Das Gesundheitskollektiv Köln berät in Kalk Menschen, die in gesundheitlichen Fragen an ihre Grenzen kommen. Langfristig reicht das dem Verein aber nicht.
Ehrenamtspreis „Köln Engagiert“Gesundheitskollektiv Köln hat eine große Vision für Kalk

Das Team des Gesundheitskollektivs klärt auch auf Veranstaltungen wie dem Kalkfest über seine Arbeit auf.
Copyright: Fadi Elias/In-Haus Media 2026
Wer zur Beratung des Gesundheitskollektivs kommt, geht nur selten wieder mit einer Diagnose. Im besten Fall aber mit Antworten auf die unterschiedlichsten gesundheitlichen Fragen. Es geht um den Brief der Krankenkasse in deutscher Sprache, an dem Nicht-Muttersprachler verzweifeln. Um die Suche nach einem Psychotherapieplatz, die seit Monaten ins Leere läuft. Um die Sorge einer Mutter, die mit einer komplizierten Diagnose ihres Kindes überfordert ist. Oder um bürokratische Anliegen wie die Beantragung eines Behinderungsgrades oder eines Pflegegrads.
Rund 30 Ehrenamtliche – darunter Pflegekräfte, Sozialpädagoginnen, Psychologinnen, Ärztinnen und Ärzte – engagieren sich im Verein in den vier wöchentlichen offenen Gesundheitssprechstunden im Bezirk Kalk. Mischa Regenbrecht, Gesundheits- und Krankenpfleger, ist einer von zwei bezahlten Mitarbeitenden im Verein. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren sehr viel Wissen angeeignet, mit dem wir den Menschen helfen können“, sagt er. Für diese über Jahre gewachsene, ehrenamtlich geleistete Arbeit hat die Stadt Köln das Gesundheitskollektiv Köln nun mit dem Ehrenamtspreis „Köln Engagiert“ ausgezeichnet.
Gesundheitskollektiv Köln: Die Vision eines Stadtteilgesundheitszentrums
Den Preis erhält der Verein, der sich erst vor Kurzem von „Solimed Köln“ zum Gesundheitskollektiv umbenannt hat, für das, was er in den vergangenen Jahren geleistet hat. Die Vision, wegen der der Verein kurz vor der Corona-Pandemie überhaupt entstanden ist, ist aber eine größere. „Wir haben die Idee, in Kalk ein Stadtteilgesundheitszentrum mit möglichst barrierefreiem Zugang aufzubauen, in dem eine Primärversorgung stattfindet und in dem sich die Menschen gegenseitig dabei unterstützen, sich gegen krankmachende Verhältnisse einzusetzen“, sagt Mischa Regenbrecht. Die Grundidee beruht auf dem Konzept der sozialen Determinanten der Gesundheit. Also die Lebensbedingungen, unter denen Menschen aufwachsen und leben, und die relevant für Gesundheit oder Krankheit sind.
Armut, Bildung, Wohn- und Arbeitsbedingungen, aber auch die Luftqualität, der Zugang zu Grünflächen, die Infrastruktur und soziale Ausgrenzung sind solche Faktoren. „Wer ein stabiles soziales Netz hat, dem nützt das gesundheitlich mehr, als mit dem Rauchen aufzuhören“, sagt Regenbrecht. Genau dieses Netz fehle vielen Menschen in Kalk. Wer in Kalk, Mülheim oder Chorweiler lebt, sei im Schnitt häufiger krank und sterbe früher als etwa in Sülz oder Lindenthal. Das zeigt ein Gesundheitsatlas, den der Verein aus öffentlich zugänglichen Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein oder des Kölner Gesundheitsamts erstellt hat. „Natürlich kann man große strukturelle Themen wie Armut nicht auf einen Schlag lösen“, sagt Regenbrecht. „Aber irgendwo muss man ansetzen.“

Die Basis der Arbeit des Gesundheitskollektivs sind Faktoren, die Gesundheit und Krankheit beeinflussen.
Copyright: Fadi Elias/In-Haus Media 2026
Beispiele eines Stadtteilgesundheitszentrums gibt es schon in Berlin, Hamburg und Leipzig. „Für uns ist das ein Fernziel“, sagt Regenbrecht. Schon in zwei Jahren würde der Verein gerne Behandlungsangebote schaffen. Nur mit Ehrenamt sei so etwas aber nicht zu stemmen. Gefördert wird das Gesundheitskollektiv bereits von verschiedenen Seiten. Für das finanziell und bürokratisch aufwendige Fernziel müsse man aber an noch größere Fördertöpfe kommen. „Wir freuen uns über den Ehrenamtspreis und die Anerkennung. Aber wir merken, dass wir ehrenamtlich Lücken füllen, die eigentlich geschlossen sein müssten“, sagt Regenbrecht. Auch wenn viele Aspekte der Gesundheitsversorgung in den Händen von Bund und Ländern liegen, habe die Stadt Hebel, um die Gesundheitsversorgung in Kalk zu verbessern. „Die Stadt könnte eine Stelle für Gemeinwesensarbeit bezahlen oder für eine sogenannte Community Health Nurse (deutsch: Stadtteilkrankenschwester), die sich im Stadtteil um die gesundheitliche Vorsorge eines Stadtteils kümmern könnte.“
Auf dem Weg zum übergeordneten Ziel steckt der Verein seine vor allem ehrenamtliche Energie weiterhin in die Gesundheitsberatung. „Aus den wiederkehrenden Themen der Beratung entwickeln wir immer wieder auch andere Angebote und bringen Menschen zusammen, um miteinander in Kontakt zu kommen und sich gegenseitig unterstützen zu können“, sagt Regenbrecht. Einmal in der Woche gibt es ein Häkel- und Stricktreffen oder ein kostenloses Yoga-Angebot. Auch, um Menschen aus der Einsamkeit zu holen – ein weiterer wichtiger Gesundheitsfaktor. „Diese Angebote wollen wir weiter ausbauen.“
Das ausführliche Konzept für das Stadtteilgesundheitszentrum stellt der Verein online vor. www.geko-koeln-kalk.de