Rodenkirchen – „Was moana’S“, wie schnell wir uns emporgschwunga ham – nix hamma g’habt, i und mei Mo – nix – als wia a kloans Kind.“ Kreszenz Hiagelgwimpft ist da ganz ehrlich, wenn sie von ihrem finanziellen Aufstieg erzählt. Und heute: Keinen Unterschied gebe es mehr zwischen ihr und der „Burschwoassi“. Kreszenz Hiagelgwimpft ist eine Figur, die der Münchner Komiker Karl Valentin zu Beginn des 20sten Jahrhunderts erfunden hat.
Nun ist Madeleine Milojcic beim Vorleseabend in der Stadtteilbibliothek in die Rolle der Kreszenz geschlüpft. Madeleine Milojcic liegt der sperrige Bayer, denn als Rezitatorin liest sie am liebsten Stücke mit tiefsinnigem Humor - an diesem Abend auch das „Klagelied der Wirtshaussemmel“ und andere Anekdoten von Karl Valentin, dem bayrischen Original, Stückeschreiber und „Wortzerklauberer“ mit dem schrägen Humor. Er lebte von 1882 bis 1948 in München, wurde anfangs verschmäht und dann wieder entdeckt und gefeiert bei seinen Auftritten mit seiner Partnerin Liesl Karlstadt.
Alles dürften die Zuhörer in der gut besuchten Stadtteilbibliothek wohl nicht verstanden haben, was Madeleine Milojcic, die vom Chiemsee stammt, in tiefstem Bayrisch vorgetragen hat. Weil sie aber seit 40 Jahren im Rheinland und seit 30 Jahren in Köln lebt, verfiel sie mitunter auch in den rheinischen Dialekt – quasi als bayrisch-rheinischer Annäherungsversuch.
„Ich liebe das Absurde, ich mag das um die Ecke-Denken“, sagte sie, „viele seiner Texte sind so“. Mit seinem ganz besonderen Humor beeinflusste der „Volkssänger“ Valentin, dessen Werk auch dem Dadaismus zugeordnet wird, viele nachfolgende Künstler, wie etwa Bertolt Brecht. Milojcic präsentierte ihr neues Programm erstmals bei der Veranstaltung, zu der der Förderverein Literamus eingeladen hatte. Ein paar Aufgeregtheiten und Versprecher nahm ihr das Publikum nicht übel, die Gäste hatten Spaß und ließen sich mitreißen vor allem von der Band „Singdebrassabumm“. Benjamin Schlie spielte das Akkordeon, Christian Reckendress die Tuba und Tobias Sünder dasTenorhorn - allesamt sind sie Profimusiker und Absolventen der Musikhochschule Köln. Für Valentin war die Musik ein ganz wichtiger Teil seiner Auftritte. Das setzten die Musiker von „Singdebrassabum“ bestens um. Am Ende gab Madeleine Milojcic den Gästen ein paar Valentin-Sprüche mit auf den Weg wie „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“. Oder: „Gar nicht krank ist auch nicht gesund“. Und ganz zum Schluss spielte Singdebrassabumm als Zugabe traditionelle Karnevalslieder wie „Heidewitzka, Herr Kapitän“ von Karl Berbuer.
