Frau Imig, wie lange leben Sie schon in Rath-Heumar, und wie gefällt es Ihnen dort?
Ich bin in Rath aufgewachsen. Meine Eltern haben ihr Haus neben der Haltestelle Röttgensweg, und so wurde ich immer „die Rothaarige von der Haltestelle“ genannt. Vor acht Jahren zog ich mit meiner eigenen kleinen Familie wieder „ins Dorf“. Mein Mann ist auch in Rath aufgewachsen, so sind wir familiär sehr verwurzelt. Wir konnten durch die städtischen Grundstücke genau da, wo ich meine Kindheit verbracht habe, ein Haus bauen: nahe der Haltestelle Röttgensweg. Meine Kinder gehen in denselben Kindergarten und auf dieselbe Schule, die mein Mann und ich schon besucht haben. Anscheinend komme ich nicht wirklich von hier weg und will es auch nicht. Wir sind sehr verankert in Rath, mein Mann trainiert die Fußballjugend, wir spielen Tennis – und jeden Tag fahre ich von dieser Haltestelle aus in die Stadt.
In der öffentlichen Wahrnehmung wird das Viertel oft mit dem Fluglärm in Verbindung gebracht. Ist das ein Vorurteil?
Nein, das trifft schon zu, aber mich regt das nicht so auf – ich nehme das gar nicht mehr wahr. Wir haben zwischenzeitlich in der Altstadt-Süd gewohnt, da war es ebenfalls selten ruhig. Wenn man einigermaßen zentral und mit guter Anbindung wohnen möchte, muss man eben auch die Nachteile hinnehmen, egal ob in der Südstadt oder hier in Rath. Wir wohnen zudem in einer Neubausiedlung, da war Dreifachverglasung bereits beim Bau Pflicht. Wir schlafen auf jeden Fall alle gut, und tagsüber ist es bei uns eh nie leise.
Wie viel Stadt steckt im Viertel?
Wenn man eine Zeit lang in der Südstadt gewohnt hat, dann ist hier im Vergleich natürlich Diaspora.
Kultur- und Einkaufsmöglichkeiten oder zahlreiche Cafés und Restaurants sucht man vergeblich. Aber Rath ist gekennzeichnet von einem unglaublich hohen bürgerschaftlichen Engagement, gerade was die Kultur angeht: Es gibt Theatergruppen auf professionellem Niveau, eine tolle Karnevalssitzung, ein über die Grenzen hinaus bekanntes Musikfestival, Lesungen in der Buchhandlung oder in der Pfarrbücherei.
Und wenn was angeboten wird, gehen gefühlt alle hin. Aber wenn es doch mal ein wenig mehr sein soll: Dank der guten Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmittel n sind wir immer schnell in der Stadt.
Wie sehen die Freizeitangebote aus?
Ich glaube, was Sport angeht, werden fast alle Bedürfnisse abgedeckt: Pilates, Laufgruppen im Königsforst, Handball beim RSV und Fußball, die Turnerschaft Rath-Heumar, Kurse wie zum Beispiel Yoga in den Pfarrgemeinden. Das meiste davon wird durch Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement ermöglicht. Ich glaube, das ist in unserem Veedel stärker zu spüren als woanders. Vielleicht, weil viele sehr eng im Ort verwurzelt sind, so wie ich hier selbst schon eine schöne Kindheit verbracht haben und nun deshalb gern etwas zurückgeben möchten.
Gibt es sowas wie ein Veedelsgefühl?
Das ist mit meinen Antworten doch deutlich geworden. Vieles gibt es hier nicht: absolute Ruhe vor Fluglärm und Autobahn, kein Kino oder eine richtige „Einkaufsmeile“. Aber das besondere Veedelsgefühl, das ist hier ausgeprägter als woanders. Das beste Beispiel ist das Entstehen eines Feierabendmarktes rein aus bürgerschaftlichem Engagement heraus. Die Premiere war in diesem Sommer, im Winter werden wir nun erstmalig einen eigenen Weihnachtsmarkt haben.
ZUR PERSON
Andrea Imig verbrachte bereits ihre Kindheit in Rath. Sie arbeitet als Kunsthistorikerin im Museum für Angewandte Kunst . Somit pendelt sie jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen Dom und Rath.
Imig ist Mutter von zwei Kindern, vor Weihnachten soll das Dritte zur Welt kommen. Ihre Hobbys sind neben der Familie Lesen und Sport, zum Beispiel Joggen im Königsforst.
Steckbrief
Das mag ich an Rath: Einiges was an Kultur- und Eventprogramm in anderen Veedeln leichter zugänglich ist, das machen die Rather einfach selbst, wie etwa das jährliche Musikfestival. Lange hat mir ein schöner Spielplatz gefehlt, der ist mit der „Fock“ realisiert worden. Also, es ist vieles gut gelungen. Verbesserungswürdig ist : Der Bedarf an Kindergärten müsste wegen der steigenden Geburtenzahlen und der Zuzugsrate besser abgedeckt werden. Kitas sind wohl in Planung – ich hoffe, das wird alles zeitnah umgesetzt. Sicher brauchen wir in naher Zukunft auch noch weitere, gut erreichbare Schulen, wie zum Beispiel eine Gesamtschule. Lieblingsort: Da gibt es mehr als einen: Ich bin gern im Königsforst unterwegs, wir feiern Karneval im Rather Hof, bei Festen am Platz vor dem Bürgerzentrum, ich schätze den Bioladen und den Marktstand auf der Lützerathstraße, bin gerne in der Rather Bücherstube und in der Pfarrbücherei oder bei der Bäckerei Lauten. Die Hofflohmärkte im September sind auch sehr schön.