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Helles und Buntes für die dunkle Welt

4 min

Ungeahnte Ergebnisse erzielt die Künstler-Allianz „greendeubel“ mit einer Mischung aus digitaler und handgemachter Kunst beim „Dark Art & Crafts Market“ (links oben). Auch Dozent Michael Hutter und Katja Tomzig zeigen ihre Werke (unten). Malerin Ann-Kathrin Templin, Store-Besitzerin Mila Musil und Linda Barbosa Fortes (r.).

Innenstadt – Immer schon ist das Belgische Viertel ein Hort der Ideen und Symbiosen: Kunst, Gastronomie und Gewerbe verschiedenster Couleur befruchten sich hier wie selbstverständlich gegenseitig und bieten ein pulsierendes Stadtleben abseits des Üblichen. Bei der „Le Tour Belgique“ gibt sich das Veedel noch einmal mehr „en vogue“ als sonst. Zum 18. Mal öffneten die teilnehmenden Stores am Samstag bis 22 Uhr die Türen, boten Präsentationen und Erfrischungen. Cafés und Bars warteten mit Lesungen, Life-Musik, Comedy und anderen Darbietungen auf, Theaterschauspieler zogen durch die Straßen und nach Anbruch der Dunkelheit wurde im ganzen Viertel Party gemacht. Hinter unspektakulär wirkenden Türen verbargen sich die aufregendsten Ausstellungen, alternative Food-Produkte von Champagner bis Kaffee boomten im urig-hippen Ambiente.

Im „Look! Conzept Store“ von Mila Musil an der Brüsseler Straße etwa findet sich ein wahres Sammelsurium an meist flüssigen Spezialitäten. Schmuck, Kleidung und Lifestyle-Accessoires verschiedenster Art hat die findige Geschäftsfrau in ihrem hübschen Laden zusammengetragen. Alkoholisches wie der Gin de Cologne und seine neue Rosé-Variante zeugen ebenso von ihrem Lokalpatriotismus wie der Champagne der Marke „en vie“. Von einer Kölnerin mit einem Winzer in der achten Generation entwickelt, erregt er am Stand vor dem Store das Interesse der Passanten. Die Start-Up-Unternehmerin Linda Barbosa Fortes ist selbst gekommen, um ihr Produkt zu promoten, von Aroma und Qualität kann sich jeder Interessent selbst überzeugen und bei Gefallen direkt bei der Erzeugerin erstehen.

An einem zweiten Stand vor dem Store gibt es organische Limonaden und Eistees der Marke „djahé“ zu verkosten. Alle Getränke enthalten Ingwer, was auf Indonesisch „djahé“ heißt – eine Zutat, die in den Familienrezepten der Kölner Créateure mit indonesischen Wurzeln nicht wegzudenken ist. Das Unternehmen steht für Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit, fördert faire Preise für den Anbau der namensgebenden Zutat und spendet einen Teil des Umsatzes für den Erhalt des Regenwaldes.

Ungeahnte Ergebnisse erzielt die Künstler-Allianz „greendeubel“ mit einer Mischung aus digitaler und handgemachter Kunst beim „Dark Art & Crafts Market“ (links oben). Auch Dozent Michael Hutter und Katja Tomzig zeigen ihre Werke (unten). Malerin Ann-Kathrin Templin, Store-Besitzerin Mila Musil und Linda Barbosa Fortes (r.).

Für die Vernissage der aufstrebenden Kölner Künstlerin Ann-Kathrin Templin alias „Muli“ hat Mila Musil ihre Wände freigemacht, ihre farbenfrohen Bilder wirken teilweise fragmentarisch. „Ich möchte den Menschen die Welt mit meinen Augen zeigen“, erzählt die junge Frau, deren Leidenschaft für das Malen und Zeichnen schon in der Kindheit erwachte.

Deutlich düsterer stellt sich die Ausstellung im „Dark Art & Crafts Market“ dar. „Dark Daze“ nennt sich die Stilrichtung, deren Vertreter den Hang zur Dunkelheit teilen. Betritt man die „Reinkarnation Art Academy“ in der Brüsseler Straße 96, stößt man erwartungsgemäß auf viele Werke der eher lichtscheuen Natur, aber auch auf die herzliche und ungezwungene Art ihrer Macher. Tatsächlich weisen die Exponate nicht nur in der Farbgebung „darke“ Tendenzen auf, auch ihre Motive sind alles andere als munter. Grotesk verfremdete, aus Tieren und Pflanzen extrahierte Wesen entspringen der Allianz zweier Künstler, die unter dem Label „greendeubel“ digitale und handgemachte Kunst miteinander vereinen. „Greentaxonomy“, der nur seinen Künstlernamen preisgeben möchte, und Florian Deubel ergänzen sich mit völlig verschiedenen Techniken. Während Greentaxonomy ausschließlich digital arbeitet, bevorzugt Florian Deubel die handwerkliche Vorgehensweise, verwendet vor allem Kohle, aber auch Kreide, Tusche und Ölfarben. Jeweils ein Künstler liefert beim Schaffensprozess die Grundlage, die dann vom anderen umgestaltet wird.

Dozent Michael Hutter bemüht vornehmlich die Renaissance als Inspiration für seine Bilder in satter Farbgebung. Der Betrachter fühlt sich bei einigen seiner Exponate an die Großszenen Bruegels erinnert, andere Arbeiten überraschen mit unverblümt sexuellen Darstellungen.

Katja Tomzig absolvierte in der „Reinkarnation Art Academy“ ihr drittes Kunststudium. „Das ist die erste Schule, an der ich das altmeisterliche Handwerk lernen konnte“, erklärt sie – damit verfügt die Kunstschule offenbar über ein rares Angebot. Ihre schwarz-weiße Phase hat Katja Tomzig endgültig hinter sich. „Ich finde, es ist so dunkel auf der Welt, da muss mal was Helles her“, meint sie. In ihren farbintensiven „Schöpferbildern“ lassen sich bei genauerem Hinschauen allerhand verborgene Figuren finden.

Dank der interaktiven Karte auf der „Le Tour Belgique“-Website und der „Rausgegangen-App“ konnte jeder Veedels-Fan das passende Event zielsicher finden, kulinarische Highlights wie „Austern schlürfen“ in der Barracuda Bar oder eine Espresso-Verkostung im Moxxa Caffè lieferten einen Eindruck der gastronomischen Angebote, zur Präsentation neuer Kollektionen reichte man in angesagten Bekleidungsstores wie dem Perraro Drinks, in der Markthalle und im Bauturm jagte ein Kulturangebot das nächste. Sogar der Wissensdurst konnte bei einem Vortrag über das Thema „Pilzesammeln“ im „Hennes Finest“ gestillt werden. Wer sich zu später Stunde stilecht austoben wollte, fand sich zur 80er- Party im Alcazar ein oder lauschte ganz entspannt einem der vielen Konzerte in den Bars.

Ann-Kathrin Templin

Künstlerin