Peter Maffay und Johannes Oerding sprechen im Kölner Music Store über ihr neues Album „Nashville“ und die kommende Tour.
„Erleichtert wie nach jeder Geburt“Das hat Maffay und Oerding in den USA zu Tränen gerührt
Dass sie zusammen harmonieren, wissen sie schon seit einigen Jahren. Für den jeweils anderen standen Peter Maffay (77) und Johannes Oerding (44) schon als Gast auf der Bühne. Und Oerding hat schon viele Songtexte für den Deutschrocker geschrieben. Doch nun haben die beiden Musiker ein gemeinsames Album herausgebracht: „Nashville“. Zehn an Countrymusik inspirierte Lieder, aufgenommen in einem Studio in Nashville mit Musikern aus Nashville.
Wir treffen Maffay und Oerding im Music Store in Kalk, das Album ist erst seit wenigen Tagen in der Welt. Auf Ledersesseln machen sie es sich bequem, hinter ihnen hängen etliche Gitarren an der Wand. „Riecht gut hier“, findet Maffay. Wie sich die Albumveröffentlichung anfühlt? „Man ist erleichtert, wie vermutlich nach jeder Geburt“, sagt Maffay. Anderthalb Jahre Arbeit stecken in dem Album, von der ersten „kühnen Idee“, so der 77-Jährige, bis zum fertigen Werk. „Jetzt ist es draußen und mit etwas Geduld werden wir sehr bald wissen, ob das etwas wird oder nicht.“
Sein jüngerer Kollege und Freund klingt da schon beschwingter: „Resonanz kam zuerst natürlich von den Fans. Die lieben das, dieses Abenteuer, diese Mischung: zwei Musiker aus zwei Generationen, die ein ganzes Album zusammen machen, zehn Duette im Prinzip, deutschsprachig, und countryinspiriert. Da kommt viel Neues zusammen“, so Oerding.
Johannes Oerding und Peter Maffay auf der Suche nach musikalischen Wurzeln in Nashville
Die Idee entstand, weil sie auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Musik waren. Die Antwort liegt für sie in der US-Stadt Nashville, der Wiege der Countrymusik. Dass die Stadt die Musikgeschichte regelrecht atmet, hat beide nachhaltig beeindruckt. „Das ist Music City, das Mekka für Musiker, die Fabrik und der Mythos, der sich auch mit der Realität deckt“, sagt Oerding. Den Stellenwert der Musik spüre man schon bei Ankunft mit dem Flugzeug, so Maffay.
„Man landet auf dem Flugplatz und läuft dann, um sich das Gepäck abzuholen, an den ganzen Johnny Cashs und Dolly Partons vorbei. Die Amerikaner feiern ihre Stars. Und das spürt man in der ganzen Stadt. Allein am Broadway reiht sich ein Club an den nächsten. Ab 11 Uhr vormittags und bis in die Nacht spielen mehrere Bands und das auf einem sehr hohen Niveau“, so Maffay.
Für Oerding tun dem Charme der Stadt auch die vielen Junggesellenabschiede und die Kommerzialisierung keinen Abbruch. In diesem Habitat gedieh ihr musikalisches Projekt jedenfalls fast wie von selbst. „Johannes hat vorgeschlagen, ein paar Songs auszuprobieren. Das ging dann Schlag auf Schlag“, so der 77-Jährige. Erst waren es drei Lieder, dann sind es aber zehn geworden. Im Song „Sisyphos“ geht es etwa darum, laut zu bleiben, nicht aufzugeben und sich für Frieden und Freiheit einzusetzen. „Weiter“ handelt von lebensverändernden Entscheidungen. „Wenn du an einer Kreuzung stehst, liegt es an dir, wohin die Reise geht“ – lautet die Quintessenz.

Maffay und Oerding kennen sich seit 11 Jahren persönlich und schätzen sich sowohl menschlich als auch beruflich sehr.
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„Und von diesen Impulsideen hatten wir mehrere. Die nächste war, dass wir die Lieder in Nashville aufnehmen, stilecht und authentisch mit Musikern von dort, die Instrumente spielen, die wir gar nicht spielen können“, so Maffay. Wie zum Beispiel die Pedal-Steel-Gitarre, befestigt an einem Gestell, die man mit den beiden Händen zupft. Oder das Waschbrett, ein geriffeltes Perkussionsinstrument: beides charakteristisch für den Country-Sound.
Maffay und Oerding kamen aus dem Schwärmen über die amerikanischen Instrumentalisten nicht mehr heraus. „Die beherrschen nicht einfach ein Instrument, sondern die Sprache untereinander. Sie kommen aus dieser Kultur und sind damit aufgewachsen. Sie bringen die Authentizität mit“, so Maffay. Beeindruckt waren die beiden Musiker insbesondere von einem 82-Jährigen. „Der hat schon mit Leuten wie Johnny Cash gespielt. Als er auf der Pedal Steel spielte, klang es so schön, dass wir danach fix und fertig waren und Tränen in den Augen hatten. Man nennt dieses Instrument nicht umsonst The Cry Machine“, sagt Oerding.
Maffay und Oerding: Tour im April mit Musikern aus Nashville
Diesen Mann und auch andere Nashville-Musiker nehmen Oerding und Maffay auch mit auf ihre Arena-Tour im nächsten April. Auf dem Programm stehen die Nashville-Songs, aber auch eigene Lieder. „Wenn Johannes seine Hits nicht spielt, dann kriegt er Ärger mit seinen Leuten. Auch ich bringe die Klassiker mit“, sagt Maffay. Für die Show haben sie sich gemeinsam eine Rundbühne überlegt. Maffay freut sich auch besonders auf das Konzert in Köln, wie er sagt: „Köln ist eine der Schlüsselstädte, die wir in Deutschland haben, wenn es um Kultur und um Musik geht. Die Lanxess-Arena ist der beeindruckendste Platz indoor, wo man in Deutschland spielen kann. Wir haben immer unseren Weg her gefunden und das wird auch so bleiben.“
Oerding ist am Niederrhein aufgewachsen und verspürt ohnehin eine große Affinität zum Rheinland und hat noch lebhafte Erinnerungen an Köln aus der Jugend. „Am Wochenende haben wir für 35 Mark den Zug genommen und sind mit fünf Leuten zur Domplatte gekommen, um Skateboard zu fahren. Ich weiß, dass das auch viele genervt hat.“ Auch den Karneval habe er immer geliebt, so Oerding. „Ich war schon als Gärtner und Cowboy und alles Mögliche verkleidet. Etwas, was ich manchmal im hohen Norden vermisse, ist der Rheinländer. Man merkt ja doch Unterschiede“, sagt Oerding, der in Hamburg lebt.
Am Freitag, 23. April 2027, kommen Maffay und Oerding mit ihrer Nashville-Show in die Lanxess-Arena. Die Tickets kosten zwischen 66,95 und 126,95 Euro auf eventim.de.
