Das Wochenziel steht auf der Tafel: „Ich gebe mein Bestes.“ Damit ist der Ton schon mal gesetzt für die Klasse 10a der Martin-Köllen-Schule an der Hachenburger Straße, eine der städtischen Förderschulen Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung. Dass das Beste, was die Schülerinnen und Schüler der 10a geben können, zu einem öffentlich wahrgenommenen Erfolg führen kann, erfuhren sie als damalige Neuntklässler beim bundesweiten Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik mit dem Titel „Alle für eine Welt für alle“. Lehrerin Lino Krevetz freut sich sehr: „Die 9a ist damit NRW-Meister! Zusätzlich erreichte ihr Podcast-Projekt auf Bundesebene einen der starken vierten Plätze.“
Urkunde von der Schulministerin
Nun war Dr. Steffen Leibold zu Gast in der Schule. Der NRW-Landeskoordinator des Schulprogramms Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung war gekommen, um die Siegerurkunde zu überreichen. „Ich war gestern extra noch bei Schulministerin Dorothee Feller, damit sie die Urkunde unterschreibt.“ Dass die Jugendlichen sich ein leichtes Thema für ihren Wettbewerbsbeitrag ausgesucht haben, kann wahrlich niemand sagen. Im Geschichts-Projekt „Kolonialismus Heute: Podcast für eine bessere Welt“ setzte sich die Klasse mit Themen wie globaler Gerechtigkeit, Rassismus und Armut auseinander. Ziel war es, Kolonialismus in leichter Sprache zu erklären und die Auswirkungen bis heute sichtbar zu machen. Dabei entstand ein Podcast, den die Schülerinnen und Schüler selbst entwickelt und aufgenommen haben. Für ihr Projekt führten die Jugendlichen Interviews mit einer Museumspädagogin des Rautenstrauch-Joest-Museums sowie mit Menschen aus dem Veedel, die sich gegen Rassismus und Armut engagieren.

So wird der Erweiterungsbau der Förderschule Hachenburger Straße aussehen.
Copyright: Hahn Helten Architektur/nesseler bau gmbh
Außerdem diskutierten sie gemeinsam darüber, wie eine gerechtere Zukunft aussehen kann. Lehrerin Krevetz fasst noch einmal zusammen: „Insgesamt nahmen fast 19.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland mit mehr als 400 Beiträgen am Wettbewerb teil. Umso mehr freuen wir uns über diese besondere Auszeichnung für unsere Schule und die tolle Arbeit der Klasse 9a.“ Die seit Sommer die 10a ist. Unter dem Titel „Schüler:innen-Podcast: Kolonialismus heute“ findet man den Clip zum Beispiel bei Spotify.
Zu Beginn der Urkundenverleihung stand eine Vorstellung der beteiligten Personen auf dem Programm. Die Jugendlichen berichteten von ihren Berufspraktika. „Welche Erkenntnisse habt ihr bei den Recherchen für den Podcast gewonnen?“, fragte Leibold. „Wir haben im Rautenstrauch-Joest von den geraubten Ausstellungsstücken erfahren“, lautete die Antwort. Alles müsse zurückgegeben werden, war die einhellige Meinung in der Klasse. Aber es wurden auch die Probleme dabei erwähnt: „Manchmal wussten die nicht mal, woher die Sachen stammen.“

Baustelle an der Förderschule Hachenburger Straße.
Copyright: Stefan Rahmann
„Rassismus ist in der Zeit entstanden, als Völker andere Völker kolonialisiert haben“, war eine weitere Erkenntnis. „Armut ist in vielen Ländern entstanden, weil die Kolonialmächte die Rohstoffe gestohlen haben.“ Und auch der Sprung in die Gegenwart gelang eindrucksvoll: „Früher haben Staaten andere Länder kolonialisiert. Heute machen das in manchen Ländern die, die die einheimische Bevölkerung ausbeuten.“ Gefragt, was sich die Schülerinnen und Schüler für ihre eigene Schule an Verbesserungen wünschen, waren die Antworten eindeutig: eine Klimaanlage, mehr Lehrer, bessere Klos.
Mit dem Preisgeld zum Drachenfels
Mit dem Preisgeld in Höhe von 500 Euro hat die Klasse eine Schiffsfahrt nach Königswinter bezahlt und ist auf den Drachenfels geklettert. Und der Besuch in einem Restaurant war auch noch drin. Das motiviert zusätzlich. Möglicherweise wird es auch in diesem Jahr einen Podcast der 10a geben. Thema könnte kein Geringerer als der Geheimrat Goethe sein. Um es mit Fontane zu sagen: „Am Mute hängt der Erfolg.“
An der Hachenburger Straße errichtet die Stadt einen Erweiterungsbau für die Martin-Köllen-Schule. Dafür werden die ungenutzte Hausmeisterwohnung, die bestehende Sporthalle und der Laubengang abgerissen. Der terrassenförmige Neubau wird an den denkmalgeschützten Altbau an der Idsteiner Straße anschließen und zukünftig eine Mensa, Aufenthaltsräume für den Offenen Ganztag, eine neue Sporthalle sowie Therapie- und Intensivklassenräume beherbergen. Den Schulhof zwischen dem bestehenden Schulgebäude und dem Erweiterungsbau gestaltet die Stadt mit Spiel- und Bewegungsflächen sowie einem Schulgarten, Ruhebereichen und Grünflächen. Baubeginn war im ersten Quartal 2026, die Fertigstellung soll im ersten Quartal 2028 erfolgen.
