Porz – Das Bild ist stadtweit dasselbe: Ob im Blücherpark, im Vorgebirgspark, in der Groov oder am Rhein – stadtweit sind Kinder, Eltern und Senioren zu sehen, die am Wasser stehen und Vögel füttern. Für den Nachwuchs ist das stets ein Erlebnis. So nah kommen Wildtiere normalerweise nicht an Menschen heran.
Für Naturschützer ist das Bild allerdings ein Graus. Immerhin schadet das Füttern Teichen und Tieren – und am Ende auch den vermeintlichen Wohltätern, weil die Vögel gierig werden. Jetzt, wo die Temperaturen sinken, fühlen sich viele allerdings umso mehr veranlasst, die Wasservögel in den Parkanlagen zu füttern.
Füttern ist in Köln verboten
Dabei ist das Füttern von Enten in Köln grundsätzlich verboten. In der Stadtordnung unter Paragraf 20 steht es schwarz auf weiß: Wasservögel und Fische in öffentlichen Gewässern, insbesondere an Teichen, Weihern und Kiesgrubengewässern, dürfen nicht gefüttert werden. Wer ordnungswidrig handelt, muss mit einer Buße von bis zu 1000 Euro rechnen.
Das Verbot hat mehrere Gründe. „Oft wird altes Brot verwendet, das manchmal sogar schon schimmlig ist“, weiß Julian Heiermann, Zoologe und Referent für Umweltinformationen des Nabu (Naturschutzbund Deutschland). Wenn das Brot schimmelt, ist es verdorben. „Manche Vögel fressen es trotzdem, und es schadet den Tieren dann genau so wie den Menschen“, sagt Heiermann. „Zudem ist Brot wie Fast Food für Vögel. Das Futter ist nicht artgerecht, die Tiere haben ein anderes Verdauungssystem.“
Ratten werden angelockt
Spaziergänger würden sich oft verteidigen mit dem Hinweis, dass sie ja nicht oft und auch nicht viel füttern würden, ergänzt Heiermann. Dabei würden sie aber verkennen, dass die Parks stark frequentiert seien. Menge und Häufigkeit der Fütterungen lassen sich da nicht kontrollieren. Der eine Spaziergänger ist gerade gegangen, dann kommt der nächste Besucher und füttert, ohne zu wissen, wie viel die Vögel schon gefressen haben.
Viele – vor allem Senioren, die nicht mehr im Arbeitsleben stünden, – sähen in dem Füttern eine Aufgabe: „Ich kümmere mich um etwas. Ich habe das Gefühl, ich werde gebraucht“, erklärt Julian Heiermann.
Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Welche unangenehmen Nebeneffekte das Füttern auf Natur und Gewässer hat.
Weiher kurz vor dem Umkippen
Das Futter, das am Ufer liegen bleibt, lockt ungebetene Gäste wie Ratten, Mäuse und Tauben, die die Reste des Brots aufsammeln.
Auch auf die Gewässer in den Parks hat das Brot Auswirkungen. Das Wasser wird überdüngt. Es kommt zu einem Kreislauf, in dem zuerst immer mehr Wasserpflanzen wachsen. Dadurch dringt nicht genug Licht bis zum Teichboden. Dann sterben die Pflanzen in den unteren Wasserschichten ab. Es entsteht Biomasse, es bilden sich Bakterien und Faulschlamm. „Dadurch kann es zu einer Sauerstoffarmut kommen, und die lässt dann das Wasser umkippen“, erklärt Julian Heiermann. Das wird derzeit etwa vom kleinen Weiher in der Westhovener Aue befürchtet.
Eine schlechte Wasserqualität verursacht dann auch noch Kosten, weil Sanierungen vorgenommen werden müssen. Im Jahre 2013 musste so der Mülheimer Stadtgarten entschlammt werden und in 2014 der Weiher im Klettenbergpark. Das sauerstoffarme und verdorbene Wasser könne aber auch Fische und Vögel schädigen, und im schlimmsten Fall zu ihrem Tod führen, heißt es weiter. Mehr noch: Auch hygienische Probleme entstehen. Denn Menschen sind Gewohnheitstiere.
Vögel werden frech
14 ehrenamtliche Mitarbeiter sind als Weiherpaten tätig: Aktiv sind sie rund um Blücherparkweiher, Theodor-Heuss-Weiher, Aachener Weiher, Lindenthaler Kanäle, Lindenthaler Stadtwaldweiher, Adenauerweiher, Decksteiner Weiher, Klettenbergparkweiher, Kalscheurer Weiher, Mülheimer Stadtgartenweiher.
Die Florateiche werden von der Flora betreut, für die Porzer Groov ist eine Bürgerinitiative aktiv, die Groovpaten. Nur der Volksgartenweiher hat keinen Weiherpaten. (asr)
Sie gehen im Park zu ihrer Lieblingsstelle. Über Wochen und Monate ballen sich so Wasservögel an ein und derselben Stelle. Zurück bleibt viel Kot mit ungesunden Keimen.
Das Grünflächenamt hat an allen Teichen Informationsschilder aufgestellt, auf denen die Folgen der Fütterung für Wasser und Tiere auf einer Schautafel dargestellt werden. Außerdem sind ehrenamtliche Mitarbeiter an allen Kölner Parkgewässern unterwegs. „Mittlerweile sind es 14 Weiherpaten, die die Besucher freundlich ansprechen und über das Fütterungsverbot aufklären“, so Michael Butenberg, Sachbearbeiter im Grünflächenamt.
Auch Handzettel auf Deutsch und Türkisch werden bei Rundgängen verteilt. „Die Weiherpaten berichten uns zudem über Missstände, wie lose Uferbefestigungen oder tote Wasservögel, die entfernt werden müssen“, so Butenberg. Manfred Kaune, Leiter des Amtes für Landschaftspflege und Grünflächen ist dankbar für den freiwilligen Einsatz: „Das sind Kümmerer, und dieses Engagement ist Gold wert.“
Viele Probleme, die an geschlossenen Gewässern entstehen, spielen für den Rhein keine Rolle. So besteht nicht die Gefahr, dass das Wasser umkippen könnte. Ungesund ist die Fütterung durch Menschenhand aber hier wie da. Und Julian Heiermann sieht noch ein weiteres Problem: „Die natürliche Fluchtdistanz der Tiere wird überwunden.“ Was heißen soll, dass die Tiere ihre Scheu verlieren und sich an den Menschen gewöhnen. Da kann es vorkommen, dass die Ente beim Füttern frech wird und nach den Händen schnappt, wenn das Brot nicht schnell genug in ihrem Schnabel landet.
