Köln – Karneval und Sex gehören einfach zusammen. Das wird vor allem deutlich an den ausschweifenden Erfahrungsberichten der Jecken nach den Karnevalstagen. Fast schon willkürlich trifft jeder auf eine supersüße Frau oder einen schnuckeligen Mann, und eh man sich versieht, schläft man auch schon miteinander. Mehr entwickelt sich daraus meistens nicht. Praktisch ist natürlich, dass man sich wegen der Kostüme später in der Regel nicht wiedererkennt und sich so die böse Überraschung erspart, wie unattraktiv das Gegenüber im nüchternen Zustand eigentlich ist.
Als "Ausrutscher" kann man solche "One-Night-Stands" nicht bezeichnen, denn häufig wiederholt sich diese Prozedur zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch mehrere Male. So wundert es auch nicht, dass Kondome neben dem Alkohol schon zur Standardausrüstung aller Jecken gehören. Doch allein mit der Ausrüstung ist es nicht getan. Benutzen sollte man sie auch.
Die Verhütungsfrage
Während die Benutzung beim Alkohol keiner Aufforderung bedarf, so verweilt das Kondom trotz guter Vorsätze oft ungenutzt in der Tasche. Als Grund geben die meisten den Alkohol, die Spontaneität oder schlichtes Vergessen an. Meistens jedoch liegt es daran, dass sich keiner traut, die berühmt-berüchtigte "Verhütungsfrage" anzusprechen. Es ist ja auch irgendwie komisch, zwischen wilden Küssen und dem leidenschaftlichen "Klamotten-vom-Leib-reißen" zu fragen: "Hast Du ein Kondom dabei?" Und wenn man doch fragt, kommt zwar oft ein "Ja" als Antwort - aber Worten folgen keine Taten.
"Wer die Situation nicht unterbrechen will, sollte am besten selber Kondome dabei haben und es im richtigen Moment einfach überziehen", richtet sich die 20-jährige Karin an die Männerwelt. "Mit Sicherheit wird sich keine Frau darüber beschweren und dazu auffordern, das Kondom wieder abzustreifen."
Nach neuesten Umfragen haben drei Viertel aller Jugendlichen ihren ersten Sex spontan, vier von fünf gaben an, niemals ohne Kondom mit einem neuen Partner ins Bett zu gehen. Das zeigt, wie reif Jugendliche doch eigentlich sein müssten. Diese Reife scheinen die meisten über Karneval jedoch abzulegen und frei nach dem Motto "Et kütt, wie et kütt" miteinander in die Kiste zu hüpfen. Bei ausgelassener Stimmung, berauschenden Feiern und dem tiefen Blick ins Bierglas fallen sämtliche Hemmungen von einem ab. Und mit ihnen offenbar auch das Verantwortungsbewusstsein sich selbst gegenüber.
"Ob die alle glauben, dass es reicht, nur ein Kondom dabei zu haben, damit nichts passiert?", fragt sich Karin, während sie versucht, dieses Verhalten nachzuvollziehen. "Man muss sich ja nicht zwangsläufig Aids einfangen, aber auch eine Schwangerschaft nach einem One-Night-Stand ist nicht gerade der Bringer." Auch das vollkommen nutzlose Prinzip, so viel zu trinken, dass selbst die Spermien besoffen werden und den Weg nicht mehr finden, gehört wohl eher in das Reich der Märchen und Mythen.
Oft fliegen die Gummis durch die Luft
Der wichtigste Grund, mit Kondomen zu verhüten, sollte dennoch der Schutz vor Geschlechtskrankheiten sein - denn die Pille hilft dabei nicht. Und so schwer kann es ja wohl wirklich nicht sein, sich ein Kondom überzuziehen, wenn man es sowieso schon dabei hat. In der Realität gestaltet sich dies allerdings nicht nur wegen des Alkohols als oft schwieriges Unterfangen. Da fliegen Kondome durch die Luft oder platzen urplötzlich, so dass ein neues her muss, welches nach minutenlangem Ausprobieren immer noch nicht da sitzt, wo es hingehört.
Aber was wäre Karneval ohne Spaß, denn lustig sind diese Pannen, zumindest im Nachhinein, allemal. "Und den Spaß hat man ja auch direkt nach dem Kampf mit dem Kondom", schmunzelt Karin.
