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Im BlücherparkLauschiges Plätzchen an der Autobahn

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Bernhard Münchhoff und Peter Rossenbach patrouillieren im Blücherpark.

Nippes – Die Aufregung hat sich gelegt. Mensch und Tier leben wieder in trauter Harmonie. „Das ist ein Park, der eigentlich sehr ruhig ist“, sagt Bernhard Münchhoff. Der Hauptkommissar geht gerade Streife im Blücherpark, Seite an Seite mit seinem Kollegen Peter Rossenbach. Am Morgen noch mussten sie einige Haftbefehle vollstrecken – unangenehme Routine eben. Aber jetzt? Still ruht der See, sanft weht der Sommerwind. „Immer, wenn wir ein bisschen Zeit haben, so wie jetzt, gehen wir hier durch“, sagt das Polizisten-Duo. Obwohl auch im Blücherpark nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht: Die Streife in Bilderstöckchens 99 Jahre alter Grünanlage gehört zu den angenehmeren Dienstpflichten.

Bernhard Münchhoff kann sich aber gut an jenen Tag erinnern, als es am Parkweiher zuging wie in einem schlechten Krimi. Wieder einmal war er auf Kontrollgang, als „plötzlich von überall her Streifenwagen kamen“. Anwohner hatten Schnappschildkröten-Alarm ausgelöst. „Man fürchtete, dass sie Kindern, die hier spielen, die Hände abbeißen“, berichtet der 52-jährige Hauptkommissar mit dem Drei-Tage-Bart und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Beim Anblick der possierlichen Tierchen am Weiher sind derartige Gräueltaten tatsächlich kaum vorstellbar.

Und so können sich die „Blücherpark-Mamas“ von Tabea Unruh gänzlich ungestört von Monster-Reptilien ihrer Mutter-Kind-Idylle hingeben. Eine Stunde lang sind die jungen Damen samt Nachwuchs in straffem Tempo durch das Grün gezogen. „Es ist wichtig, dass man nach der Geburt kräftigt, was bei der Geburt gelitten hat“, sagt Unruh, die seit einigen Monaten „Outdoor Fitness“-Kurse für Mütter anbietet. Den Beckenboden zum Beispiel. Deshalb gibt es zwischendurch immer wieder Dehnübungen mit dem Band. Jetzt allerdings ist Pause angesagt: Sechs Frauen und sechs Kleinkinder genießen auf der Decke einen lauen Sommertag. „Hier ist total cool, dass man so viele Bäume hat“, sagt die Mutter des achtmonatigen Theo.

„Ohne Arbeit würde auch was fehlen“

Mit der Ruhe ist das allerdings so eine Sache im Blücherpark. Das Auge weidet sich an altem Kastanienbestand, jungen Schwänen und kann gar nicht genug bekommen von so viel innenstadtnaher Schönheit. Das Ohr hingegen fühlt sich belästigt von einem unangenehmen Grundrauschen. Die angrenzende Autobahn 57 ist omnipräsent. Auch im Garten von Dr. Hans Rolf Schackert und seiner Frau Maja. Das Ehepaar wohnt an der Arnimstraße in Neuehrenfeld, die vom Blücherpark über eine Fußgängerbrücke zu erreichen ist. Damit überwindet der Besucher das Verkehrsband, das der Wirtschaftswissenschaftler ein „bestimmendes Element“ nennt. Aber auch die Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Stadtteilen: Während Bilderstöckchen nicht frei ist von sozialen Brennpunkten, hat es sich in Neuehrenfeld das Bürgertum eingerichtet. Als die Schackerts 1984 ihr Reihenhäuschen bezogen, fanden sie Vieles schön – ihren Garten, die Umgebung, die Nachbarn.

Nur die Autobahn bereitete Kummer: „Als wir eingezogen sind, haben wir eine Bürgerinitiative gegründet, damit wir eine Lärmschutzmauer bekommen“, sagt Hans Rolf Schackert. Mittlerweile ist die Mauer da und der Pegel etwas gedämpft. Die Schackerts scheinen halbwegs ihren Frieden geschlossen zu haben mit ihrer viel befahrenen Nachbarschaft. Weg wollen sie auf jeden Fall nicht mehr. So wie Maria Siebel in ihrer Hollywood-Schaukel sitzt – umgeben von Apfelbäumen, Brombeerhecken und duftenden Rosen – ist es schwer vorstellbar, dass sie weitaus weniger verwurzelt ist mit ihrem Grund und Boden. Das ist zwar eine prächtig blühende Parzelle des Kleingärtnervereins Blücherpark. „Aber Camping ist schöner“, sagt die 55-Jährige, während Enkeltochter Titziana ihre Runden mit dem rosafarbenen Dreirad dreht. An der Agger hätten sie und ihr Mann einst einen Wohnwagen hingestellt, berichtet Siebel. Doch der Campingplatz wurde geschlossen, als Ersatz gab es 320 Quadratmeter Kleingarten am Mirabellenweg. „Verdammt viel Arbeit“ mache das alles, sagt die fünffache Großmutter und Küchenhilfe. Die Bohnen, die Kartoffeln, die Zwiebeln. „Aber ohne Arbeit würde auch was fehlen.“ Und immerhin nehme sie die Autobahn gar nicht mehr wahr.

Petra Kortenhorn machte aus der Verkehrs-Not eine Tugend. Als sie vor 16 Jahren am Blücherpark-Weiher einen Biergarten eröffnete, warb sie mit dem „lauschigen Plätzchen an der Autobahn“. Dort veranstaltet sie ab und zu Jazzkonzerte oder kleine DJ-Parties, die bis in die Nacht dauern. Dagegen hatte es zuletzt Protest gegeben: Ein Anwohner hatte sich über den langen Lärm beklagt. Nun gebe es Ausnahmeregelungen, sagt Kortenhorn. Das Ordnungsamt habe bei dem Anwohner den Lärmpegel gemessen. Das Ergebnis: „Die Autobahn ist immer lauter.“