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Verein aus EhrenfeldSo steht es um den früheren Veedelsmotor „Jack in the box“

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Zwei Männer stehen in einem Container, in dem Fotos an den Wänden hängen.

Nostalgie war angesagt, aber wie es mit Jack in the Box weitergehen soll, konnten auch die Vereinsmitglieder Markus Flück und Heribert Weegen (v.l.) nicht sagen.

Der Verein Jack in the box bespielte bis 2016 das alte Güterbahnhofgelände in Ehrenfeld. Ob es jetzt, zehn Jahre danach, einen Neuanfang gibt, ist unklar. 

Übersee-Container auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände in Ehrenfeld, Container auf einer Fluxus-Ausstellung in Wiesbaden, Container bei einer Fairtrade-Veranstaltung im Palladium: Als kürzlich das 20-jährige Bestehen von Jack in the Box mit einer Foto-Ausstellung gefeiert wurde, standen die riesigen Metallbehälter selbstverständlich im Mittelpunkt, denn sie sind  Namensgeber und Aushängeschild des Vereins. Selbstverständlich fand die Ausstellung auch in einem Container statt, als Gast der „Passagen“-Design Woche war der Verein damit auf dem Hof der Ehrenfelder Pattenhalle untergekommen.

„Es ist aber kein Original-Container des Vereins mehr, diesen hier haben wir extra angemietet“, erklärte Heribert Weegen, Vorstandsmitglied von Jack-in-the-Box. Sein Vorstandskollege Markus Flück berichtete, dass zahlreiche Besucher in Erinnerungen schwelgten, als sie die rund 70 Fotos von früher sahen: „Ach ja, so sah das mal aus.“ Nostalgie war angesagt, denn der Verein hat seit der Gründung einige folgenschwere Veränderungen durchgemacht. Die wohl traurigste und einschneidendste war der plötzliche Tod des Gründers und Ideengebers Martin Schmittseifer im vergangenen September. „Den Antrag auf eine finanzielle Förderung der Ausstellung haben wir vier Tage vor seinem Tod gestellt, sie sollte auch so etwas wie das Signal für einen Neustart sein“, berichtete Weegen.

Zwei Männer stehen vor einer großen grünen Lagerhalle auf einem schlammigen Boden.

Martin Schmittseifer (l.) und ein Mitstreiter im Oktober 2015 vor der Halle von Jack in the Box auf der ehemaligen Brache des Alten Güterbahnhofs, der heute ein Neubau-Wohnquartier ist.

Der Sozialarbeiter Martin Schmitseifer wollte mit Jack-in-the-Box innovative Modelle zur Beschäftigungsförderung ausprobieren. So sollten Langzeitarbeitslose etwa Übersee-Container zu Ateliers oder Räumen von Jugendtreffs umbauen. Auf dem Gelände des Güterbahnhofs, damals eine Brache, nutzte der Verein dafür eine große Halle mit Werkstätten, in der bald auch Partys, Märkte und Ausstellungen stattfanden. 

Jack in the box war bis 2016 am alten Güterbahnhof angesiedelt

Doch mit der Zwischennutzung der Halle war es 2016 vorbei, der Immobilienentwickler Aurelis hatte das Areal angekauft. Die Bezirksvertretung Ehrenfeld sprach sich für den Verbleib von Jack-in-the-Box aus, zunächst waren großzügige Räumlichkeiten der so genannten Ostspitze im Gespräch. Bis es soweit war, sollte Jack-in-the-Box Gebäude in der Südstadt beziehen.

Doch weil die Ostspitzen-Lösung im Bebauungsplan nicht festgehalten wurde, fühlte sich die Aurelis nicht an die Absprachen gebunden, nach zähen Verhandlungen kaufte die Stadt schließlich das ehemalige Gebäude der Bahndirektion am Maarweg, der „Westspitze“ des Geländes, an und vergab das Gebäude 2021 im Erbbaurecht an die „Stattinsel Westspitze GmbH“. Die hatte Schmittseifer eigens zu diesem Zweck mit Amon Nanz als zweitem Gesellschafter gegründet. Denn das Übergangsquartier in der Südstadt hatte sich als ungeeignet erwiesen, der Verein war verschuldet und kam als Pächter nicht infrage.

Wie es nun in dem Haus am Maarweg weitergehen soll, ist unklar. Noch hat die Stadt nicht die Genehmigung für den notwendigen Umbau des rund 600 Quadratmeter großen Hauses erteilt. Weil Martin Schmittseifer, der auch Mitglied des Vereinsvorstands war, nun nicht mehr die Richtung vorgeben kann, sind offensichtlich Differenzen zwischen Verein und GmbH entstanden, was die künftige Art der Nutzung angeht: Soll dort wieder Beschäftigungsförderung stattfinden, oder soll das Gebäude wegen des knappen Platzangebots vor allem ein Ort für kulturelle Veranstaltungen werden, mit einer Gastronomie dazu?

Die Beteiligten möchten sich derzeit nicht äußern, nicht zuletzt wegen juristischer Fragen, die noch zu klären seien. Auch Politiker antworten ausweichend, wollen nicht zusätzlich für Unruhe sorgen. „Für die neuen Bewohner des Güterbahnhof-Geländes wäre es aber schön, wenn bald etwas passieren würde“, sagte Bezirksbürgermeister Volker Spelthann lediglich.