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JVA-Beamter berichtet
So werden Drogen und Handys ins Kölner Gefängnis geschmuggelt

Außenmauer und Beobachtungskanzel der JVA in Köln-Ossendorf

Die Außenmauer und Beobachtungskanzel der JVA in Köln-Ossendorf.

Der Einfallsreichtum von Schmugglern und Gefangenen kennt kaum Grenzen - in Einzelfällen kommen sogar Drohnen zum Einsatz.

Besonders dick ist die Schicht Kakaocreme zwischen den beiden runden Keksen einer Prinzenrolle bekanntlich nicht. Kratzt man die Schokolade ab, passt stattdessen auch eine dünne Platte gepresstes Haschisch dazwischen. Anschließend die Kekse wieder zusammensetzen, zurück in die Packung, die Packung verschließen – und fertig ist das Drogenversteck.

Auf diese Weise hat ein unbekannter Absender versucht, einem Gefangenen in der Kölner JVA Rauschgift in die Zelle zu schmuggeln. Aufgeflogen ist das Paket beim routinemäßigen Röntgen der Sendung in der Poststelle des Gefängnisses: Das Bild auf dem Monitor zeigte auffällige Verfärbungen.

Zugetragen hat sich diese Geschichte schon vor vielen Jahren, langjährige Bedienstete des Klingelpütz in Ossendorf erzählen sie aber bis heute – nicht frei von Stolz, das raffinierte Versteck damals enttarnt zu haben.

Acht Drohnen über NRW-Gefängnissen im Vorjahr

Aber allen Kontrollen und der verbesserten Technik zum Trotz kursieren weiterhin Drogen, Medikamente, Handys und Waffen hinter Gittern. Die Versuche, verbotene Gegenstände von außen in die Anstalt hinein zu bringen, hätten sogar zugenommen, berichtet die Kölner JVA-Leiterin Angela Wotzlaw. Vielleicht entdecken die Bediensteten aber auch nur häufiger als früher.

Sorgen bereiten den Justizministern der Länder derzeit Drohnen, die über Gefängnisse gesteuert werden – auch wenn es sich nur um Einzelfälle handelt. In NRW wurden voriges Jahr acht Drohnen an oder über Haftanstalten gesichtet (Stand Ende November), 2021 waren es zehn Überflüge. In einem Fall wurde ein kleines Päckchen gefunden, sodass der Verdacht bestand, es könnte von einer Drohne abgeworfen worden sein. Zum Auskundschaften von Fluchtwegen könnten mit Kameras bestückte Flugobjekte ebenfalls benutzt werden, fürchten die Minister.

Auch in Köln habe man schon zwei Drohnen beobachtet, berichtet Wotzlaw – allerdings nicht direkt über dem Gelände der Anstalt, sondern im Wohngebiet daneben. „Wir vermuten, dass das vielleicht Kinder gewesen sein könnten.“

Smartphones in Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut

Stattdessen gelangen verbotene Gegenstände nach wie vor eher auf konventionellen Wegen in die Zellen: über Postsendungen, über Besucher, Bedienstete, Handwerker oder über Anwälte. Zwar werden Besucher mit Handscannern kontrolliert. Taschen, Handys, Smartwatches und andere im Knast verbotene Gegenstände müssen vor dem Eintritt in Schließfächern deponiert werden. Aber dennoch: Schlupflöcher gibt es offenbar genug.

Ein Bediensteter der JVA Köln erzählt, er habe schon so ziemlich alle Verstecke gesehen, die man sich vorstellen kann. „Smartphones werden gerne in Einzelteile zerlegt, dann in Kondome eingewickelt und in Körperöffnungen versteckt von Besuchern in die Anstalt mitgebracht“, berichtet der Beamte im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Auf der Toilette vor dem Besuchsraum hole der Schmuggler die Teile wieder hervor, verberge sie in seiner Hand oder in der Kleidung und übergebe sie dann bei der Begrüßung unauffällig an den Gefangenen. „Das passiert fast immer gleich beim ersten Körperkontakt, also beim Handschlag, bei einer Umarmung oder einem Kuss“, erzählt der Beamte.

Handy in der Windel, Wodka in der Apfelsine

Man habe auch schon ein Handy in der Windel eines Säuglings gefunden, den eine Besucherin auf dem Arm trug. In die Sohlen von Badelatschen, die einem Gefangenen mitgebracht worden waren, war Kokain eingearbeitet. „Die Latschen kamen den Kollegen irgendwie komisch vor. Als sie die Sohle anbohrten, rieselte da der Schnee raus“, erzählt der Beamte. Vor Jahren hätten russische Gefangene eine Zeitlang Apfelsinen zugeschickt bekommen – es dauerte eine Weile, bis die Bediensteten feststellten, dass das Fruchtfleisch mit Wodka getränkt war, eingebracht mit einer Spritze.

Während Drohnen bislang in Köln keine Rolle spielen, sind Tennisbälle dagegen ein Klassiker. Immer mal wieder erlebe man, dass Menschen außerhalb der Anstalt versuchten, Tennisbälle über die Mauer zu werfen oder mit einer Flitsche zu schleudern, berichtet JVA-Chefin Wotzlaw. Die Bälle sind mit Kokain oder Heroin gefüllt, landen aber in der Regel im Bereich zwischen Außenmauer und Sicherheitszaun. Es gebe – wenn überhaupt – nur eine einzige Stelle entlang der Ringmauer, erzählt der Kölner Beamte, von der aus es grundsätzlich möglich sei, mit einem gezielten Wurf von außen einen Freistundenhof zu treffen. Jede Freistunde werde allerdings beaufsichtigt; und vor und nach einer Freistunde werde der Hof kontrolliert.

Auch Briefe und Pakete werden im Klingelpütz grundsätzlich vor der Weitergabe an die Gefangenen geröntgt. Besteht der Verdacht, dass der Inhalt verboten sein könnte, werden die Pakete im Beisein des Adressaten geöffnet. Mitunter versuchen die Versender daher, Anwaltspost zu imitieren in der Hoffnung, diese speziell gekennzeichneten Sendungen gingen grundsätzlich komplett ungeprüft durch. Das ist so aber auch nicht richtig.

Manche Fälschungen seien nicht einmal schlecht gemacht, sagt Angela Wotzlaw, andere hingegen fielen sofort auf. „Einmal haben Kollegen auf einem Umschlag mit angeblicher Verteidigerpost auffällige Rechtschreibfehler entdeckt“, erzählt Wotzlaw. Die Beamten schauten sich die Sendung näher an. Es war zwar eine Fälschung, im Umschlag steckte aber nur eine CD.

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