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Köln-Neuehrenfeld
Landmannstraße kämpft mit Leerstand – neue Konzepte sollen helfen

Die Landmannstraße im linkrheinischen Kölner Stadtteil Neuehrenfeld.

Die Landmannstraße im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld.

Die Landmannstraße in Neuehrenfeld hat mit Leerstand und zu wenig Kunden zu kämpfen. Nun wollen Ladenbesitzer neue Konzepte entwickeln, um die Straße beliebter zu machen.

Mit großen Lettern weist ein Modeladen an der Landmannstraße im Schaufenster darauf hin, dass er offen ist. Der Hinweis wird damit begründet, dass die Ladentür ansonsten geschlossen bleiben soll, um Energie zu sparen.

Landmannstraße: Lücken in der Ladenzeile

Doch auch sonst tun die Geschäftsleute in der Einkaufsstraße von Neuehrenfeld gut daran, auf sich aufmerksam zu machen. Unübersehbar ist nämlich, dass es Lücken gibt in der Ladenzeile. Und die schmerzen.

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Vor allem die Filialen der Deutschen Bank und die des Rossmann-Drogeriemarktes waren für viele Kundinnen und Kunden ein Grund, in die Straße zu kommen. Bei der Gelegenheit wurden vielleicht noch andere Besorgungen in anderen Geschäften gemacht. „Frequenzbringer“ nennen Fachleute das.

Jörn Wenge, Koordinator Stadt und Räume im Bereich Wirtschaft und Politik der Kölner Industrie- und Handelskammer (IHK), bestätigt, dass in den vergangenen Jahren vielerorts Bankfilialen geschlossen wurden und damit als Anlaufpunkte beim Einkauf weggefallen seien.

Köln: Nebenkosten und Inflation machen Einzelhandel zu schaffen

Doch auch sonst hätten viele Geschäfte in den vergangenen beiden Jahren gelitten. Die Einschränkungen durch die Pandemie hätten viele Branchen im Handel erheblich getroffen. Jetzt kämen Kaufzurückhaltung einerseits und hohe Nebenkosten andererseits erschwerend hinzu.

Um Kunden wieder anzulocken, seien neue Strategien notwendig. „Wichtiger denn je ist es, für die Kunden andere Anlässe zu schaffen, wegen der sie die Straße oder das Einkaufsviertel aufsuchen“, sagt Wenge.

Das könnten Aktionen in einzelnen Geschäften sein, aber auch gemeinsame Veranstaltungen wie ein Straßenfest mit verkaufsoffenem Sonntag. Diese unterstützt die IHK grundsätzlich. Im Gegensatz etwa zur Gewerkschaft Verdi, die prinzipiell gegen Ladenöffnungen an Sonntagen ist.

Experte: Erreichbarkeit ist entscheidend für Landmannstraße

„Ein wichtiger Faktor für die Unternehmen“, so Wenge weiter, „ist generell auch die Erreichbarkeit für die Kunden, siehe die Entwicklung rund um den Verkehrsversuch an der Deutzer Freiheit.“ In den meisten Bezirksvertretungen stehen gerade jetzt wieder die Anträge auf Sonderöffnungen in den Stadtteilen auf der Tagesordnung.

Auch die Interessengemeinschaft „Wir in Neuehrenfeld“ hat für den 10. September im Rahmen der zweiten Auflage des „Neuehrenfests“ einen verkaufsoffenen Sonntag beantragt. Im vergangenen Jahr konnte es nach der pandemiebedingten Zwangspause stattfinden. Es litt allerdings unter schlechtem Wetter.

Heinz-Josef Meller und Heike Sommnitz von der IG Wir in Neuehrenfeld.

Heinz-Josef Meller und Heike Sommnitz von der IG Wir in Neuehrenfeld.

Der umfangreiche Text des Antrags liest sich wie eine Konzeption zur Belebung der Straße. Der Zusammenschluss von Gewerbetreibenden und Gastronomen ist bemüht, vor allem junge Familien, die neu in das Viertel gezogen sind, anzulocken. Denn der Stadtteil befinde sich im Wandel.

Geschäftsleute wollen neue Konzepte entwickeln 

„Altersbedingt reduziert sich die Anwohnerstruktur, die es gewohnt war, im unmittelbaren Umfeld einzukaufen“, heißt es in der Antragsbegründung. Aktionen wie das „Neuehrenfest“ sollen Identifikation bei den neu Zugezogenen aufbauen.

Zudem sollen mit dem Fest auch Menschen aus anderen Vierteln eingeladen werden, die Geschäfte kennenzulernen und später zum Einkauf wiederzukommen.

Zugleich warnen die Geschäftsleute: „Sollte sich die Tendenz verstärken, dass weniger in den Vierteln eingekauft wird, reduzieren sich auch die Einkaufsmöglichkeiten für Menschen, die weniger mobil sind“, heißt es.

Einzelhändler: „Wir müssen neue Läden anlocken“

Heinz-Josef Meller, der an der Landmannstraße eine Parfümerie hat und zu den Mitbegründern der Interessengemeinschaft gehört, weiß jedoch auch, dass sich die Struktur in der Straße ändern muss: „Wir müssen neue Konzepte entwickeln und neue Läden anlocken, die es so bislang in der Straße noch nicht gab.“

Hoffnung, dass eine ehemalige Pizzeria, eine Metzgerei, der Drogeriemarkt oder die Bankfiliale Nachfolger aus der jeweils selben Branche finden, hat er nicht. Das müsse auch gar nicht sein. Er könne sich gut einen Unverpackt-Laden oder noch zusätzliche Gastronomie in Form eines Cafés vorstellen.

Einen Laden zu eröffnen, sei aber aktuell keineswegs einfach. Zu den hohen Kosten für Miete und Energie kämen unter Umständen hohe Kosten für Umbauten durch Handwerker und nicht zuletzt die schwierige Suche nach geeignetem Personal.

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