Kalk – Zu italienischer Schlagermusik durch einen Alleinunterhalter, kleinen Snacks und italienischen Weinen in rot und weiß ging es auf eine Reise von Kalk nach Sizilien. Mit dabei waren rund 150 Zuschauer, die vor einem zur Bühne umfunktionierten Lastwagen am alten Bahnhofs „Köln-Kalk“, Gottfried-Hagen-Straße, auf Kisten und Stühlen saßen. Die imaginäre Tour über eine Filmleinwand mit Hilfe von Google-Earth zählte mit zu der Festival-Reihe „Memory Stations“, mit denen die in Köln ansässige „Akademie der Künste“ in diesen Wochen die Bewohner im Ruhrgebiet, in Düsseldorf sowie mit einem Schwerpunkt in Kalk animieren will, sich in die Geschichte ihres Veedels einzubringen. In Kalk läuft das Projekt „Memory Stations“ noch bis zum 6. Juli und wird organisiert von Meryem Erkus und Boris Sievert.
Der Chef eines Büros für Städtereisen engagiert sich zudem in Bürgerinitiativen rund um den Kalkberg sowie zu den Hallen Kalk und hatte auch die Idee zu diesem italienischen Abend der anderen Art zum Motto „Sizilien Express“.
Angeregt wurde Sievert hierzu von den LKW sizilianischer Lebensmittel-Händler, die ab und an unter der Stadtautobahn am Fuße des Kalkbergs oder auch am Ex-Bahnhof stehen und von ihren Ladeflächen aus Eingemachtes in Gläsern und Dosen, vakuumverpackte Salami und Käse, Wein und Olivenöl verkaufen. „Auf der Rückfahrt nach Sizilien nehmen sie kleine und große Pakete mit, die ihnen die zahlreichen im Stadtteil lebenden Italiener mitgeben“, hat Sievert beobachtet.

Tereza Antona in ihrem kleinen Verkaufsladen
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Gerade Kalk sei ein Zentrum der italienischen Community in NRW und der Bundesrepublik. Von den 50er Jahren bis heute zieht der Stadtteil Menschen insbesondere aus dem Süden an. Sievert : „Manchmal hat man sogar den Eindruck, dass alle »Kalker Italiener« aus dem Städtchen Licata an der Südküste Siziliens stammen. Es gibt ja auch ein gleichnamiges Restaurant an der Johann-Mayer-Straße.“ Auf dem LKW erzählte Vincenzo Antona , Inhaber des Im- und Exportunternehmens „Autotrasporti Internazionali“ im Gespräch mit Moderatorin Aurora Rodono von seinen regelmäßigen Touren zwischen Kalk und Sizilien, wo er früher einen Autohandel betrieben hatte.
Seit sechs Jahren ist er wieder in Kalk ansässig, wo Ehefrau Tereza Antona aus einem Lagerraum unter der Eisenbahntrasse die Waren anbietet, die er von seinen Reisen in die Heimat und zur Familie mitbringt. So auch Olivenöl in ausrangierten Weinflaschen oder Artischocken in Obst und Saftgläsern. „Das sind doch alles Erzeugnisse aus unserer Familie“, sagt sie und lacht. Und die sind gefragt – bei der italienischen wie bei der deutschen Kundschaft.
Ein Stammkunde schwärmt für die Nudeln aus dem natürlich ebenfalls in Sizilien ansässigen Hause Poiatti. „Wenn Sie die einmal probiert haben, wollen Sie gar keine anderen Nudeln mehr essen.“
Die „Sizilien Express“-Veranstaltung wurde von der Stadt Köln, dem NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft und der Fritz-Bilz-Stiftung mit finanziert. Historiker Fritz Bilz: „Das Konzept hatte uns überzeugt. Das passt gut zu unseren Stiftungszielen wie Integration und Völkerverständigung.“
Boris Sievert, Organisator „Sizilien Express“
