Mülheim – Sein letztes Bild hat der Künstler Alfred Strack im Alter von 92 Jahren gemalt. Das war im Sommer 2017. Wenige Wochen später ist er gestorben. Das abstrakt-expressive Werk hängt derzeit im Altarraum der Kirche St. Clemens, wo dem Kölner Maler und Zeichner eine Gedächtnisausstellung gewidmet ist. Um das farbkräftige Gemälde herum sind die Werke von 60 Künstlern präsentiert, die im Laufe der Jahrzehnte die Grundlagen-Kurse und die Malklasse von Strack am Fachbereich Freie Kunst an den Kölner Werkschulen am Ubierring besuchten, wo der im Jahr 1925 geborene Stracke seit dem Jahr 1955 bis zur Auflösung des Fachbereichs im Jahr 1990 als Dozent tätig war.
Beschrieben wird er als ein witziger und geselliger Mensch, der den Studenten gleichzeitig streng gegenüber war, wenn es um zeichnerische Ansprüche ging. Er selbst präsentierte zu Lebzeiten seine Bilder nur selten in Ausstellungen. Wichtiger war ihm, dafür zu sorgen, dass die Studenten an den Werkschulen eine solide künstlerische Grundausbildung erhielten, die sie in die Lage versetze, allmählich ihren eigenen bildnerischen Stil zu entwickeln.
Wie vielfältig die Ansätze der Maler, Bildhauer, Zeichner, Grafiker und Objektkünstler sind, die in der Zeit seit den 1960er-Jahren aus dem Studium an der Kölner Werkschule hervorgingen, demonstriert die Ausstellung in eben diesen 60 Facetten. Da stehen huschige zeichnerische Würfe neben sorgfältig ausgearbeiteten surrealistischen Kompositionen, magisch-poetische Objekte aus Fundstücken neben organischen und konstruktiven Strukturbildern, witzige Bildfantasien neben dramatisch-hintergründigen Szenerien. Rasch entsteht darüber die Einsicht, dass der beste Kunstprofessor nicht derjenige ist, der seine eigenen Bildkonzeption an Studenten weitergibt, sondern ihnen das Handwerkszeug und den entsprechenden kreativen Geist vermittelt, um ihre eigenen Erfahrungen bildnerisch zum Ausdruck bringen zu können.

Das farbprächtige Gemälde von Alfred Strack hängt über dem Altar in der Kirche St. Clemens (l.). Im Frühjahr 2017, ein paar Monate vor seinem Tod, hatte der 92-Jährige A in der Kirche St. Clemens seine letzte Ausstellung zu Lebzeiten(r.).
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Dass der Weg zum eigenen künstlerischen Ausdruck bei einfachen Übungen beginnt, die wenig persönliche Note sichtbar machen, zeigt sich an einer Arbeit aus dem Grundsemester der Klasse Strack aus dem Jahr 1967, die der inzwischen in Frankreich lebende Kölner Künstler Peter Pick zur Ausstellung beisteuert. Wir sehen einen „in Primär- und Sekundärfarben gestalteten Würfel“.
Der Unterschied zur malerischen Souveränität, mit der Dirk Schmitt in einem an der klassischen Malerei orientierten Stillleben ein Glas in feinsten Farbübergängen auf die Leinwand gebracht hat, könnte größer nicht sein. In vielen Arbeiten der Ausstellung beeindruckt die besondere materiale Intensität. So in einer Objektcollage, mit der Herbert Rosner aus Schnittmustern und anderen Utensilien aus dem Metier des Nähens ein stilles Geheimnis geschaffen hat. Etwa in einer kraftvollen Farbverflechtung, mit der Norbert Küpper posthum einen Bildentwurf seiner verstorbenen Frau Ursula Knorr zu Ende geführt hat. So in der sparsamen malerischen Bearbeitung eines faszinierenden Indianer-Fotos durch Erhard Schiller. Und in einer Textilfadenzeichnung, die Homa Emami eigens für die Ausstellung als „Hommage an Alfred Strack geschaffen hat.
Das Besondere an der Ausstellung ist nicht nur die große künstlerische Vielfalt, sondern auch die Tatsache, dass alle Werke in ihrer ganzen Verschiedenheit völlig gleichberechtigt nebeneinander stehen. Besser könnte man den pädagogischen Geist, in dem Professor Alfred Strack die Fähigkeiten seiner Kunststudenten zu entwickeln versuchte, nicht zu Ausdruck bringen. Nicht Effekt und Erfolg standen im Vordergrund, sondern die Vermittlung einer künstlerischen Sichtweise und Lebenshaltung selbst. Und in diesem Sinne steht die Malerei des Professors denn auch ganz selbstverständlich zwischen der seiner Studenten.

Künstlerin Verena Bretschneider schafft mit modernen künstlerischen Mitteln archaisch anmutende Bildformen (l.). Der Künstler Jürgen Raap verbindet in seinen Bildkomposition stets Witz und Traum (r.)
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Kirche St. Clemens, Mülheimer Ufer, mittwochs 17-19 Uhr, samstags 16-19 Uhr, sonntags 15-19 Uhr, bis 26. 7.

Künstlerin Verena Bretschneider schafft mit modernen künstlerischen Mitteln archaisch anmutende Bildformen (l.). Der Künstler Jürgen Raap verbindet in seinen Bildkomposition stets Witz und Traum (r.)
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