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Geländeführer durch NRWBuch über 73 Kriegsrelikte im Rheinland

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Der Wasserturm der ehemaligen Dynamitfabrik in Köln-Lind gehört zu den wenigen Relikten des Rüstungsbetriebes.

Köln – Es war kurz nach 7 Uhr morgens, mitten im Schichtwechsel, als das Unglück passierte. Das Geschossfüllwerk um Stadtteil Lind detonierte, mehr als 100 Beschäftigte verloren ihr Leben. Rund 60 Opfer der Explosion, die sich am 9. November 1918, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs, ereignete, sind auf dem Wahner Friedhof bestattet. Nur wenige Überbleibsel sind von der Fabrik, die zur Deutschen Sprengstoff AG gehörte und sich während des Kriegs zu einem großen Rüstungsbetrieb entwickelte, erhalten: ein Wohngebäude in der Linder Höhe und ein Wasserturm. Beide sind als Baudenkmäler eingetragen – und zusammen mit den Gräbern auf jenem Friedhof eines der Ziele, die das eben erschienene Buch „Archäologische Kriegsrelikte im Rheinland“ aufführt. Der ungewöhnliche Geländeführer stellt mit Texten, Bildern und Karten 73 Orte vor, an denen sich Zeugnisse des Ersten, Zweiten und auch des Kalten Krieges finden. Veröffentlicht hat ihn das Amt für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), der dafür mit dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz kooperiert hat.

Zu den Kölner „Kriegsrelikten“, die der Wegweiser präsentiert, zähnen zum Beispiel auch der südliche Teil des Äußeren Festungsgürtels, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand, der Luftschiffhafen Bickendorf, die Südbrücke, die in beiden Weltkriegen wichtig für den Transport von Truppen und Material war, und die Luftwaffenkaserne Wahn. Ziele außerhalb Kölns sind unter anderem Deckungsgräben und Bunker im Wald zwischen Kranenburg und Emmerich, eine strategische Eisenbahnstrecke zwischen Neuss und Rommerskirchen, im Bergischen Land gelegene Pulvermühlen sowie Luftschutzanlagen, Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeiterlager in Kerpen-Horrem, Jülich und Königswinter. Hinterlassenschaften des Kalten Krieges sind etwa die Munitionsdepots in Brüggen und Kevelaer oder eine Raketenstationen in Neuss.

Der Führer ist Ergebnis eines mehrjährigen, von der Landesregierung geförderten Projekts, bei dem Archäologen mehr als 200 neue Objekte erfasst haben; davon stammt die Hälfte aus der Zeit nach 1945. Der bereits umfassende Bestand aus dem Zweiten Weltkrieg wurde um 40 Objekte ergänzt. Dank der Forschungsarbeit sind einige zu Bodendenkmälern erklärt worden. „Diese und andere Kriegsrelikte sind sprechende Zeugnisse für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts“, sagte Prof. Thomas Schleper, Leiter des LVR-Verbundprojekts „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“, bei der Vorstellung des Bandes und ergänzte: „Das friedvolle Europa ist wieder in Gefahr. Man blickt nach Osten.“

Archäologische Kriegsrelikte im Rheinland, Hauptautoren: Wiebke Hoppe, Wolfgang Wegener; Klartext Verlag, 356 Seiten, 17,95 Euro.