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Jenseits des Kopftuchs

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Willi Vögeli (l.) begrüßte die Mitwirkenden und Gäste des Abends.

Holweide – „Platz da! Jetzt kommen die aufgeklärten Muslime.“ Unter diesem Motto hatten der Runde Tisch Holweide und der Verein „FEE – Fördern und Erfolge Ernten“ eingeladen, um über den modernen Islam zu diskutieren.

Der Titel der Abendveranstaltung ist dem gleichnamigen Buch der ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Lale Akgün entliehen, die ihr Werk vorstellte.

„Ich wundere mich schon seit einiger Zeit, wie heftig politisch viele Islamverbände in Deutschland unterwegs sind“, begründet Fatos Aytulun, Vorsitzende des Vereins FEE, den Entschluss, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen und die Autorin nach Holweide einzuladen. Außerdem sei sie der Ansicht, dass eine orthodoxe Minderheit versucht, die Meinungsführerschaft innerhalb der muslimischen Gemeinschaft zu übernehmen. Willi Vögeli vom Leitungskreis des Runden Tischs fürchtet, dass eine solche Entwicklung der Integration nicht förderlich ist: „Wenn ein gutes Miteinander wirklich funktionieren soll, dürfen wir Muslime nicht ausschließlich an den Taten radikalisierter Fundamentalisten messen.“ Und Vorurteile gebe es auch darüber hinaus noch reichlich.

Akgün, eine ausgezeichnete Kennerin der Islamverbände in Deutschland, sieht bereits seit den 1980er-Jahren eine Zunahme des politischen Islam: „Wir als aufgeklärte Muslime hatten das aber nicht ernst genommen.“ Wer hätte denn auch erwarten können, dass fundamentalistische Ansichten zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder an Bedeutung gewinnen können? Nun aber sei es an der Zeit, die Menschen aufzuklären, denn: „Es gibt keine aufgeklärte Religion, sehr wohl aber aufgeklärte Menschen.“

Akgün betonte, dass auch die Deutschen Nachholbedarf hätten: „Das Bild über Muslime in der Gesellschaft ist flach: Kopftücher, kein Schweinefleisch essen, keinen Alkohol trinken und fünf Mal am Tag beten.“ Das treffe aber bei weitem nicht auf alle islamische Gläubige zu.

Zu der Veranstaltung im evangelischen Gemeindezentrum waren circa 70 Zuhörer gekommen. „Ich bin einfach neugierig und finde das Thema interessant“, begründete Rolf Kohlmeier seine Anwesenheit. Manfred Höffken, ehemaliger WDR-Redakteur, hatte schon konkrete Vorstellungen mitgebracht: „Ich finde, dass ein Gegengewicht zum konservativen Islam existieren sollte und dazu kann Lale Akgün beitragen.“ Auf der anderen Seite vermisse er unter den Zuhörern des Abends muslimische Mitbürger.

Lala Akgün, Autorin