Köln – Die umstrittene Impfaktion in München von mehr als 100 Mitarbeitern einer italienischen Ferienanlage auf Sardinien vor sechs Wochen sowie eine zweite ähnliche Aktion eine Woche später mit Angestellten eines anderen italienischen Hotels hat die Polizei nun auch nach Köln geführt: Am Donnerstag durchsuchten Ermittler hier eine Arztpraxis und eine Apotheke.
Es gehe um den Verdacht der Bestechlichkeit im Gesundheitswesen und der Unterschlagung von Impfstoff, sagte Matthias Held von der Generalstaatsanwaltschaft in Nürnberg. Insgesamt werde gegen mehrere Beschuldigte ermittelt: Apotheker, Ärzte und einen Rechtsanwalt. In München gab es bereits Mitte Juni Durchsuchungen.
Bei der zweiten Aktion am Münchner Flughafen soll auch der Kölner Mediziner Spritzen mit dem Impfstoff gegen das Coronavirus gesetzt haben. Dabei waren die Hotelmitarbeiter, die - wie schon beim ersten Mal - nach einem kurzen Aufenthalt wieder zurück nach Sardinien flogen, in Deutschland offenbar gar nicht impfberechtigt.
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Markus Söder hat die Impfaktion scharf verurteilt
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die erste Aktion bereits verurteilt. Solche Fälle dürften sich nicht häufen, sagte er. Es gebe genug Menschen, die nach wie vor auf eine Impfung warten. „Das muss geklärt werden und auch mit Regeln versehen werden, dass es nicht wieder passiert.“ Woher der verwendete Impfstoff stammte, ist noch nicht geklärt – jedenfalls aber „nach bisherigen Ermittlungen nicht aus Köln", sagte Oberstaatsanwalt Held. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns untersucht nach eigenen Angaben den Fall.
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Ein Manager des Luxus-Hotels hatte Italiens öffentlich-rechtlichem TV-Sender Rai 3 gesagt, es sei wichtig gewesen, dass die Ferienanlage bereit sei, damit Gäste dort sicher Urlaub machen könnten. Man habe die erste „Etappe“ genommen, da in Italien Impfungen für Mitarbeiter in Firmen noch nicht möglich gewesen seien. Das Hotel habe für diesen Service auch bezahlt.
Ein Arzt, der die Impfungen mitverabreicht haben soll, hatte zudem in einem Interview von Rai 3 gesagt, die deutsche Regierung sei an der Organisation beteiligt gewesen. Das Bundesgesundheitsministerium hatte die Aussagen allerdings umgehend zurückgewiesen, wie der „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ berichteten.

