Ehrenfeld – Eine derart hitzige Debatte hat es lange nicht in der Bezirksvertretung Ehrenfeld gegeben. Über den Weg zu einer besseren Verkehrslösung für die unfallträchtige und häufig stark überlastete Venloer Straße bekamen sich die Politiker gehörig in die Wolle. Herrschte beim Antrag, den Status einer Bundesstraße für die Straße aufzuheben noch Einmütigkeit, war es beim Antrag der SPD, per Verkehrsversuch die Tauglichkeit einer Einbahnstraßenlösung zu ermitteln, mit der Harmonie vorbei. Grüne und CDU sowie die Linkspartei lehnten das Ansinnen ab. Sie verwiesen darauf, dass die Entscheidung, die Einbahnstraßenlösung vorzubereiten, beim Verkehrsausschuss und beim Rat liege. Der Verkehrsausschuss stimmte am Dienstag mehrheitlich dafür, die Grundlagen für eine Einbahnstraßenlösung zu schaffen und anschließend mit den Planungen zu beginnen.
„Versuch macht klug“, hatte Petra Bossinger von der SPD-Fraktion ihren Vorschlag kurz und knapp formuliert. Möglichst schon in den Sommerferien solle die Testphase starten. Außerdem sollten Anwohner und Geschäftsleute zu ihren Erfahrungen befragt werden. Fraktionskollegin Kathrin Bucher schob nach: „Die Venloer Straße ist zu 80 Prozent Erschließungsstraße für die Seitenstraßen. Also nur ein Fünftel ist Durchgangsverkehr.“ Deswegen müssten die Bürger Ehrenfelds stärker beteiligt sein.
„Wenn wir einen Versuch machen und alle hinterher rufen, dass das Abendland untergehe, wenn die Einbahnstraße kommt, stehen wir wieder ganz am Anfang“, meinte Grünen-Fraktionsvorsitzende Christiane Martin spöttisch. CDU-Bezirksvertreter Michael Fischer wandte ein, dass es ein erhebliches Risiko für die Verkehrsteilnehmer sei, die Straße so wie sie sei versuchsweise zu einer Einbahnstraße zu erklären. Daher fordere man ja im Verkehrsausschuss auch die Prüfung und vorherige Planung der notwendigen Umbauten.Berndt Petri (Die Linke) spürte bei den Kollegen schon „Wahlkampfmodus“.

Ich finde den Ansatz wirklich gut – besonders für Fahrradfahrer wäre das super. Ich fahre wirklich ungerne mit dem Rad über die Venloer, überall parken und halten Autos, überall gehen Türen auf – das macht echt keinen Spaß. (da) Katharina Vogel (24)
Copyright: Dorian Aust
Er könne zwar den Ärger bei der SPD verstehen, nachdem die CDU jüngst ihren Vorstoß zur Einbahnstraße – um mehr Platz für Radler und Fußgänger zu schaffen – nur über die Medien kommuniziert habe. Skepsis gegenüber dem Vorschlag zu einem Verkehrsversuch hatte jedoch auch er: „Dazu wäre eine wissenschaftliche Begleitung nötig und dafür hat die Verwaltung kein Personal“, so Berndt Petri. Der „Deine Freunde“-Vertreter Harald Schuster vertrat ebenfalls die Ansicht, dass über die Venloer Straße zuallererst hätte in Ehrenfeld diskutiert werden müssen. Den Vorschlag einer Einbahnstraße lehnte er jedoch ab: „Das ist eine zehn Jahre alte Idee. Die Probleme haben sich geändert und sind damit nicht zu lösen“, so Schuster. Er plädierte dafür, das Ziel einer Fußgängerzone zu setzen.
Auch FDP-Vertreterin Marlis Pöttgen lehnte die Einbahnstraße klar ab. Die Lage sei schließlich komplex. Sie befürchtet, dass die Planung die Verkehrsexperten in der Verwaltung viele Jahre binden werde.
Berndt Petri, Die Linke

Ich bin hier eigentlich nur zu Fuß unterwegs und selbst das ist nicht ungefährlich. Es gibt Autofahrer, die heizen hier lang wie der letzte Henker – auch am Zebrastreifen. Also mich würde eine Einbahnstraße hier überhaupt nicht stören. (da) Nils Quambusch (27)
Copyright: Dorian Aust
GRUNDSÄTZLICH FÜR DIE EINBAHNSTRASSEN-LÖSUNG

Ich bin seit Jahren dafür, dass das umgesetzt wird. Als Autofahrerin muss man wirklich höllisch aufpassen, niemanden zu überfahren. Wenn ich hier überhaupt mal lang muss, fahre ich im Zweifel auch lieber 20 statt 30 km/h. (da) Agnes Bittner (37)
Copyright: Dorian Aust

Die Idee, die Venloer Straße zu einer Einbahnstraße zu machen, ist weltklasse. In welche Richtung die Autos dann noch fahren dürfen, ist aber die Gretchenfrage. Am besten die Straße komplett beruhigen – und gut ist. (nhk) Dirk Kaspers (53)
Copyright: NIls Hannes Klotz
