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Atmosphäre hinter GitternForscher untersuchen das Klima in NRW-Gefängnissen

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ARCHIV - 16.01.2025, Rheinland-Pfalz, Wittlich: Ein Justizvollzugsbeamter geht durch einen Gang vorbei an den 
Gefängniszellen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich. (zu dpa: «Vierstellige Zahl an Häftlingen kann Bundestag mitwählen») Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Justizvollzugsbeamter geht durch einen Gang vorbei an den Gefängniszellen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich.

Experten haben sich auf einer Tagung in Köln zur Stimmungslage in den NRW-Haftanstalten ausgetauscht. 

Willkür und Respektlosigkeit des Personals, zu hohe Preise in den Knastshops sowie wenig Rückmeldung auf ihre Anliegen stört die Gefangenen in den Haftanstalten in NRW am meisten. Oder andersherum ausgedrückt: mehr Menschlichkeit, mehr Verlässlichkeit und mehr Mitbestimmung – das wünschen sie sich. Es würde – aus Sicht der Häftlinge – die Atmosphäre hinter Gittern deutlich verbessern.

Herausgefunden haben das der Landesjustizvollzugsbeauftragte Michael Kubink und sein Team in Interviews mit Gefangenen und bei der Auswertung schriftlicher Beschwerden aus den Haftanstalten. Der habilitierte Rechtswissenschaftler mit Büro in Köln ist ein unabhängiger Vermittler zwischen dem Justizministerium und den Haftanstalten, er sieht sich als Brückenbauer zwischen Theorie und Praxis. Und er soll helfen, den Strafvollzug zu gestalten und zu verbessern.

Gefangene wünschen sich mehr Respekt und Mitbestimmung

Knapp 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vorwiegend aus den Haftanstalten und dem NRW-Strafvollzug, haben sich am Donnerstag auf Einladung Kubinks zu einer Tagung in der Uni Köln getroffen. In Vorträgen und Diskussionen ging es um die Stimmungslage in den NRW-Gefängnissen – um das „Anstaltsklima“, wie Wissenschaftler es nennen. Je besser das ist, desto höher ist die „gewaltpräventive Wirkung“, sind Forscher überzeugt.

Gründe für Konflikte zwischen Gefangenen und dem Personal sind nach Aussagen der Häftlinge vor allem „unangemessener Umgang“ seitens der Bediensteten wie zum Beispiel ungefragtes Duzen sowie Machtdemonstrationen und das Gefühl, ignoriert zu werden. Um Spannungen zu reduzieren, schlug Kubink Schulungen und eine Sensibilisierung der JVA-Bediensteten vor, transparente Regeln, eine verlässliche Kommunikation und ein Mentorenmodell nach norwegischem Vorbild.

Aber auch die mitunter äußerst schwierigen Arbeitsbedingungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gefängnissen war Thema auf der Tagung. Deutlich wurde, dass auch den Bediensteten oft kein Respekt entgegengebracht wird. Sie seien täglich Beleidigungen oder Gewaltandrohungen ausgesetzt und leisteten „Unfassbares“ an einem „sehr speziellen Arbeitsplatz“, sagte eine Teilnehmerin. Dafür gab es Applaus im Saal.