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„Ein Foto kann mich berühren“

4 min

Bilder der aktuellen Ausstellung: Marc Riboud: The Painter of the Eiffel Tower; A. R. Minkkinen: Daydreaming Gozo, Malta; Thomas Hoepker: Alis Faust

Rodenkirchen – Die in focus-Galerie ist eine der ältesten Foto-Galerien in Deutschland. Burkhard Arnold gründete sie im Jahr 1990 in der Hochstadenstraße in der Innenstadt. Im Jahr 2013 fand im heutigen Domizil in der Backsteinvilla in Rodenkirchen die die erste Ausstellung statt. Gezeigt wird Fotografie von der klassischen Reportage-, Porträt-, Akt- und Architekturfotografie bis hin zu experimenteller, inszenierter und abstrakter Fotografie seit etwa 1945. Burkhard Arnold, der eigentlich Förderschullehrer ist, fotografierte viele Jahre selbst, aus zeitlichen Gründen heute nicht mehr. Anja Maria Arnold arbeitete zuvor als Lehrerin.

Anlässlich des 30. Geburtstages ist bis Freitag, 27. März, eine retrospektive Bilderschau mit Arbeiten verschiedener Fotokünstler aus den vergangenen drei Jahrzehnten zu sehen. Hierzu ist ein Katalog mit 160 Seiten und vielen Abbildungen erschienen. Der Katalog ist für 13 Euro in der Galerie an der Hauptstraße 114 erhältlich. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag jeweils von 16 bis 19 Uhr, an Samstagen von 11 bis 15 Uhr. Über Karneval ist geschlossen.

Herr Arnold, wie muss man sich den Arbeitstag eines Fotogaleristen vorstellen?

Bilder der aktuellen Ausstellung: Marc Riboud: The Painter of the Eiffel Tower; A. R. Minkkinen: Daydreaming Gozo, Malta; Thomas Hoepker: Alis Faust

Er ist sehr vielseitig. Es fällt viel Korrespondenz an mit nationalen und internationalen Sammlern, Institutionen, Galerien oder Künstlern. Ich recherchiere viel im Internet. Der eigene Online-Auftritt und die Webseiten von Kunstplattformen müssen gepflegt werden. Junge Künstler schicken ihre Werke und wollen ein Urteil hören. Ich bereite sie auf den Kunstmarkt vor. Das Rahmen und Hängen der Bilder in Galerien ist zeitaufwendig. Wir produzieren Bücher, Kataloge, Einladungskarten. Wir sind auf Messen und Auktionen präsent. Meine Frau und ich reisen viel, um Kunden und Fotografen zu besuchen. Umgekehrt erhalten wir auch viel Besuch von Fotokünstlern und Sammlern. Wir beraten und betreuen sie. Die fachlichen Seiten sind dann überwiegend mein Ressort, die persönliche Kommunikation übernimmt oft meine Frau.

Frau Arnold, stimmt das?

Ich bin zu jedem freundlich, ich mag die Menschen. Entsprechend gut komme ich mit ihnen in Kontakt. Wir haben schon so viele wunderbare Begegnungen erlebt und auch schöne Überraschungen. Einmal tauchte hier bei uns in Rodenkirchen eine ganz einfach gekleidete Dame auf. Nach einem sehr netten Gespräch kaufte sie, für mich ganz unerwartet, sehr viele Bilder. Erst im Nachhinein stellte sie sich als Sammlerin vor. Es zeigt sich immer wieder, dass man einen Menschen nicht sofort nach dem Äußeren beurteilen soll. Es ist wichtig, jedem von vornherein mit Respekt und Freundlichkeit zu begegnen. Wir nehmen uns für alle Besucher viel Zeit.

Die Backsteinvilla der Arnolds an der Hauptstraße; Anja Maria und Burkhard Arnold mit Hund Lou

Was begeistert Sie an einer Fotografie, Herr Arnold?

Ein Foto kann mich berühren. Es bringt mich auf neue Gedanken, es kann Ideen transportieren und Geschichten und Neuigkeiten erzählen. Es ist eine Bereicherung für das Leben. Es kann den Zeitgeist widerspiegeln. Es gibt Bilder, die eine solch große Bedeutung für uns haben, dass wir sie dann nur schwer oder gar nicht verkaufen. So haben wir inzwischen eine eigene Sammlung. Einen Vintage Print von René Groeblis „Sitzendem Akt“ oder „Muhammad Alis Faust“ von Thomas Hoepker werden wir wohl immer behalten.

Vor ein paar Jahren war Marilyn Monroe bei Ihnen zu Gast.

In Form von Fotos natürlich. Das war 2016, ein Highlight. Ich habe Bilder von ihr gezeigt, die Elliott Erwitt, Edward Clark, Bernard of Hollywod und andere aufgenommen haben. Sie stammen aus der Zeit ab 1945, als sie noch Norma Jean Baker hieß, bis kurz vor ihrem Tod. Ein Höhepunkt war sicher auch die Hommage an Bruce Davidson mit legendären Serien. In der Regel sind in unseren Räumen jeweils 30 bis 50 Bilder ausgestellt. Im Bestand haben wir rund 800 Vergrößerungen von namhaften Fotokünstlerinnen und –künstlern, etwa von Sabine Weiss, Marc Riboud, Willy Ronis oder Arno Rafael Minkkinen. Es gibt so viele wunderbare Bilder. Über 170 Ausstellungen habe ich in den zurück liegenden 30 Jahren präsentiert, dazu etwa 30 außerhalb der in focus Galerie, zum Beispiel in New York, Moskau, Berlin, Prag, Luxemburg.

Wer sind Ihre Kunden?

Das sind gut situierte, aber auch ganz normale Leute, die ihr Geld gerne auch für gute Kunst ausgeben. Bei uns sind 2000 bis 6000 Euro etwa ein Durchschnittspreis für eine bekannte Fotografie. Man kann auch weniger oder viel, viel mehr Geld bei uns ausgeben. Zu unseren Kunden gehören aber nicht die Superreichen, die Fotokunst ab 50 000 Euro erwerben und teilweise als Spekulationsobjekt betrachten. Unsere Verkäufe gehen zu 80 Prozent ins Ausland, viele nach Amerika. Das Sammeln von Fotografie hat dort einen erheblich höheren Stellenwert als bei uns. In Deutschland gibt es eine überschaubare Zahl von Fotografiesammlern. Die meisten Kunden kommen gezielt zu uns, berühmte Fotos werden auch online bestellt. Im Vorbeigehen kauft jedenfalls kaum jemand.