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Die Riesenmaus frisst jeden Rübenberg

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Elsdorf – Ein stattlicher Berg aus Tonnen von Zuckerrüben formte gut sechs Wochen lang das Landschaftsbild im Westen von Elsdorf – bis die Maus kam und den Berg in wenigen Stunden einfach wegfraß. „Die Maus“ ist der Name eines landwirtschaftlichen Spezialgerätes, das zur Verladung von Rüben eingesetzt wird. Die am Feldrand in sogenannten Mieten aufgetürmte Ernte wird damit in rasanter Geschwindigkeit aufgenommen, gereinigt und in Lastwagen verladen. Die fahren die zuckerhaltigen Feldfrüchte dann zur Fabrik in Euskirchen, wo die Verarbeitung erfolgt.

Das eindrucksvolle Arbeitsgerät mit dem Tiernamen (Maus steht für Mieten, Aufnahme, Umladen und System) ermöglicht eine präzise abgestimmte Lieferung der Hackfrüchte an die Zuckerfabrik.

Welche Lieferung wann von welchem Landwirt und welchem Feld in welcher Menge bei der Fabrik ankommen soll, wird im Vorfeld online kommuniziert. Ist die Ernte bei der Fabrik angekommen, wird dort die Qualität begutachtet und der Zuckergehalt ermittelt, der für den Preis pro Tonne ausschlaggebend ist. Die Landwirte erfahren gleichfalls online, wie ihre Rüben bewertet worden sind und wie viel Geld sie dafür bekommen.

Peter Wermes, Landwirt aus Zündorf und unter anderem im Arbeitskreis „Drüber und drunter“ zum Schutz von Boden und Wasser im rechtsrheinischen aktiv, berichtet von der gerade zuEnde gegangenen Rübenkampagne– so heißt die Zeit von der Ernte bis zur Ablieferung der Hackfrüchte.

„Die Ernte war von durchschnittlich guter Menge und Qualität“, sagt er. Auf dem elf Hektar großen Feld bei Elsdorf habe er 70 Tonnen Rüben pro Hektar geerntet. Ihr Zuckergehalt lag nach Ermittlung der Fabrik bei 17,5 Prozent. „Im Sommer hatten wir wochenlang die Befürchtung, die Rübenernte werde so katastrophal ausfallen wie im Vorjahr, als die lange Trockenheit uns einen Negativrekord beschert hat“, sagt Wermes. Von September an habe das Wetter aber gut mitgespielt, die Rüben konnten bis zur Ernte im November weiter wachsen und an Süße zulegen.

Während früher jeder Landwirt mit eigenen, kleinen Maschinen die Hackfrüchte erntete, verlud und zur Fabrik brachte, ist das Verfahren in den vergangenen Jahrzehnten beständig optimiert worden. „Seit 1996 gibt es den Maschinenringverbund Rhein-Sieg“, berichtet Wermes. Die angeschlossenen Landwirte teilen sich die sehr leistungsstarken, aber auch enorm teuren Großgeräte. Die Rübenverlade-Maus beispielsweise gehört dem Liburer Landwirt Gottfried Schulte. Er entwickelt in Zusammenarbeit mit der Fabrik und den vielen Partnern im Verbund einen ausgeklügelten Plan für den Maus-Einsatz von September bis Januar. Jeder Landwirt bekommt demnach bis zu drei Verladetermine und muss zeitgerecht dafür sorgen, dass die Rüben dann geerntet und abholbereit in Mieten am Feldrand aufgehäuft sind. Die Maus und die abholenden Lastwagen sind per Bluetooth verbunden, so dass die rasche Folge von Lkw-Anfahrt, Rübeneinfüllung über den Maus-Ladearm und Weiterfahrt nach Euskirchen reibungslos funktioniert.

„Früher waren wir mit der Rübenernte und Verladung den ganzen Herbst über beschäftigt“, berichtet Wermes. Kleine Erntemaschinen schafften die Arbeit auf dem Feld längst nicht so zügig wie die großen Geräte des Maschinenrings, die gewaltige Arbeitsbreiten haben und mit Licht so gut ausgestattet sind, dass die Ernte bei Anbruch der Dunkelheit nicht unterbrochen werden muss. Die Verlade-Maus mit einer Einsatzbreite von zehn Metern und die mächtigen Lkw erledigen auch den Transport weitaus schneller und sauberer als das früher der Fall war. Statt immer wieder mit Traktor und beladenem Anhänger zur Fabrik pendeln zu müssen, können Landwirte jetzt die gewonnene Zeit nutzen, um ihre Felder schon fürs nächste Erntejahr vorzubereiten.

Wermes hat auf dem Elsdorfer Acker Winterweizen eingesät. Das Getreide wird durch den vorherigen Rübenanbau gut mit Nährstoffen und Schutz vor Schädlingen und Krankheiten versorgt. Die Maus kommt auf diesem Feld erst wieder zum Einsatz, wenn in der Fruchtfolge erneut Rüben an der Reihe sind. Der Riesen-Helfer hat die aktuelle Rübenkampagne nun für den Einsatzbereich beendet. Nach täglich bis zu 1300 Tonnen Rüben, die der Verbund an die Zuckerfabrik liefern konnte, hat das Arbeitstier jetzt bis September Ruhe.

Peter Wermes, Landwirt

Rübenanbau ist gut fürs Klima

Der Anbau von Zuckerrüben ist deutschlandweit bedroht. Unter anderem, weil in anderen Ländern zum Teil deutlich mehr Subventionen für den Rübenanbau erfolgen, könnte sich der Anbau hier nicht mehr rechnen.

Der Verzicht auf den Rübenanbau kann nach Einschätzung des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes aber auch die Umwelt beeinträchtigen. Die Zuckerrübe binde pro Hektar 36 Tonnen CO2 – dreimal mehr als ein Hektar Wald – und produziere etwa 26 Tonnen Sauerstoff. (bl)