Köln – Die Präsenz Eine verlassene Burg, Gerüchte um übernatürliche Phänomene und drei Freunde, die es wissen wollen. Die Story klingt simpel. Nimmt man die verwackelten Aufnahmen der Handkamera dazu, die Hauptdarstellerin Rebecca (Liv Lisa Fries) in der Dunkelheit der Nacht mitten im Wald zeigen, bekleidet nur mit einem Nachthemd, scheint der Psycho-Horror perfekt. Schnell kommen Erinnerungen an Filme wie „Blair Witch Projekt“ oder „Paranormal Activity“ hoch, die das „Found Footage“-Prinzip populär machten – einen Stil, über den suggeriert werden soll, dass es sich bei den Aufnahmen um zufällig gefundenes Material handelt. Ein Erfolgsrezept für Gruselstreifen – doch stammen Produktionen wie diese meist aus den USA. Horrorfilme aus Deutschland sind noch immer eine Seltenheit. Bis jetzt: Der Kölner Filmemacher Daniele Grieco hat mit seiner Kinoproduktion „Die Präsenz“ den Kampf aufgenommen. Nach einem guten Jahr Guerilla-Marketing über Facebook und einer selbst finanzierten Filmtour durch die Bundesrepublik, weil sich kein Verleih fand, bringt der 47-Jährige seinen „deutschen Horrorfilm“ nun in die Kinos (Start: 12. März).
„Aus Deutschland kennt man nur K- und K-Filme“, sagt Daniele Grieco beim Interview im Café Hallmackenreuther, sein Büro ist gleich in der Nähe. Was das bedeute? „Entweder sind deutsche Komödien erfolgreich oder künstlerisch ambitionierte Filme.“ Für Genrefilme fehle der Mut, die Sorge um die Vermarktung sei bei den Verleihern aber auch unter den Filmemachern zu groß, so Grieco, der sein Metier an der renommierten New York University lernte, an der schon Regiegrößen wie Martin Scorsese oder Oliver Stone studierten. Grieco: „Dabei fehlt es nicht am Publikum. Aber das bedient sich eben im Ausland.“ Sein Ziel sei es nun, dem Filmspektrum eine neue Farbe zuzuordnen, sagt er. „Etwas Besonderes machen, was es in Deutschland so noch nicht gibt.“ Die Inspirationen holt sich der Deutsch-Italiener aus seiner Gefühlswelt. In seinen Filmen behandelt er Themen, die in ihm eine Mischung aus Faszination und Angst hervorrufen: So wie die Tiefen des Meeres (2009 legte Grieco sein Kinodebüt mit der Wal-Dokumentation „The Last Giants“ vor), oder eben paranormale Phänomene. Selbst bei den Dreharbeiten für „Die Präsenz“ in einer Burg im Kölner Umland seien plötzlich seltsame Dinge passiert, erzählt Grieco. Türen hätten sich von selbst geöffnet, im Gasthaus, in dem die Crew übernachtet hatte, habe es nach Erzählungen der Besitzer ein Geisterzimmer gegeben. Grieco: „Ich war schon mit einigen Situationen konfrontiert, die ich mir nicht erklären kann.“
Um den Gruselfaktor am Set zusätzlich aufrechtzuerhalten und dem Film eine gewisse Authentizität zu geben, habe er die Schauspieler durch einen Trick in einem gespannten Zustand gehalten, erzählt er. „Ich habe angekündigt, dass wir sie immer mal wieder erschrecken werden. Deswegen sind viele Schreie im Film tatsächlich echt.“ Schreckmomente, die den Reiz des Films ausmachen würden, fügt er hinzu – auch im Kinosaal. „Angst ist die unmittelbarste Emotion“, so Grieco. „Wenn du die spürst, vergisst du, dass du in einem Kinosessel sitzt.“ Ob ihm das Erschrecken Spaß mache? „Klar. Das ist ein richtiger Kick. Es macht doch auch Spaß, sich erschrecken zu lassen – schließlich fängt man danach sofort an zu lachen.“
„Die Präsenz“ läuft ab 5. Februar im Filmhaus-Kino, Maybachstraße 111. Die Premiere findet dort am 30. Januar statt (21 Uhr).
