Gefahr für MenschenNeue Hürde für den Weinberg in der Südstadt

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In weite Ferne gerückt: der Weinberg an der Mauer der Severinstorburg.

In weite Ferne gerückt: der Weinberg an der Mauer der Severinstorburg.

  • Liegenschaftsamt stoppt Weinberg - Sachverständiger warnt vor Mörtelschlag

Köln-Südstadt – Es ist noch ein weiter Weg zum „Blauen Kölner“ an der Severinstorburg. Dabei waren sich nach langem Hin und Her doch alle einig: die Bezirksvertretung, das Liegenschaftsamt, der Bezirksbürgermeister Andreas Hupke und natürlich Thomas Eichert, Weinkenner und selbst ernannter Stadtwinzer: Südstadt, Südhang, Rotwein - welch' ein Dreiklang.

Ein kleiner Weinberg mit 80 Rebstöcken am Hang der Stadtmauer, vor Wildpinklern und Müllferkeln geschützt durch einen 90 Zentimeter hohen Zaun. Auf einer Fläche von 240 Quadratmetern, des einzigen vom Gesetz her in der Innenstadt überhaupt noch für Ackerbau ausgewiesenen Areals. Das war im Juli 2017, der Pachtvertrag mit Eichert unterschriftsreif.

Das Drachenfels-Problem

Doch jetzt kommt das Drachenfels-Problem. Vor Jahren gerieten dort ganze Abhänge samt der Weinberge ins Rutschen, höchst gefährlich für die Winzer bei der Ernte. Vergleichbares könnte auch in der Südstadt geschehen. Ein Sachverständiger habe "den Mauerbereich, der zur Parkfläche gewandt ist, einer ersten Sichtprüfung unterzogen", teilt das Liegenschaftsamt dem Stadtwinzer Thomas Eichert mit. Der habe festgestellt, "dass ein längerer Aufenthalt unmittelbar unterhalb der Mauer vermieden werden sollte".

Das Liegenschaftsamt sorgt sich um Leib und Reben des Stadtwinzers, weil "auf dem Erdreich vor der Mauer ersichtlich ist, dass sich bei Starkregen und Frosttauwechsel-Beanspruchungen Mörtel-Bestandteile in unterschiedlich großen Abschalungen lösen". Es sei daher nicht auszuschließen, "dass sich einmal größere Fragmente lösen und herabfallen" könnten. Im Übrigen dürfe an der Mauer "zu keinem Zeitpunkt etwas befestigt", also auch kein Zaun errichtet werden.

Mauerwerk begutachten

Der Stadtwinzer bei der Pflege seiner Rebstöcke unter Mörtel-Fragmenten begraben: was für eine grausige Vorstellung. Dabei hatte Eichert gar nicht vor, den Weinberg in der Frosttauwechsel-Periode zu begehen, um beispielsweise Eiswein zu ernten. Und wie viel Glück erst hatten Mitarbeiter des Grünflächenamts, dass sie beim Bepflanzen des Areals mit Bodendeckern im Juni 2017 vom Mörtelschlag verschont blieben.

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Bevor der erste Rebstock gepflanzt wird, müsse erst das gesamte Mauerwerk befahren, dann bewertet und gegebenenfalls gesichert werden, „damit Sie und Ihre Weinstöcke durch die erforderlichen Gewerke keinen Schaden nehmen“, teilt das Liegenschaftsamt dem Stadtwinzer mit. Und weil das jetzt alles so ist, kriegt der „Blaue Kölner“ mal wieder eine Aktuelle Stunde - am Donnerstag, 25. Januar, 16 Uhr, in der Bezirksvertretung Innenstadt. Bürgermeister Andreas Hupke wird den Sachverständigen und Detlef Fritz vom Liegenschaftsamt bei diesem Termin um ausführliche Stellungnahmen bitten.

Man sollte Thomas Eichert auffordern, den Namen der Rebe, die eines fernen Tages hoffentlich in der Südstadt-Sonne reifen wird, noch einmal zu überdenken. „Blauer Kölner“ ist ja schon ganz nett. Wie aber wäre es mit „Südstädter Mörtelschlag“?

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