Abo

Neubauprojekt im Kölner WestenEin Herz für das alte Bickendorf

4 min

Das alte „Herzhäuschen“ ist baufällig und wird vermutlich abgebrochen.

Bickendorf – Die Rosenhofsiedlung soll wachsen. Rund 130 Wohnungen, eine Kindertagesstätte, ein öffentlicher Spielplatz sowie ein Wohnhaus für mehrere Generationen sind auf einem ehemaligen Fabrikgelände zwischen dem Häuschensweg und dem Grünen Brunnenweg geplant. Bauherrin ist die Wohnungsgesellschaft GAG, deren Keimzelle eben diese Rosenhofsiedlung ist. Vor mehr als hundert Jahren wurde das erste große Projekt der GAG nach Entwürfen von Caspar Grod und Wilhelm Riphahn fertiggestellt.

Den großen Namen der deutschen Architekturgeschichte verpflichtet, lobte das Unternehmen einen Wettbewerb für sechs Architekturbüros aus. Den Siegerentwurf erarbeitete das Büro von Professor Carsten Lorenzen aus Kopenhagen. Die Gestaltung des Außenbereichs entwarf Landschaftsarchitekt Peter Becht, ebenfalls aus Kopenhagen. Beide lieferten kürzlich einen von zwei siegreichen Entwürfen für die Bebauung des ehemaligen Güterbahnhofs Ehrenfeld. Für die GAG hat Lorenzen bereits das Waldbadviertel in Ostheim entworfen.

Kaum Unterschiede

Carsten Lorenzen macht aus seiner Wertschätzung für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der alten Rosenhofsiedlung keinen Hehl. „Das hat uns sehr beeindruckt, und es hat uns gefallen“, sagte er vor den mehr als 100 Anwohnern, die sich in der Turnhalle der Grundschulen am Erlenweg über das Projekt informieren wollten. „Wir wollen viel davon in die Neuplanung transportieren“, so Lorenzen weiter. Besonders reize ihn dabei die Aufgabe, die neue Siedlung so zu planen, dass sie sich kaum von der alten unterscheide.

Drei Stockwerke hoch sollen die Gebäude werden. Die Höhe entspricht der der alten Siedlungshäuser. Ein Drittel der rund 130 Wohnungen wird öffentlich gefördert, sodass sie preiswert angeboten werden können. Die Planungen sehen vor, möglichst viele der vorhandenen Bäume zu erhalten. Außerdem ist vorgesehen, einen neuen Verbindungsweg zwischen dem Häuschensweg und dem Grünen Brunnenweg anzulegen. Direkt an diesem Weg entsteht ein öffentlicher Platz mit Sitzgelegenheiten und Spielgeräten für Kinder. Parkmöglichkeiten für die Bewohner werden in einer Tiefgarage geschaffen. Die Ein- und Ausfahrt soll am Grünen Brunnenweg nahe der Einmündung Sandweg liegen.

Auf die Frage einer Anwohnerin, ob dort auch für Bewohner der alten Siedlung die Möglichkeit bestehe, einen Stellplatz zu mieten, antwortete Jörn Rickmann, Leiter der Abteilung Bauplanung bei der GAG: „Wir müssen diese Anzahl von Stellplätzen bauen. Wohnungen und Stellplätze vermieten wir aber getrennt.“ Er gehe davon aus, dass auch andere Mietinteressenten als nur künftige Bewohner die Chance auf einen Stellplatz bekommen werden.

Rund 11 000 Quadratmeter groß ist das Grundstück, auf dem die GAG ihr Bauvorhaben realisieren will. Noch stehen Gebäude auf dem Areal. Der größte Teil besteht aus den Fertigungshallen und Büros der ehemaligen Firma Metallverpackung Köln. Bis 2008 hieß das Unternehmen Groten.

Voraussichtlich im dritten Quartal 2015 werde die GAG die Gebäude abbrechen lassen, erklärte Prokurist Jochen Mauel. Danach werde sich für mehr als ein Jahr auf dem Gelände nichts mehr tun, weil das notwendige Bebauungsplanverfahren dann noch nicht abgeschlossen sei, sagte Mauel. Während des Bebauungsplanverfahrens werden die Auswirkungen des Projekts auf die Nachbarschaft überprüft. So muss unter anderem ein Verkehrsgutachten erstellt werden. Auch eventuelle Einwände von Bürgern und der politischen Gremien – etwa der Bezirksvertretung – werden berücksichtigt.

Ende 2018 fertig

Erst nach Abschluss des Verfahrens wird eine Baugenehmigung erteilt. Im ersten Quartal 2017 könnte der Bau starten. Wenn das gelingt, so Mauel, könnte die Siedlung Ende 2018 fertig sein. Der frühzeitige Abbruch der alten Fabrikgebäude habe wirtschaftliche Gründe. Wenn die leeren Gebäude noch länger stehen blieben, müssten sie aufwändig gesichert werden, erklärte Jochen Mauel.

Der Abbruch droht auch dem als „Herzhäuschen“ bekannten Gebäude an der Ecke Häuschensweg/Ahornweg. Das schlichte Haus gehört nicht zur Rosenhofsiedlung, sondern ist älter. In der Bauweise ähnelt es den Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Häusern des alten Bickendorfer Ortskerns zwischen Nagelschmiedgasse und Teichstraße. Seinen Namen hat das Herzhäuschen von einer jüdischen Familie, die von 1910 bis 1941 darin lebte (siehe „Sechs Stolpersteine“).

Jörn Rickmann stellte klar, dass das nicht mehr bewohnte Gebäude baufällig sei. Es sei nicht beabsichtigt, es instand zu setzen. Vielmehr wolle man es abreißen lassen und als Kopie im selben Maßstab und Aussehen an alter Stelle neu bauen. Der Unterschied liege darin, dass das neu errichtete kleine Häuschen unmittelbar an einem der geplanten dreistöckigen Neubauten liege und direkt mit diesem verbunden sei. Davon verspricht sich die GAG bessere Nutzungsmöglichkeiten. Wie die aussehen könnten, steht noch nicht fest. „Vorstellbar wären ein Kulturcafé oder eine Bibliothek“, schlug Architekt Carsten Lorenzen vor.