- Pfarrer André Kielbik berichtet über sein Wirken in der evangelischen Reformationskirche im Herzen von Marienburg
Die Reformationskirche der Evangelischen Kirche Köln-Bayenthal gliedert sich rund um den kleinen Park an der Ecke Mehlemer Straße und Goethestraße in Marienburg. Dort ist seit 2008 Pfarrer André Kielbik im Herzen Marienburgs als Pfarrer tätig. 2600 Mitglieder zählt die Gemeinde.
Wo liegen die Gemeindegrenzen?
Scherzhaft heißt es: zwischen McDonald und Burger King. Im Westen endet die Gemeinde mit der Bonner Straße, die östliche Grenze ist der Rhein. Viele Neuzugänge orientieren sich nach Marienburg, andere zur Südstadt. Es gibt Wechselbewegungen in beide Richtungen. Das ist allerdings nicht nur eine geografische, sondern auch eine inhaltliche Frage.
Was heißt das für Sie?
Unsere Gottesdienste sind traditionell lutherisch geprägt. In Marienburg hat die Kirche ein bestimmtes Klientel. Der gemeindeeigene Kindergarten spielt eine große Rolle für den Aufbau der Kirchenarbeit. Viele Mitglieder hatten über Jahre nichts mit der Kirche zu tun, finden aber im Alter oder durch die Kinder zur Kirche zurück. Wir haben eine sehr hohe Nachfrage nach unseren Kindergartenplätzen.
Woran liegt das?
Im Vordergrund steht die explizite Nachfrage nach kirchlicher Erziehung. Die Kinder erleben im Kindergarten die kirchlichen Feste und besuchen die Gottesdienste. Die Kirche erfährt generell eine große Zusprache. Zum einen sind die Gottesdienste gut besucht, zum anderen verzeichnen wir aber hohe Taufzahlen.
Und das ist ungewöhnlich?
Ich nehme das als gesamtgesellschaftliches Phänomen wahr. Heute muss man sich vor Freunden und Bekannten rechtfertigen, wenn man sein Kind taufen lässt, früher war es umgekehrt. Für mich folgere ich daraus, dass diejenigen, die heute zur Kirche gehören, als bewusstere Christen leben. Marienburg ist allerdings ein stark bürgerlich geprägter Bezirk. Die traditionelle Kirche wird hier als gesellschaftliche Kraft wahrgenommen.
Ist Heimat ein Aspekt?
Ein wichtiger sogar. Hier leben viele Familien über Generationen, die sich seit ihrer Kindheit mit der Kirche verbunden fühlen. „Das ist unsere Kirche!“, gilt hier. Natürlich nimmt die Gebundenheit ab, man muss heutzutage mobiler sein. Das ist vielleicht ein spürbarer Gegentrend zu den alteingesessenen Familien. Tatsächlich gehören viele auch nur temporär zur Gemeinde. Aber hauptsächlich ist es hier noch dörflich. Spätestens am Heiligen Abend sind alle da, für Traditionsfamilien ist das der Moment der Heimat.
Was ist Ihre Klientel?
Theologisch wird einem hier sehr viel abverlangt. Deshalb ist es sehr angenehm, hier als Pfarrer zu arbeiten. Wir haben sehr aufmerksame Predigthörer und keine Probleme Presbyteriumsmitglieder zu finden, das Engagement ist sehr hoch. Es herrscht ein großes Interesse an Gesprächskreisen, ein Schwerpunkt ist dazu sicher die Kirchenmusik.
Sie sagten, Ihnen werde theologisch einiges abgefordert?
Im wohlverstandenen Sinne ist meine Arbeit prophetisch: Das Wort Gottes auslegen und Menschen zusammen zu bringen. Ganz wichtig ist dabei die Jugend. Hier möchte ich verstärkt arbeiten und Gruppenerlebnisse schaffen. Es geht darum, zusammen zu kommen und Dinge gemeinsam zu erleben. Dazu gehören ebenso die Chorarbeit, die Senioren, der Glaubensgesprächskreis oder der Bibelkreis.
Zur Person
Pfarrer André Kielbik (Jahrgang 1964) ist seit fast zehn Jahren Pfarrer an der Reformationskirche an der Mehlemer Straße in Marienburg, die 1903 bis 1905 nach Plänen des Architekten Otto March errichtet wurde. Kielbik stammt aus Leverkusen. Er studierte evangelische Theologie in Bonn, Tübingen, Warschau und Berlin.
STECKBRIEF
Das mag ich an Marienburg: Ich nehme hier ausschließlich das Fahrrad. Die einzige Ausnahme sind einige Beerdigungen, weil viele noch ein Familiengrab auf Melaten besitzen. Das ist verbesserungswürdig: Was fehlt ist eine Infrastruktur, es gibt nicht einmal einen Bäcker. Schade, dass die Straßenbahn nicht mehr fährt, sie gab dem Ort ein gewisses Flair. Lieblingsort in Marienburg: Der Südpark ist einfach wunderschön. Hier findet jeder Freiraum, man kann hier innehalten. Ich gehe auch gerne einfach durch die Straßen. Die Bäume und Parks sorgen besonders im Sommer für eine einzigartige Luft.
