Lange Zeit spielten sie ganz oben mit, und wenn sie scheiterten, dann meistens in der Endrunde. Heute ist der sportliche Erfolg nur noch die Sahnehaube auf der Torte, die sich bei „Torpedo Eisen“ Gemeinschaftsgeist nennt – der Mannschaft der Bunten Liga, die wir dieses Mal in unserer Serie vorstellen:
Woher kommt Euer Name? Unser erster Kapitän war Ossi und hatte deshalb einen Bezug zu Torpedo Moskau. Der zweite Teil des Namens leitet sich ab von Steffen Karl, einem bekannten Ex-Spieler von Borussia Dortmund. Der wurde wegen seinem harten Schuss immer „Eisen-Karl“ genannt und kam wie unser Kapitän aus Halle. Seit wann gibt’s Euch? Seit 1994. Gegründet wurde der Club überwiegend von Studenten, die sich in Köln auf der Uniwiese kennengelernt haben. Wer macht mit? Der jüngste Spieler bei uns ist 23, der älteste 50 – also querbeet gemischt. Ein Kern kommt berufsbedingt aus Bonn, ein anderer kennt sich vom Studium aus Münster, viele sind über die Trainings auf der Jahnwiese dazugekommen. Einen richtigen Stammkern, wo sich alle von Anfang an kannten, haben wir nicht. Das liegt auch daran, dass wir immer großen Wert darauf gelegt haben, junge Leute in die Mannschaft zu holen und zu integrieren. Das hat den Vorteil, dass immer frisches Blut dazukommt. Was ist Euer Ziel? Wir sind ja im letzten Jahr zum ersten Mal abgestiegen in die zweite Liga. Früher war es immer unser Ziel, sportlich möglichst erfolgreich zu sein. Heute ist es vor allem wichtig, sich neben dem privaten Freundeskreis über die Fußballgemeinschaft einen zweiten Freundeskreis zu erhalten. Das Sportliche steht also nicht mehr über allem, was aber auch gut ist. Jeder, der zum Spiel kommt, spielt auch. Das ist uns heute wichtig. Warum spielt ihr in der Bunten Liga und nicht profimäßig? Zum einen haben wir in der Bunten Liga mit den Poller Wiesen und den Jahnwiesen das Privileg, immer auf Rasen spielen zu können. Außerdem hat man einen Spielbetrieb, der gut organisiert und sportlich reizvoll ist, bei dem aber auch das Miteinander im Vordergrund steht – mit der Möglichkeit, viele Leute in einem Match unterbringen zu können und nicht nur dreimal wechseln zu dürfen. Und letztendlich machen wir hier unsere Regeln selbst und konnten als Freunde ein Team gründen, während man in einen klassischen Verein ja neu dazukommt und sich anpassen muss. Wer ist Euer Trainer? Über Jahrzehnte habe ich, Philip Ringberg, die Mannschaft trainiert und quasi alles geregelt. Seit ich kürzer getreten bin, teilen sich drei Trainer den Posten: Nico Berse, David Salmen und Marius Braun. Das so zu organisieren, hat seine Vor- und Nachteile. Es gab einfach niemanden, der die Last alleine tragen wollte. Vielleicht ist es unterm Strich auch wirklich das Beste, die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Was zeichnet Euch aus? Wir sind ein geschätzter Gegner, weil wir immer sehr fair und trotzdem sportlich herausfordernd sind. Wir pflegen guten Kontakt zu fast allen Bunte-Liga-Mannschaften. Und wir hatten immer ein großes Gefälle in der Mannschaft. Da waren überragende Spieler dabei, aber auch durchschnittliche. Da alle zu integrieren, sodass sich jeder mitgenommen fühlt, war immer die große Kunst. Was war Euer größter Triumph? Wir sind 2011 Bunte-Liga-Meister geworden. Das war ein großer Erfolg, denn wir hatten in den Jahren davor schon zweimal das Finale verloren. Deshalb war das mal fällig. Das Spiel haben wir nach Verlängerung 3:2 gewonnen, das entscheidende Tor fiel in der 120. Minute. Für uns war das auch die nötige Bestätigung, für die wir über Jahre vielleicht zu viel Zeit auf dem Fußballplatz anstatt bei unseren Familien verbracht haben. Eure größte Niederlage? Wir haben einmal im Finale 1997 3:1 verloren. Das tat schon ganz schön weh. Für mich persönlich ganz besonders, weil ich sogar einen Elfmeter verschossen habe und obwohl wir wegen einer roten Karte eigentlich sogar in Überzahl gewesen waren. Was war Euer lustigstes Erlebnis? Ein Spiel auf den Poller Wiesen, da ist der Ball in den Rhein geflogen, und es hat ewig gebraucht, bis wir einen neuen Ball hatten und weiterspielen konnten. Und nicht besonders witzig, aber einfach nur eine tolle Erinnerung: Zweimal hintereinander haben wir das Feine-Kerle-Turnier gewonnen und haben als Preis einen Mannschaftsaufenthalt in einem Hotel im Sauerland bekommen. Das war immer das absolute Highlight. Wo trainiert ihr und wann? Auf der Jahnwiese, meistens donnerstags um 19 Uhr. Im Winter sind wir in einer Poller Halle. Braucht ihr noch Verstärkung? Ja, Verstärkung ist immer ein Thema bei uns, solange es menschlich wie sportlich passt.
Kontakt zu Torpedo Eisen:
Dhoefener@gmx.de
DIE SERIE
„Calamares International“, „Grand Hotel Abseits“, „Petermann Stadtgarten“ , „Prinzip Hoffnung“, „Roter Hammer“ und „Hysteriker“ lauten die Namen der sechs Teams, die im Jahr 1989 die Bunte Liga gründeten. Heute sind etwa 1500 Spaß-Fußballer in der Bunten Liga aktiv, die sich als Alternative zum offiziellen Verbands-Fußball versteht. Wir stellen die Teams in einer Serie vor.
Philip Ringberg, ehemals Trainer von Torpedo Eisen
