Köln – Das strahlende Lächeln der Jugend, die hässliche Fratze des Alters: Der gesellschaftliche Blick auf Frauen, die eine gewisse Altersschwelle überschreiten, ist häufig abwertend. Während die Jungen nach vorne preschen, werden die Älteren aussortiert. In keiner Branche ist das so ausgeprägt wie in der Mode- oder Filmwelt, wo das Aussehen bekanntermaßen eine zentrale Rolle spielt. „In einer Szene wird meiner Figur eine Fratze ins Gesicht gemalt, das ist wie ein Stigma“, sagt Schauspielerin Mareile Blendl im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Die 43-Jährige verbrachte ihre gesamte Schulzeit in Köln. „Ich fühle mich sehr stark mit Köln verbunden“, inzwischen lebt sie aber in Düsseldorf, „erst nach acht Jahren beginne ich mich dort ebenso verbunden zu fühlen“. Blendl hat in Filmen wie „Das Tagebuch der Anne Frank“ und in Fernsehserien wie „Beste Schwestern“ mitgespielt.
Der Körper als Ware
Im Dokumentarfilm „All I Never Wanted“ stellt sie eine Schauspielerin dar, die in einer TV-Serie der blutjungen Nachbesetzung weichen muss, weil sie die Marke der 40 geknackt hat. „Ich fühle mich gar nicht alt, im Gegenteil: Ich fühlte mich noch nie so wohl“. Die Gesellschaftssatire des Regisseurinnen-Duo Annika Blendl – Mareiles Schwester und gleichzeitig auch Schauspielerin („Tatort“, „Alarm für Cobra 11“) – und Leonie Stade feiert am 15. Dezember um 17 Uhr im Cinedom Köln-Premiere.
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Mareile, die bewusst ihren wirklichen Namen im Film behält, landet dann fernab der Weltbühnen in einem Provinztheater, einem Auffangbecken für ausgediente Schauspielkarrieren. Hier muss sie dann ausgerechnet die Rolle der Johanna von Orléans übernehmen – einer 14-Jährigen.
Doch auch der junge Körper hat es schwer: In der Modewelt wird er als Ware behandelt. Niemand weiß dies besser als die 17-Jährige Nina (Lida Freudenreich), die ihr Abi sausen lässt, um in Mailand eine Modelkarriere zu starten, und hierfür über ihre moralische Schmerzgrenze geht. Die Geschichte ist authentisch: „Lida ist wirklich losgezogen, es waren tatsächlich ihre ersten Schritte zum Beruf des Models“, sagt Blendl. Trotz der gezeigten Missstände hätte das Publikum aber auch viel zu lachen. Der Film arbeite teils dokumentarisch, teils mit fiktiven Elementen und satirischen Überspitzungen. „Es ist nie ganz klar, wann etwas wahr ist oder nicht“.
Machtmissbrauch, Männerdomäne, Sumpf
Machtmissbrauch, Männerdomäne – in dem gleichen „Sumpf“, wie Blendl die Film- und Theaterwelt bezeichnet, bewegten sich auch die Regisseurinnen selbst, die ebenfalls im Film erscheinen. „Sie fragen sich, wie lange kann man die Kamera denn noch draufhalten? Womöglich denkt man gerade, dass man den geilsten Film seines Lebens macht“. Sie führen etwas vor, prangern an und verdienen daran – ein Dilemma.
Blendl, die mittlerweile Aufträge vom Fernsehen, Film und Theater erhält, ist froh, dass sie nicht mehr nur für Rollen wie Julia oder Gretchen in Frage kommt. „Je älter ich werde, desto breiter wird die Auswahl. Das genieße ich sehr.“ Julia sei zwar die junge Schöne, die im Mittelpunkt stehe und glänze, aber an ihr klebe auch schnell die Rolle des Opfers. „Meine Rollen haben inzwischen Humor oder Selbstironie entwickelt. Ich kann auf Erfahrungswerte zurückgreifen“.
Die Lust, im Rampenlicht zu stehen
Doch die Regisseurinnen wollen nicht nur das Narrativ des weiblichen Opfers bestärken: Obwohl Schauspieler harten Urteilen ausgeliefert sind, genießen sie es dennoch, im Rampenlicht zu stehen: „Im Film möchte mein Kollege, dass der heiligen Johanna das Hemd heruntergerissen wird und man ihre nackte Brust sieht, was im Theater ständig passiert.“ Schauspieler müssten da doch mal ehrlich sein, findet Blendl: „Sie machen das gerne.“ Egal ob jung oder alt: „Es geht darum, sich zu zeigen und ein gewisse Lust ist immer damit verbunden.“

