Sürth – Der Streit um die Zukunft der Wachsfabrik spitzt sich zu. Nach Angaben der Mieter verbietet der Eigentümer die Jubiläumsfeier zum 40. Jahrestag des Bestehens des Kunstzentrums im Kölner Süden.
Das habe er ihnen per Post mitgeteilt, schreibt Jeannette de Payrebrune, Sprecherin der Künstlergemeinschaft, die sich schon vor Jahren in einer GbR zusammengeschlossen haben, in einer Pressemitteilung. „Ausdrücklich untersage ich jegliche Jubiläumsveranstaltung“, wird der Eigentümer darin zitiert.
Die Ankündigung erreicht die Künstler, während sie regelmäßig Gespräche mit einem als Mediator beauftragten Anwalt führen, mit dem Ziel eine Einigung mit dem Eigentümer zu finden. Zuletzt hatten sie Anfang Juni gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt habe der Eigentümer aber bereits eine Räumungsklage in die Wege geleitet und den Abriss der ehemaligen Fabrik bis 2022 angekündigt.

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Hintergrund ist ein Streit um die künftige Nutzung der Gebäude. Der Eigentümer hat einem Teil der Künstler fristlos gekündigt, laut de Payrebrune mit dem Ziel, die bisherigen Wohnmietverträge in einen Gewerbemietvertrag umzuwandeln mit begrenzter Laufzeit.
Er habe das mit der unzureichenden Verwertung seines Eigentums begründet. Die rund 20 betroffenen Mieter, die zum Teil in den Gebäuden wohnen, wollten das aber nicht ohne weiteres hinnehmen. Sie fürchten nun, dass dem Ort eher kurz- als langfristig das Aus droht.
Die Kündigung erfolgte bereits im vorigen Herbst. Zunächst hatte der Eigentümer eine Übergangsfrist bis April eingeräumt. Dann folgte die fristlose Kündigung im Februar. Für Mitte Juli hat ein Gericht einen ersten Gütetermin angesetzt, in dem die Räumungsklage verhandelt wird. Mit anderen Nutzern hatte der Eigentümer vor einigen Jahren neue Gewerbemietverträge abgeschlossen und eine Mieterhöhung vereinbart. Ein Kompromiss schien also bislang nicht ausgeschlossen. „Wir waren bereit, in fast allen strittigen Punkten dem Vermieter entgegenzukommen“, sagt de Payrebrune.
Die gekündigten Ateliernutzer wollen einen Förderverein gründen. Mit Hilfe von „Förderern aus der Stadtgesellschaft“ sollte das Kunstzentrum langfristig erhalten werden. Gleichzeitig sei das ein Versuch gewesen, auch „die wirtschaftlichen Interessen des Vermieters hinreichend“ zu berücksichtigen, erläutert de Payrebrune.
Sie bezweifelt allerdings inzwischen, dass der Eigentümer „entgegen anderer Beteuerungen“ noch an einem Kompromiss interessiert sei. „Er will uns unter Druck setzen, seine Bedingungen zu akzeptieren“, sagt sie. Sie seien durch das Schreiben nun „völlig vor den Kopf gestoßen“.
An das Verbot der Jubiläumsfeier, die nach dem Gütetermin im Juli steigen soll, wolle sich die Künstlergruppe nicht halten. Namhafte Künstler hätten bereits ihr Kommen angekündigt oder Kunstwerke für eine Ausstellung anlässlich des Jubiläums zur Verfügung gestellt. Notfalls wolle man sich „juristisch zur Wehr setzen“, schreibt de Payrebrune.
Sie appelliert an die Politik und die Nachbarn im Stadtteil und in Köln, sich für den Erhalt ihrer Einrichtung einzusetzen. Die Rodenkirchener Bezirksvertretung hatte sich bereits im Februar für eine gütliche Einigung ausgesprochen. Sie haben für den Fall des Scheiterns aber bereits die Kulturverwaltung mit der Suche nach Alternativen beauftragt.
Jeannette de Payrebrune, Sprecherin der Künstler
