Bauprojekt in BickendorfEin Herz für das kleine Häuschen

Das zum Abbruch bestimmte Herzhäuschen sorgt für Diskussionen.
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Bickendorf – Das Bauvorhaben der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft GAG am Häuschensweg wird begleitet von einer Diskussion um Erinnerungskultur. Das so genannte Herzhäuschen an der Ecke Häuschensweg/Ahornweg soll gerettet werden. Dort wohnte von 1910 bis 1941 das jüdische Ehepaar Albert und Mathilde Herz und seine Familie. Alle wurden von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager ermordet. An das Schicksal erinnern Stolpersteine von Künstler Gunter Demnig vor dem Haus. Es steht am Rande des Geländes der ehemaligen Firma Metallverpackung Köln. Bis 2008 hieß das Unternehmen Groten. Rund 130 Wohnungen sollen hier errichtet werden.
Die Ankündigung der GAG, das laut Gutachten baufällige ehemalige Landarbeiterhaus abzureißen und als Kopie neu zu errichten, wurde bei einer Bürgerinformationsveranstaltung noch kommentarlos zur Kenntnis genommen. Inzwischen jedoch regt sich Widerstand gegen die Abbruchpläne.
Die Bezirksvertretung Ehrenfeld forderte auf Antrag der CDU-Fraktion einen „sofortigen Baustopp“ in Bezug auf den Abbruch des kleinen Hauses. Die Politiker regten außerdem an, die Parzelle – auf der sich das Gebäude sowie ein noch kleineres, ebenfalls für die Ortsgeschichte bedeutsames Haus, befindet – aus dem Plangebiet herauszulösen. Mit Hilfe privater Investoren soll dann der Erhalt des Herzhäuschens und des Nebengebäudes ermöglicht werden. Kritik übten außerdem die Grünen daran, dass beabsichtigt sei, eine etwaige Nachbildung des Herzhäuschens um einige Meter zu versetzen, damit die Straßeneinmündung breiter wird. Dagegen verwahrten sich auch die übrigen Politiker. Zur Begründung der Forderung verweisen die Christdemokraten auf einen Beschluss vom November 2014. Darin wurde gefordert, dass die beiden geschichtsträchtigen Häuser in die Planungen für das Gesamtgelände einbezogen und mit einem attraktiven Außenbereich versehen werden sollen. „Genau dieser Wunsch war Gegenstand beim Architektenwettbewerb“, sagt Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamtes.
Wirtschaftlich nicht vertretbar
Der Erhalt des Herzhäuschens sei jedoch laut einem von der GAG in Auftrag gegebenen Gutachten wirtschaftlich nicht vertretbar. Unter anderem ist die Rede davon, dass die Fundamente feucht seien, der Dachstuhl durch Pilz- und Schädlingsbefall marode und einsturzgefährdet sei, außerdem seien giftige Holzschutzmittel sowie Asbestplatten in beiden Gebäuden vorgefunden worden.
Vor diesem Hintergrund hält Anne Luise Müller die vom Architekturbüro Carsten Lorenzen vorgeschlagene Lösung einer Kopie des Häuschens für geschickt. „Der würdige Umgang mit der Vergangenheit ist auch mit dieser Neu-Interpretation des Gebäudes gut möglich“, ist die Amtsleiterin überzeugt. Sie fügt hinzu, dass auch Bickendorfer Bürger, die sich mit der Ortsgeschichte befassen, an den Beratungen über die Architektenentwürfe beteiligt gewesen seien. „Die waren sehr erfreut, dass das Thema von der Bauherrin sehr ernst genommen wurde“, sagt Anne Luise Müller. Sie verweist aber darauf, dass das eigentliche Verfahren zur Bebauung des Geländes noch durchgeführt werde – mit Beteiligung der Bürger. Dabei gebe es Gelegenheit, das Thema nochmals anzusprechen.
Die Bauherrin GAG selbst gibt sich zurückhaltend . Ein Unternehmenssprecher: „Wir sind nach wie vor überzeugt, einen gelungenen Entwurf für die weitere Entwicklung des ehemaligen Groten-Geländes am Häuschensweg erarbeitet zu haben. Einen Entwurf, der sowohl die städtebauliche Entwicklung und die Schaffung preisgünstigen Wohnraums fördert, als auch die Erinnerungskultur in Form des Herzhäuschens angemessen berücksichtigt.“ Und weiter heißt es in der Erklärung: „Bei der Bürgerinformation mit deutlich mehr als 100 Anwohnerinnen und Anwohnern wurde dieser Entwurf interessiert aufgenommen, vereinzelt gab es auch Lob.“
Zu denen, die sich nun für den Erhalt des Herzhäuschens einsetzen, gehört die Initiative Künstler für Bickendorf. Die Gruppe bildete sich vor einigen Jahren, als über die Gestaltung des Rochusplatzes diskutiert wurde – und sie will sich nun mit der GAG zusammensetzen, um eine Lösung zu finden. Michael Schmitz von der Künstlerinitiative kann sich einen Erhalt des Herzhäuschens durchaus vorstellen. Als Bauherr hat er selbst schon mehrere historische Gebäude im Stadtteil restaurieren lassen.
Schmitz schlägt jedoch einen teilweisen Abbruch vor. „Ich würde nur die Giebelmauern des Häuschens stehen lassen.“ Die Seitenwände sollen auf einer neuen Bodenplatte aus Stahlbeton mit den alten Ziegelsteinen wieder aufgebaut werden.
Für die Dacheindeckung empfiehlt er Hohlpfannen aus dem historischen Baubedarf, die bereits eine Patina aufweisen. Zinkelemente – etwa Dachrinnen und Fallrohre – sollten ebenfalls ein „altes“ Aussehen haben, welches durch eine sogenannte Vorbewitterung erzielt wird.
