Leitradlofts in Köln-EhrenfeldStart-Ups ziehen in alte Schiffschraubenfabrik

Ein lichtdurchflutetes Atrium entsteht im ersten Obergeschoss des „Leitradlofts“.
Copyright: Rösgen Lizenz
Ehrenfeld – Junge Unternehmen in historischen Hallen – das ist die Grundidee des Bürokomplexes „Leitradlofts“, der zurzeit an der Lichtstraße entsteht. Die ehemaligen Produktionshallen der Schiffsschraubenfabrik Ostermann werden komplett umgebaut.
Statt Schwerindustrie sollen kreative, innovative Betriebe hier ihr Domizil haben. Jetzt wurde für das erste Gebäude Richtfest gefeiert. Schon Ende 2015 sollen die ersten Mieter einziehen. Voraussichtlich im Jahr 2017, so Bauherr und Architekt Hartmut Gruhl, ist der gesamte Komplex fertig. Dann sollen bis zu 200 Menschen auf insgesamt 12.000 Quadratmetern Bürofläche arbeiten.
Bis auf die Beton- und Stahlgerüste wurden die ehemaligen Fabrikhallen abgetragen. Die mehr als 50 Jahre alten Bauteile werden mit moderner Architektur und Innenausstattung zu einer Art Fabrik für die Kreativwirtschaft. Hauptsächlich sollen die Werbebranche und Firmen mit digitalen Konzepten und Dienstleistungen hier einziehen.
Flächen ab 95 Quadratmeter Größe können angemietet werden. Die industrielle Vorgeschichte der Bauten soll in der Inneneinrichtung erfahrbar bleiben.
Woher der Name kommt
Rolf Kursawe wird einer der Mieter sein. Er ist schon voller Vorfreude: „Die Fenster sind bereits eingebaut, wir könnten doch schon einziehen“, sagte er beim Richtfest für das erste Gebäude. Eine nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung. Mit seinem Architekturbüro HKR wird er aber zu den ersten gehören, die im vier Etagen hohe Gebäude arbeiten.
Hartmut Gruhl zeigte sich derweil zufrieden: „Das Interesse an den Büroflächen ist sehr groß, ich gehe davon aus, dass bis Mitte 2016 alle Büros des ersten Bauabschnitts bezogen sein werden.“
„Leitradlofts“, der Name für die neue Immobilie klingt sperrig. Das von Ostermann zum Patent angemeldete Leitrad sorgt beim Schiffsantrieb für einen geringeren Kraftstoffverbrauch. Es wurde im Schiffsschraubenwerk an der Lichtstraße neben den großen Schiffspropellern hergestellt. „Mir gefällt der Name, weil damit Innovation und Modernität zum Ausdruck gebracht werden“, lobte Bezirksbürgermeister Josef Wirges. Er zeigte sich beeindruckt, wie viele Gäste zum Richtfest gekommen waren. „Das ist ein Beweis der Wertschätzung, den dieses Projekt hier genießt“, sagte Wirges.
Unter anderem machten der ehemalige SPD-Politiker Heinz Lüttgen, Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung, sowie Alexander Jacobi (Bauwens), Thomas Walten (Vulkan Grundstücksgesellschaft) und Micki Pick (Live Music Hall) ihre Aufwartung. Wirges mahnte aber, dass die kulturelle Ehrenfelder Vielfalt, die für viele Unternehmen und für Wohnungssuchende so attraktiv ist, bewahrt werden müsse.
Wo einst schwere, vor allem Metall verarbeitende Industrie ihre Heimat hatte, entwickelt sich in Ehrenfeld seit mehreren Jahren eine bunte Mischung aus Wohnen und Gewerbe. „Lichtviertel“ wurde die Gegend zeitweilig genannt, denn die Helioswerke, die unter anderem Technik für Leuchttürme produzierten, und die Vulkanwerke, die Laternen und Heizgeräte herstellten, waren unmittelbare Nachbarn. Die Schiffsschraubenfabrik Ostermann, eine Zahnradfabrik sowie der Maschinenbauer Strunck hatten hier ebenfalls ihre Adresse.

