Köln – Zu sehen ist, nicht mehr und nicht weniger, ein Kuss. Vorsichtig und doch selbstbewusst. Erst zurückhaltend, dann leidenschaftlich, impulsiv, explodierend, intim. Und irgendwie entzückend. In Köln ist dieser Kuss 200 Mal genau so passiert, wieder und wieder. Zwischen Fremden, jungen und älteren Menschen aus der Stadt, die sich nicht kennen, aber knutschen. „Es gab plötzlich immer mehr Begeisterte“, sagt Philipp Zacharzewski, gemeinsam mit Lara Heinz hat er das Projekt „First Kiss Cologne“ auf die Beine gestellt.
Eine Aktion, die deutlich macht, welch Liebe und Begeisterung die Kölner in eine Idee stecken, die im Internet ihren Ursprung hat: Vor ein paar Tagen postete Lara Heinz (24) in der Facebook-Gruppe NETT-Werk Köln, sie wolle das in den USA entstandene Werbevideo „First Kiss“ nachdrehen. Der weltweit rund 64 Millionen Mal geklickte Clip von einer Modemarke zeigt Menschen, die sich einander fremd sind, aber sich küssen möchten. Im amerikanischen Video sind es Schauspieler, die das aufregende Gefühl, einer unbekannten Person so nah zu kommen, nachspielen.
Lara Heinz und Philipp Zacharzewski wollten das Ganze in echt. Keine Schauspieler. „Mit echten Menschen, echter Intimität – ein echtes Video eben“, sagt der 21-jährige Philipp.
Innerhalb weniger Tage nach dem Aufruf im NETT-Werk wandten sich 80 Menschen an die beiden jungen Leute – mit dem Wunsch, an dem Video mitzuwirken. Und es wurden mehr. „Die Reaktionen waren völlig überwältigend. Jeder wollte mitmachen“, sagt Philipp. Kurzerhand boten sich Kameraleute und Fotografen an, eine Frau stellte ihre Räumlichkeiten in der Mittelstraße zur Verfügung.
Erst küssen, dann grinsen
Wirklich: Laura, Philipp und rund 200 Kölner kamen dort vor einigen Tagen zusammen, zeichneten das Video auf. „Eine unglaubliche Erfahrung. Die kamen alle mit einem Grinsen wieder raus, das kann man gar nicht beschreiben“, erinnert sich Philipp. Sie kamen, sahen und knutschten.
In dem Video, das mittlerweile über 6000 Mal angeklickt wurde, treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander, um sich kurz in einem völlig identischen Gedanken zu vereinen. Ein Mädchen muss sich auf die Zehenspitzen stellen. Ein älterer Herr legt die Hände um die Hüften einer dunkelhaarigen Frau. Alles in schwarz-weiß. Pullis und Blusen, Kleider und Shirts. Tattoos. Lange Haare, kurze Haare. Nicht, dass es darum geht: Nur beiläufig nimmt der Zuschauer wahr, wie die Projektteilnehmer aussehen. Was zählt, ist der Moment, in dem sich zwei Lippen berühren. „Es geht nicht um Worte, sondern um Körpersprache“, sagt Philipp.
Die meisten Menschen, die man da knutschen sieht in totaler Sorglosigkeit, haben nach der Aktion ihre Nummern ausgetauscht. Einige standen noch am Drehort lange beisammen, „einige sprachen noch stundenlang miteinander“, sagt Philipp Zacharzewski. Und selbst die, die heute schon wieder getrennte Wege gehen: Vielleicht sehen sie sich ja trotzdem irgendwann wieder – zuerst im Netz, und dann im Leben.
