Der Citroën DS wurde von 1955 bis 1975 fast 1,5 Millionen Mal gebaut. Aber nur 93 919 davon waren sogenannte Breaks, also Kombis. Davon wiederum haben viele schnell das Zeitliche gesegnet, weil sie als Lasttiere gnadenlos verschlissen wurden. Einen Break zu Gesicht zu bekommen, ist also ein seltenes Vergnügen. Tom Notermans aus Sülz kann Break fahren, wann immer er will: Der 42-Jährige mit niederländischen Wurzeln muss dazu nur seine Garage öffnen. Dort steht ein Exemplar in augenstechendem Grün, in rostfreiem Originalzustand und gerade mal 93 000 gelaufenen Kilometern. Also eigentlich ein kleines Wunder. Die Vorgeschichte des Wagens, den Tom Notermans seit 2014 besitzt, ist so spannend wie Technik und Linienführung. Sie spielt hauptsächlich im Pyrenäen-Zwergstaat Andorra, wo der große Franzose die meiste Zeit seiner bisherigen Existenz verbrachte.
Deshalb habe ich ihn:
Der Citroën DS ist eine Design-Ikone. Außerdem bin ich generell ein Kombi-Fan. Mein erstes Auto war ein Mini Kombi von 1976, den ich immer noch habe. Ich war eigentlich auf der Suche nach einem Youngtimer mit genug Platz nicht nur für mich und meine Frau, sondern auch für meine beiden Kinder und den Hund. Dann sah ich das Inserat mit dem DS, der offiziell ID 20 heißt, und brauchte gar nicht weiter zu suchen: Das war mein Auto. Das ist eben ein richtiges Designer-Stück. Die Farbe ist einmalig und die Kinder sind begeistert von den beiden ausklappbaren Sitzen im Kofferraum. Der Wagen stammt aus der Sammlung von Antoni Riba aus Andorra, der in 40 Jahren 286 höchst verschiedene Oldtimer gesammelt hatte, sie aber kaum fuhr. Kurz vor seinem Tod hat er die Autos 2013 an einen Händler im Sauerland verkauft. Nur fünf Oldtimer hat er für seine Familie behalten. Von diesem Händler habe ich den Wagen schließlich übernommen. Alle meine Erwartungen wurden seitdem bestätigt: Die Menschen lächeln und winken, wenn ich an ihnen vorbeifahre. Der Citroën bietet viel Komfort und hat einen hohen Sympathiefaktor.

Copyright: Matthias Heinekamp
Das kann er:
In seiner Zeit war dieser Wagen äußerst innovativ. Er hat Frontantrieb und auch das Getriebe sitzt vorne, daher braucht er keinen Mitteltunnel und bietet deshalb mehr Platz im Innenraum. Dieses Konzept ist nach wie vor aktuell. Auch der geringe Luftwiderstand und die hydropneumatische Federung, die fast jede Unebenheit elegant schluckt, waren etwas Besonderes. Nicht zuletzt strahlt er viel französisches Flair aus.
Das kann er nicht:

Platzsparende senkrechte Rückleuchten (l.); viel Raum bietet das Kombiheck – auch mal für unerschrockene Mitreisende.
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Wenn ich heute einen Neuwagen bestelle, dann mit Klimaanlage und Tempomat. Das hat der DS leider nicht zu bieten. Es wird im Sommer deshalb sehr heiß. Im Juli, wenn ich mit meinen Kindern im Citroën nach Frankreich fahre, werden wir mehrere Pausen einlegen. So können wir die Temperaturen vielleicht etwas besser ertragen.
Das habe ich für ihn getan:
Den Wagen habe ich 2014 gekauft und musste erstmal viele Teile und Flüssigkeiten austauschen. Weil er sechs Jahre in einer Halle in Andorra gestanden hatte, war er nicht mehr fahrtüchtig. Aber Rost hatte das Auto zum Glück keinen, es ist auch nirgendwo an ihm geschweißt worden. Nur der Lack ist 1982 erneuert worden, es ist aber bei der ursprünglichen Farbe geblieben: „Vert Muscinée“ heißt die Farbe im Französischen, eine Art erbsengrün. Außerdem habe ich die Vorgeschichte recherchiert. Bevor der Wagen 2008 in die Sammlung von Antoni Riba kam, fuhr ihn eine Familie aus Andorra. Und zwar seit 1975. Sie haben viel damit erlebt: Hochzeiten, Urlaube, Wochenendausflüge und 1992 eine Reise zur Weltausstellung in Sevilla. Natürlich ist die Familie auch durch die Pyrenäen gefahren. Als ich den Wagen bekam, lagen Spikereifen mit eingearbeiteten Metallstiften im Kofferraum. Sie haben den Citroën also auch im Winter benutzt. Aber Salz lag wohl nicht auf den Straßen, sonst hätte wohl doch der Rost zugeschlagen. Zum Schluss wurde der Wagen aber geschont. Für den Alltag hatte die Familie einen Land Rover.

Wie in vielen französischen Autos aus dieser Zeit, wohnt das Reserverad im Motorraum (l.). Klassisches Einspeichenlenkrad mit Lenkradschaltung (M.); seiner Zeit voraus war das mechanische Kurvenfernlicht, das über einen Seilzug lief (r.).
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Das haben wir erlebt:
Angemeldet ist das Auto in den Niederlanden, aber am Heck befindet sich auch das Kennzeichen, mit dem die Familie aus Andorra unterwegs war. Wie ich dran gekommen bin, ist wirklich eine verrückte Geschichte. Bekommen habe ich den Wagen ohne dieses Kennzeichen. Aber ich wusste von den Vorbesitzern, was darauf stand. Über das Internet bin ich an einen Händler geraten, der mit alten Kennzeichen handelt. Eigentlich fragte ich ihn nur, ob er ein Schild mit ähnlicher Prägung hat. Rein zufällig hatte er aber exakt das Kennzeichen, das früher an meinem Break war. Er muss es wohl von Sammler Antoni Riba bekommen haben. Das Nummernschild passte genau, es war also das Original.
Das haben wir vor:

Wie in vielen französischen Autos aus dieser Zeit, wohnt das Reserverad im Motorraum (l.). Klassisches Einspeichenlenkrad mit Lenkradschaltung (M.); seiner Zeit voraus war das mechanische Kurvenfernlicht, das über einen Seilzug lief (r.).
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Mit meinen Kindern fahre ich zum großen Citroën-Treffen im französischen La Ferté-Vidame, in der Nähe von Chartres. Dort wird vom 19. bis zum 21. Juli 100 Jahre Citroën-Automobilproduktion gefeiert. Inklusive Hin- und Rückreise nehmen wir uns eine Woche Zeit. Das wird bislang die weiteste Strecke für den Wagen. Unterwegs gibt es Crêpes in Paris. Darauf freuen sich meine Kinder jetzt schon.
CITROËN ID 20 F BREAK,
Baujahr: 1972,

Wie in vielen französischen Autos aus dieser Zeit, wohnt das Reserverad im Motorraum (l.). Klassisches Einspeichenlenkrad mit Lenkradschaltung (M.); seiner Zeit voraus war das mechanische Kurvenfernlicht, das über einen Seilzug lief (r.).
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Hubraum (ccm): 1985,
PS: 98,
Zylinder: 4,
km/h (max.): 160,
Verbrauch: ca. 8-9 l,
Exemplare: 93 919 Breaks,
Neupreis: 12 500 DM,
