Gyda Cravo Caçoilo verkauft Servietten und Co. mit ihrer Kunst darauf – mit Fokus auf Beständigkeit, Produktionsstandards und Heimatverbundenheit.
Studio CravoKölnerin verkauft Tischwäsche mit norwegischem Touch

Gyda Cravo Caçoilo verkauft Servietten und Co. mit ihrer Kunst darauf.
Copyright: Rika Kulschewski
Auf feinen, beigefarbenen Leinentüchern sind bunte Skizzen gestickt. Es sind simple Motive wie Kabeljau, kleine Hütten, Zitronen, Weingläser und -flaschen. Für Gyda Cravo Caçoilo repräsentieren die meisten ihre Heimat Norwegen und ihre angeheiratete Zweitheimat Portugal. „Der Kabeljau, im norwegischen Torsk, steht total für Norwegen, er ist aber auch ein großer Bestandteil der portugiesischen Kultur“, sagt Cravo Caçoilo lächelnd, während sie über die feinen Motive fährt. „Und die Holzhütten sind zum Beispiel typisch für Norwegen, die Zitrone verbinde ich eher mit Portugal.“
Die Norwegerin ist für ihr Studium der Wirtschaftsinformatik nach Köln gekommen und lebt seitdem hier. Um ihren Studienkredit abzuzahlen, fing sie schnell an zu arbeiten und Geld zu verdienen. „Ich hatte das Bedürfnis nach Sicherheit, aber eigentlich waren die Arbeit und die Branche ganz fremd und haben überhaupt nicht zu mir gepasst“, reflektiert sie.

Tischwäsche mit norwegischem Touch des Studio Cravo
Copyright: Rika Kulschewski
Köln-Ehrenfeld: Gyda Cravo Caçoilo designt nachhaltige Tischwäsche
Schon immer habe sie Kunst gemacht, früher in Norwegen mit ihrem Großvater. Sie sei eine ruhige, kreative Person, sagt Cravo Caçoilo, während ihr früherer Job nüchtern und rasant gewesen sei. 2019 wird sie schwanger, kurz darauf folgt der Lockdown. „Zum ersten Mal seit Langem lebte ich ohne Leistungsdruck und konnte mich auf meine Werte und meine Leidenschaft konzentrieren“, erinnert sie sich.
Also beginnt sie wieder intensiver zu arbeiten – an Wandkunst und an Textilien. „Ich habe neben der Malerei immer Skizzen gemacht, vor allem von Dinnertischen, und diese dann auf Stoff übertragen“, erzählt die Kölnerin. Die Arbeit mit Textilien sei tief in der norwegischen Tradition verankert, Tischwäsche typisch in allen norwegischen Haushalten, unabhängig von Etikette und Luxus.
Für Cravo Caçoilo war es naheliegend, ihre Kunst mit norwegischer Tradition zu verbinden. Nach der Elternzeit wurde ihr klar, dass die Arbeit als Wirtschaftsinformatikerin nicht mehr zu ihr passte. „Ich habe gemerkt, dass ich wieder diesen Wert brauche, etwas, das meine Herkunft und mich ausmacht.“
Studio Cravo legt Wert auf Herstellung und Beständigkeit
Also erstellte sie einen Businessplan und begann zu designen. Die Skizzen zeichnet sie per Hand, stickt sie und digitalisiert sie anschließend. Ende 2024 gründete sie ihr Label Studio Cravo, arbeitet in einem geteilten Atelier in Ehrenfeld und verkauft Servietten, Tischdecken und Küchentücher mit ihren Motiven. Primär über ihren Onlineshop, aber auch über Social Media, Märkte und ausgewählte Conceptstores in Deutschland, Norwegen, Schweden und Österreich. Die Nachfrage wächst. „Ich merke, dass das Interesse vor allem durch die Motive entsteht, bei vielen baut sich etwas Emotionales auf“, sagt Cravo Caçoilo.
Sie vermietet zudem Tischwäsche für Events, und immer wieder entstehen Kooperationen – zuletzt entwarf sie mit dem Sülzer Lokal céca ein T‑Shirt. Nebenher verkauft sie unter ihrem Künstlernamen Gyda Klepp Wandkunst. „Ich merke, dass sich das Label langsam auszahlt, aber das meiste investiere ich direkt wieder – da ist die Wandkunst ein wichtiges zweites Standbein“, sagt Cravo Caçoilo.
Die Norwegerin legt großen Wert auf die Qualität und Herstellung ihrer Tischwäsche. Der Leinenstoff kommt aus Europa, produziert wird inzwischen in einem Familienbetrieb in Portugal. „Ich mag den Begriff Nachhaltigkeit nicht, weil er so überbenutzt ist, aber es ist alles so zertifiziert wie möglich und die Bedingungen sind so fair wie möglich“, sagt Cravo Caçoilo. Wichtig sei ihr, dass Marke und Produkte Bestand haben: „Ich möchte kein crazy Business, sondern mit meiner kleinen Familie davon leben können.“
Nächste Schritte will sie bewusst gehen. Erstmals plant sie, Stoffe einfärben zu lassen – lange verzichtete sie darauf, wegen des höheren Ressourcenverbrauchs. Nun habe sie jedoch ein kleines Unternehmen gefunden, das besonders ressourcenschonend arbeitet. „Ich merke, die Leute wollen gerne mehr Farbe, und das finde ich auch schön, wenn es funktioniert, ohne meine Werte zu vernachlässigen.“
