„Wir fühlen uns verarscht“Eltern der Kreuzgasse wollen gegen Stadt Köln demonstrieren

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Das Gymnasium Kreuzgasse

Köln – Den Eltern der Schülerinnen und Schüler der Kreuzgasse platzt der Kragen. „Wir haben gelinde gesagt die Nase voll“, formuliert die Schulpflegschaftsvorsitzende Andrea Steiner. Die erste Ferienwoche hat für sie nochmal anschaulich gemacht, dass in dem maroden, sanierungsbedürftigen Schulgebäude angemessener Unterricht zumindest im Sommer in Zeiten des Klimawandels nicht mehr möglich ist: „Dadurch, dass sich in den Klassen zum Grüngürtel hin die Fenster der Klassenräume größtenteils nicht mehr richtig öffnen lassen, waren die Temperaturen schon am Morgen auf knapp 40 Grad angestiegen. Von Rollos, mit denen wir die Sonne ein bisschen ausblenden könnten, können wir an der Kreuzgasse nur träumen“, sagt Steiner.

Stattdessen würden Lehrerinnen und Lehrer von zuhause Bettlaken und Decken mitbringen, um die Fenster etwas abzudunkeln. „Aber schon in den späteren Morgenstunden war es in den Klassenzimmern nicht mehr auszuhalten.“ Deshalb gab die Schulleitung in der ersten Schulwoche nach der 4. Stunde hitzefrei. Bei etwas sinkenden Temperaturen wurde in der zweiten Woche zwar regulär unterrichtet. „Aber eigentlich ist es immer noch sehr heiß, weil die Räume sich so aufgeheizt haben. Man kann sich wirklich nur schwer konzentrieren“, erzählt die Achtklässlerin Charlotte. Und in der kommenden Woche sollen die Außentemperaturen erneut steigen.

Für die Eltern ist Unterrichtsausfall wegen solch baulicher Gründe „inakzeptabel“. Die Schule wartet seit knapp 20 Jahren auf eine Sanierung. Immer wieder wurde der Sanierungsstart verkündet: erst 2014, dann 2018. Dann sollte vor den Sommerferien endlich die Beschlussfassung zur Generalsanierung kommen. „Frau Reker hatte uns im März in einem persönlichen Brief geschrieben, dass die Beschlussvorlage für die Sitzung am 30.5. vorgesehen ist“, erinnert Steiner. Kurz vorher wurde dies ohne nähere Erläuterungen hinfällig. Stattdessen wurde die Schulgemeinschaft von der Verwaltung auf die erste Sitzung des Betriebsausschusses nach den Ferien vertröstet – also auf den 29. August.

Aber auch bei dieser Sitzung steht der Sanierungsbeschluss für die Kreuzgasse nun wieder nicht auf der Tagesordnung. Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hieß es, derzeit sei geplant, dass die Vorlage nun in der Sitzung des Schulausschusses am 26. September beraten werden solle. „Das ist unfassbar“, kommentiert Steiner. „Wir fühlen uns als Schulgemeinde, die immer wieder vertröstet wird, gelinde gesagt verarscht“. Das von Reker im März in Aussicht gestellte Ziel, die Sanierung bis Ende 2028 abzuschließen, rücke so in immer weitere Ferne.

Demonstration auf dem Heumarkt

Nun haben die Eltern eine große Demonstration für Freitag, 26. August, auf dem Heumarkt angemeldet. Mit bis zu 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wollen sie dann in einem langen Demonstrationszug vor das Rathaus ziehen. „Wenn das keine Wirkung zeigt, dann müssen wir eben jeden Monat demonstrieren“, so Steiner.

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Die Eltern wollen nicht hinnehmen, immer weiter vertröstet zu werden. Ende Mai hatten bereits Schülerinnen und Schüler der Schule einen „Schulstreik für die Kreuzgasse“ organsiert. Damals unter dem Motto #KreuzgasseStattRanzgasse“ Auf der Kundgebung hatten sie beklagt, dass der Zustand nicht mehr tragbar sei und Mängel wie Rohrbrüche, Löcher in den Wänden, verunreinigtes Trinkwasser und nicht mehr richtig funktionierende Heizungen benannt.

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