Köln – 60 Jahre ist nichts passiert – und dann gibt es drei Einbrüche binnen eines Jahres. Wild- und Fleischhändler Heinz Jürgen Palm ist eines von mehreren Opfern von Banden, die es seit einiger Zeit auf Fleisch und Delikatessen aus Großmärkten in Köln abgesehen haben. Rund 60 Einbrüche seien ihm bekannt.
Die Täter kommen nachts und meist am Wochenende. „Die Täter wissen, dass dann kein Wachpersonal da ist“, sagt Palm. Die Stadt würde aus Sparmaßnahmen seit einigen Jahren darauf verzichten. Stattdessen sollen Überwachungskameras das Gelände absichern. „Die meisten Kameras sind defekt, gefühlt funktionieren nur drei von insgesamt 60“, so Palm.
Er fühlt sich von der Stadt alleine gelassen, die von dem Problem wüsste, bisher aber nicht handeln würde. Auch eine Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wollte sie am Dienstag nicht beantworten.
„Endlich mal einen erwischt“
Den letzten Einbruch gab es am 11. Oktober. „Da haben wir endlich mal einen erwischt“, sagt Palm, dem alleine in jener Nacht Fleisch im Wert von rund 25000 Euro gestohlen worden war. Bei den beiden Einbrüchen zuvor ging es um Waren im Wert von 23000 Euro. Zuletzt transportierten die Diebe teure argentinische sowie brasilianische Rinderfilets, US-Fleisch und Kalbfleisch ab. „Die klauen nur die guten Sachen“, weiß Palm, der sogar eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro für Hinweise aussetzte.
Weil die Polizei beim Diebstahl am 11. Oktober aber eine Person festnehmen konnte, seien die Ermittlungen inzwischen deutlich konkreter, weiß Palm. Für ihn sei die Belohnung damit hinfällig.
Die Polizei habe zudem bereits einen Teilerfolg feiern können, erzählt Palm weiter. Am Kölnberg sollen große Mengen der gestohlenen Ware gefunden worden sein. Darunter Fleisch vom Großhandel Palm und dem Imbiss von Peter Weingarten. Die Polizei Köln wollte sich auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bislang nicht zu den Ermittlungen äußern.
Für Heinz Jürgen Palm bleibt bis auf weiteres nicht nur die Sorge um neue Einbrüche, sondern auch ein Problem mit der Versicherung. Bisher habe es zwar keine Beanstandungen gegeben, aber die Sorge vor einer Kündigung ist groß: „Ich werde meine Sicherheitsmaßnahmen verbessern müssen, sonst droht mir wahrscheinlich die Kündigung seitens der Versicherung.“
Er beschäftigt sich daher bereits mit einem neuen, privaten Sicherheitssystem für seinen Großhandel in Raderberg. Für die dadurch entstehenden Kosten muss er dann wohl selbst aufkommen.
