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„Urlaub ist finanziell nicht drin“Mit Juppi Squishys malen und basteln – Gratis-Ferienprogramm der Stadt

5 min
Die sechs Jahre alte Johanna und ihre Mama Conny basteln ein Notizbuch.

Die sechs Jahre alte Johanna und ihre Mama Conny basteln ein Notizbuch. 

Das Juppi-Mobil der Stadt Köln voller Bälle, Bastelmaterial und Spiele wechselt Woche für Woche den Standort. 

Zarah lässt die Farbe in feinen Tröpfchen auf das Papier fliegen. Den Pinsel benutzt sie mit der Hilfe eines Fingers wie ein Katapult. So bekommt ihre lila Qualle einen gesprenkelten Hintergrund. Das Motiv? „Ein Squishy“, sagt das Mädchen. Natürlich, diese Gummi-Gebilde mit geleeartiger Füllung, der Form nach Qualle, Würfel, Eisbecher, Dumpling oder gar Katze, sind aktuell begehrte Sammelobjekte unter Kindern. Sie lassen sich quetschen und dehnen und fühlen sich dabei so wunderbar eklig an. Deshalb verstehen die anderen auch sofort, was Zarah da malt. Nur die Erwachsenen brauchen eine Erklärung. 

Es herrscht munteres Treiben an diesem ersten Sommerferiendienstag im Park an der Eythstraße in Köln-Kalk. Das Juppi-Mobil ist da. So bietet das Jugendamt der Stadt Köln Kindern und Jugendlichen ab sechs Jahren ein Ferienprogramm. Es wird gemalt und gebastelt, mit Tellern jongliert und mit dem Diabolo geübt, es gibt Fußbälle und Basketbälle, einen Tischkicker und ein Riesen-Vier-Gewinnt. Zwei Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeiter aus dem Juppi-Team beschäftigen sich mit den Kindern, leiten an, machen vor, unterstützen. Sie verteilen Wasser an Durstige und schlichten hier und da auch mal einen aufkommenden Streit. Alles sehr zugewandt, freundlich und geduldig.  

Bilder hängen zum Trocknen im Park an der Eythstraße in Köln-Kalk. Hier macht das Juppi-Mobil der Stadt in der ersten und letzten Ferienwoche Station.

Bilder hängen zum Trocknen im Park an der Eythstraße in Köln-Kalk. Hier macht das Juppi-Mobil der Stadt in der ersten und letzten Ferienwoche Station.

Das Juppi-Projekt des Kölner Jugendamtes gibt es bereits seit 1972. Der Name gehe auf den damaligen Jugenddezernenten Joseph Schulte zurück, sagt Petra Wallraff-Becker, die Leiterin der Abteilung Kinderinteressen und Jugendförderung. Von Beginn an sollten Kindern wohnortnah Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsräume eröffnet werden. Vor allem in Stadtteilen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Heute besteht die städtische Spielmobil-Flotte aus zwei großen, weißen Transportern und einem Lastenfahrrad, mit denen Spiel- und Bastelmaterial sowie Schatten spendende Pavillons auf Spielätze und in Parks transportiert werden. In der Schulzeit fahren die Juppi-Mitarbeiter jeden Nachmittag einen anderen Kölner Stadtteil an.   

Wo viele Kinder auf engem Raum leben

In diesen Sommerferien bleibt das Team zum ersten Mal immer für eine Woche an einem der angestammten Plätze. Im Park an der Eythstraße ging es in der ersten Woche los, dort ist man auch in der sechsten Ferienwoche nochmal stationiert. „Das Angebot muss immer etwas anlaufen, am Ende der Woche wissen die Kinder im Viertel dann, dass hier etwas los ist“, sagt Wallraff-Becker. Ziel sei es, in Bereiche der Stadt zu gehen, wo besonders viele Kinder auf engem Raum leben. „Und wo das Umfeld vielleicht nicht so gut aufgestellt ist, dass man viel in den Urlaub fahren kann.“

Die Zirkus-Utensilien und das übergroße Vier-Gewinnt locken die Kinder an.

Die Zirkus-Utensilien und das übergroße Vier-Gewinnt locken die Kinder an.

Im Park an der Eythstraße rätseln Hatice (8) und Mohammad (12) zusammen mit Juppi-Mitarbeiterin Irina über einem riesigen Köln-Puzzle aus Holz. Schließlich schaffen sie es, alle Kölner Veedel an die richtige Stelle zu setzen. Liah (6), Arda (8) und Aila (12) basteln Schlüsselanhänger, Jannick vom Juppi-Team hilft, wenn die Pfeifenreiniger nicht so recht zusammenhalten wollen. Die drei Kinder kennen das Angebot schon, sie wohnen in den Mehrfamilienblocks rund um den Platz und kommen auch in der Schulzeit am Mittwochnachmittag gern vorbei. Arda zeigt stolz sein gebasteltes Schlüsselanhänger-Männchen mit Armen und Beinen.

An den Staffeleien, wo großformatige Bilder entstehen und Zarah die Squishy-Qualle gemalt hat, haben Aira (12), Ameni (11) und Wendy (10) genug vom Papier und malen jetzt Aira das Gesicht an. Irina schreitet kurz ein und versichert sich, dass Aira auch wirklich möchte, was da passiert. Die Zwölfjährige bekommt ein Bild von sich auf dem Handy gezeigt, lacht sich schlapp – und die Mädchen dürfen weiter machen. Eine Gruppe Kinder übt mit den Zirkusutensilien, ein paar Jungs nutzen die großen Blätter zum Bau von Papierfliegern, andere spielen Fußball, bis sie schwer atmend und verschwitzt nach Wasser fragen.    

Abteilungsleiterin Petra Wallraff-Becker vom Jugendamt der Stadt Köln.

Abteilungsleiterin Petra Wallraff-Becker vom Jugendamt der Stadt Köln.

„Wir sind da, wo sich die Kinder sowieso aufhalten“, sagt Juppi-Mitarbeiterin Marie. Hier im Park werde das Angebot der Stadt immer gut genutzt. Viele Kinder kommen allein, einige der kleineren Mädchen haben ihre Mamas dabei. „Man kann uns aus den Fenstern der Wohnungen sehen“, sagt Marie. Als man aber mal versucht habe, das Spiel- und Bastelprogramm in einen angemieteten Raum zu verlegen, sei niemand mehr gekommen. 

Wir gehen da hin, wo das Umfeld vielleicht nicht so gut aufgestellt ist, dass man viel in den Urlaub fahren kann.
Petra Wallraff-Becker, Abteilungsleiterin beim Jugendamt der Stadt Köln

Am großen Basteltisch helfen Marie und Thomas den Kindern an diesem Tag, eigene Notizbücher zu basteln. Die Aktion ist besonders gefragt. Hier haben es sich auch Johanna (6) und ihre Mama Conny gemütlich gemacht. Sie sind nicht zufällig da, sondern haben gezielt nach günstigen Ferienangeboten gesucht und sind mit dem Fahrrad aus Buchforst gekommen. „In den Urlaub zu fahren, ist für uns dieses Jahr finanziell nicht möglich“, sagt Conny.

Johanna arbeitet hoch konzentriert an ihrem Buch. Ein Einband aus Pappe, dazwischen Seiten aus Papier, in der Mitte werden mit einer Prickelnadel kleine Löcher gestanzt. Dann wird mit Wolle alles ordentlich zusammengenäht. Der übrige Faden wird mit einer Perle verziert zum Lesezeichen und die Außenseite bekommt mit bunten Tapes einen individuellen Look. Fertig ist das Tagebuch für einen hoffentlich ereignisreichen, schönen, nicht enden sollenden Sommer.

Hier macht das Juppi-Mobil Station:

2. Ferienwoche, 27. bis 31.Juli .2026, in Mülheim, Böckingpark

3. Ferienwoche, 3. bis 7. August 2026, in Kalk, Bürgerpark Köln Arcaden

4. Ferienwoche, 10. bis 14. August 2026, in Porz, Stresemannpark

5. Ferienwoche, 17. bis 21. August 2026, in Roggendorf, Im Mönchsfeld

6. Ferienwoche, 24. bis 28. August 2026, in Kalk, Park Eythstr./Remscheider Str.