Innenstadt – Es dürfte einer der schwierigeren Termine für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden. Sie müssen in diesen Tagen erneut mit den Vertretern des früher landeseigenen Immobilienunternehmens LEG über das Hausprojekt am Kartäuserwall 18 reden. Im Gepäck haben sie zwei widerstreitende politische Aufträge. Bürgerliche Theaterkultur oder Räume für alternative Projekte und soziales Gewerbe? Auf diese Formel ließe sich die Streitfrage zuspitzen, die seit dem Sommer Nutzer, Theaterleute und Politiker beschäftigt. Die Stadtverwaltung soll sich nun nach aktueller Beschlusslage für die bisherigen Mieter der Räume einsetzen. Gleichzeitig aber fördert der Rat die Ansiedlung eines freien Theaters in der Immobilie, die der LEG gehört, mit mehr als 700 000 Euro.
Streitpunkt sind die Gewerberäume im Innenhof des Hausprojekts. Deren Mietern ist im Mai gekündigt worden (die Ateliers für Künstler mit Behinderung der Gemeinnützigen Werkstätten Köln im Vorderhaus sind nicht betroffen). Die Miete war bislang begrenzt, sie liegt zum Teil noch unter zwei Euro je Quadratmeter. Der ehemalige Brauereikomplex wurde in den frühen 1990er Jahren mit öffentlichen Mitteln saniert und von der Stadt an die LEG übertragen. Daraus ergab sich auch die Verpflichtung, die Gewerberäume günstig und langfristig zu vermieten. Das früher besetzte Haus sollte so einkommensschwachen Menschen ermöglichen, Wohnen und Arbeiten unter einen Hut zu bringen. Nun endet die Mietpreisbindung für die Gewerberäume im Hof – für den inzwischen börsennotierten Konzern Grund genug, die Verträge zu kündigen.Daraufhin haben das Theater der Keller, das auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe ist, und die LEG miteinander gesprochen. Offenbar gibt es bereits eine Vorvereinbarung.
Das Theater hat einen Architekten beauftragt und Gutachten anfertigen lassen. Der Keller der Bewohner könnte demnach zum Theatersaal mit 150 Plätzen ausgebaut werden. Einer der darüberliegenden Räume ist bereits frei. Er könnte zum Foyer umfunktioniert werden. Der Kulturausschuss des Rates hat beschlossen, den Umbau mit Geld aus dem städtischen Haushalt zu unterstützen. Das Theater würde zusätzlich gerne auch die übrigen Räume im Innenhof anmieten. Einige der Mieter im Hausprojekt nutzen diese jedoch nach wie vor als Werkstätten und Büros, andere sind als Kurs- und Unterrichtsräume vermietet.

Heinz-Simon Keller (l.) hat bei Alexander Ernst in der Tanzfaktur in Deutz Asyl gefunden.
Copyright: Peter Rakoczy
Die Bewohner haben in den vergangenen Wochen energisch um Aufmerksamkeit und politische Unterstützung gekämpft. Offenbar mit Erfolg: Der jüngste Beschluss des Finanzausschusses des Rates weist die Verwaltung nun an, auf eine Rücknahme der Kündigungen für die Gewerberäume hinzuwirken. Die Stadt solle sich zudem das Recht sichern, „die Mietverhältnisse im Gebäudekomplex überprüfen zu dürfen“.
Unterzeichnet ist der Dringlichkeitsantrag von CDU, Grünen, FDP und der Wählergruppe Gut. Sie verweisen in ihrem Beschlusstext auf das Nutzungskonzept von 1988, das bis heute für die LEG verbindlich sein soll. Die Vertreter des Hausprojekts sehen sich in ihrer Auffassung bestätigt, dass die Stadt bei der Vermietung der Gewerberäume mitzureden habe. „Wir sind ein bisschen zuversichtlicher“, sagt eine Bewohnerin über die aktuelle Lage.
Bei den Vertretern des Theaters der Keller und bei der LEG, die sich im Grundsatz bereits über einen Mietvertrag einig sind, stößt das auf Unverständnis. „Der Beschluss wird wirkungslos sein“, sagt Ulrich Wackerhagen. Der Rechtsanwalt steht nicht nur dem Trägerverein des Theaters vor, sondern sitzt auch für die FDP im Kulturausschuss. Er kritisiert damit jene Entscheidung, die seine Parteikollegen im Finanzausschuss mitinitiiert haben.
Wenngleich Wackerhagen beklagt, dass er vor Ort Anfeindungen ausgesetzt gewesen sei: Er will – ebenso wie die Bewohner – eine Koexistenz nicht grundsätzlich ausschließen. In welcher Form das funktionieren kann, ist noch offen. Zunächst einmal dürften aber die Mitarbeiter der LEG gespannt die Argumente erwarten, mit denen die Vertreter der Stadtverwaltung bei ihnen vorstellig werden. Man wolle auf Augenhöhe miteinander sprechen, heißt es aus dem Unternehmen.
Eine Nutzerin des Gewerbehofs im Kartäuserwall 18
Das meinen die Politiker
Die Politiker im Rat haben versucht, einen Kompromiss zu ermöglichen. Für Brigitta von Bülow, Fraktionsvorsitzende der Grünen und Mitglied im Kulturausschuss, widersprechen sich die beiden Beschlüsse nicht. Sie hält beide Nutzungen für gut vereinbar. Es sei wichtig, günstige Räume für soziale Initiativen in der Innenstadt zu erhalten. Ihre Fraktion hat sich dafür eingesetzt, in dem Beschluss Mietkostenzuschüsse in Aussicht zu stellen. Ralph Elster, CDU-Kulturpolitiker, rät beiden Nutzern, nach „Synergien“ zu suchen. Eine Werkstatt ließe sich gemeinsam nutzen. Das Theater könne Zeiten für ihre Proben in dem Saal im Hof anmieten. „Es gibt da so viele Möglichkeiten“, sagt Elster. Das sieht Ulrich Breite von der FDP ähnlich, wenngleich er für seine Partei eine „klare Priorität“ für die Ansiedlung des Theaters sieht. Zunächst sei aber die LEG am Zug. Er hält es für wahrscheinlich, dass das Theater zum Haupt- und die Hausgemeinschaft zum Untermieter der Räume werden. CDU-Ratsmitglied Ralph Elster merkt ebenfalls an, dass sich die LEG eine „höherwertige Nutzung“ wünsche. Er habe beobachtet, dass derzeit nicht alle Räume intensiv genutzt würden. Er hält es für zumutbar, dass das Theater seine Büroräume an anderer Stelle beziehe.
