein Café versteckt. Das Gebäude erinnert vielmehr an einen Wohnkomplex, doch beim Betreten sind alle Zweifel vergessen: Der Gast betritt einen großen Raum mit gemütlichen Sitzecken, flauschigen Sesseln, orientalischen Teppichen und bunten Lampenschirmen, der an ein Wohnzimmer erinnert.

„Laufpublikum haben wir nicht, man nimmt sich eher konkret vor, ins Kaffe Güzel zu kommen“, sagt Alex Wolf schmunzelnd. Der 33-Jährige steht während seiner vierstündigen Schicht hinter der liebevoll mit Pflanzen und Wimpelketten dekorierten Theke. Ein kurzer Arbeitstag für einen Freitag – aber Alex Wolf arbeitet, genau wie die anderen 30 „Güzellies“, ehrenamtlich in dem Café. „Wir wollen einfach die Gesellschaft verbessern und verschönern – Geld haben wir alle zwar nicht so viel, aber etwas Zeit hat ja jeder“, stellt Wolf fest, der mit fünf weiteren Freiwilligen den „schönen“ Laden, die Übersetzung des türkischen Worts „güzel“, am Laufen hält. Die Bezeichnung „Kaffe“ wurde gewählt, „um zu verdeutlichen, dass wir uns von „normalen“ Cafés unterscheiden“, sagt Wolf. Das Wohnzimmer-Feeling verstärkt sich im Kaffe Güzel dadurch, dass Straßenschuhe ausgezogen werden und für jeden Besucher gemütliche Hausschlappen bereitstehen. Wärmflaschen können an der Theke ausgeliehen werden, Kerzen und Blumen schmücken die Holztische. „Was die Einrichtung und Ausstattung betrifft, lauten unsere Adressen: Ebay Kleinanzeigen, Sympathisanten, Omas und Freunde“, sagt Wolf lachend.

„Die Idee ist vor eineinhalb Jahren in Kopenhagen entstanden, als Julia und Mike dort ein Freiwilligen-Café entdeckt haben“, erinnert sich Wolf zurück. Gestartet sind die „Güzellies“ dann erst einmal mit einem mobilen Café – in ganz Deutschland wurden Kultur- und Musikveranstaltungen mit dem Bus samt mobiler Theke besucht. Heute ist das Team als Verein „Güzelschaft für soziale Arbeit und nachhaltige Entwicklung“ organisiert. In den Räumen im Gebäude am Bischofsweg 48-50 ist die Arturo Schauspielschule heimisch. Die künstlerische Leitung wurde auf das Güzel aufmerksam und bot die leerstehenden Räume im Erdgeschoss zur Miete an. „Erst einmal müssen wir natürlich unsere Kosten decken, aber zukünftiger Gewinn soll zu einem Drittel an soziale Projekte in den Herkunftsländern des Kaffees, ein Drittel in einen Charity Fonds für Leute fließen, die auch ein Freiwilligen-Café eröffnen möchten und das letzte Drittel sollen soziale Projekte in Köln erhalten“, zählt Wolf auf.

Alex Wolf und Myriam Edingloh stecken ihre Freizeit ins Kaffe Güzel. Das Café lebt vom Engagement Freiwilliger und der gemütlichen Atmosphäre.

Gegen Mittag kommt Myriam Edingloh ins Güzel. Die 27-Jährige arbeitet in einem Altenheim in der Südstadt: „Ich würde gerne mal bei den nächsten Ausflugtagen eine Gruppe hierher bringen“, sagt Edingloh. An Ideen mangelt es nicht: An der Küchentür hängt eine Liste, die bis zum Boden reicht. Die Vorschläge reichen von Kochabenden und Debattierclubs bis hin zu Ideen für einen DJ-Produktions-Workshop. Für den Sommer soll außerdem der Innenhof verschönert werden, „damit wir Trödelmärkte veranstalten können“, sagt Wolf. Während Myriam Edingloh und Alex Wolf über ihre Ideen sprechen, machen es sich Andrea Tigges und Hannah Schmitz am Nebentisch bequem. Die Studierenden sind zum ersten Mal im Kaffe Güzel: „Wir haben uns die Challenge gestellt, zwölf Cafés auszuprobieren, die wir noch nicht kennen“, erzählt Tigges lachend.

„Hier finde ich diese Wohnzimmeratmosphäre einfach schön – etwas Vergleichbares gibt es in Köln nicht“, stellt Schmitz fest.

Alex Wolf, Café-Mitarbeiter

KAFFE GÜZEL

In den Räumen der Schauspielschule Arturo, Bischofsweg 48-50. Täglich außer sonntags von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

info@kaffe-guezel.de