Künstlergruppe organisiert EventKalker Schaufenster werden im Herbst bunt

Ursprünglich sollte das Thema „Black Lives Matter" sein. Das spiegelt sich in einigen der schon eingereichten Arbeiten, die Jutta Frechen, Bernd Giesecke und Caren Hoffmann (v.l.) präsentieren.
Copyright: Hans-Willi Hermans
Kalk – Einen kleinen schwarzen Krokus hat Jutta Frechen mit Leinenzwirn auf weißem Hintergrund gestickt. Das Blümchen hat die Künstlerin ganz bewusst ausgesucht, weil es einen Migrationshintergrund hat. „Ursprünglich kam die Pflanze ja aus dem Orient oder aus Nordafrika, sie ist aber bei uns heimisch geworden und hat jetzt natürlich einen Einfluss auf das Öko-System“, so Frechen. Offensichtlich ist der Krokus in unseren Breiten beliebt, während das ebenfalls hübsche indische Springkraut mittlerweile als Gefahr gilt, weil es andere Pflanzen verdrängt. Und was ist eigentlich mit den putzigen Waschbären?
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Kein Kuschelfestival
Jutta Frechen arbeitet derzeit an einer Serie unter der Überschrift „Invasive Arten“, um Betrachter mit Fragen wie: „Wer entscheidet eigentlich, welches Tier und welche Pflanze hier willkommen ist – und warum?“ zu konfrontieren. Damit möchte sie sich an der diesjährigen Ausgabe von „Kalk Kunst“ beteiligen, die unter dem Motto „Kalk lebt Vielfalt“ steht.Ende Oktober und Anfang November werden 14 Tage lang in Schaufenstern entlang der Kalker Hauptstraße, in Foyers von öffentlichen Einrichtungen, in Cafés oder Kirchen die Werke von Freizeit- und Profi-Künstlern ausgestellt, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Wohl gemerkt: Nur im Stadtteil Kalk, nicht in den anderen Veedeln des Bezirks. Denn nachdem das vor 15 Jahren von der Stiftung „Kalk Gestalten“ ins Leben gerufene Kunstfestival im vergangenen Jahr eine Pause eingelegt hatte – die nichts mit Corona tun hatte, wie alle Beteiligten versichern –, soll es nun mit einer partiellen Neuausrichtung wieder an den Start gehen. „Wir haben uns auf den Stadtteil Kalk konzentriert, weil er gefördert und unterstützt werden muss“, erklärt Bernd Giesecke, der nun im sechsköpfigen Kunst-Arbeitskreis der Stiftung für die Koordination von „Kalk Kunst“ zuständig ist. “
Thema Vielfalt
Das Festival hat, anders als in den meisten Jahren zuvor, dieses Mal ein Thema. „Kalk lebt Vielfalt“ passe zu einem Stadtteil, in dem Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Tradition leben, so Giesecke. Diese Menschen sollten zu Wort kommen, ihre jeweiligen Anknüpfungs- und Integrationsstrategien beispielsweise künstlerisch ausdrücken, aber auch ihre Erfahrungen mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus. Denn ein „Kuschelfestival“ soll „Kalk Kunst 21“ nicht werden, sondern Gespräch und Auseinandersetzung provozieren. Und auch die übliche Orientierung an der Mittelschicht überwinden: „Schulen, Kitas, Jugendeinrichtungen – alle sind eingeladen mitzumachen“, sagt Giesecke. „Wir müssen jetzt nur noch überlegen, wie wir die alle erreichen.“Künstlerin Caren Hoffmann, die wie Jutta Frechen Mitglied des Arbeitskreises ist, liegt eine Gruppe ganz besonders am Herzen: „Ich habe schon mit Menschen gearbeitet, die körperlich oder geistig behindert sind, die gehören zur Vielfalt unbedingt dazu.“ Frechen betont, dass es selbstverständlich nicht nur um gemalte Bilder vom Veedel gehe, beteiligen könne man sich auch mit Fotografien, Skulpturen, Installationen, Performances, sogar Gesängen: „Wir haben schon eine Mapping-Künstlerin angesprochen, die bewegte Bilder auf Fassaden wirft, und Graffiti werden sicherlich auch ein wichtiges Thema sein.“ Auch müssten die Künstler nicht unbedingt in Kalk leben – und ältere weiße Männer dürften natürlich auch mitmachen. Solange ihnen etwas zum Thema einfällt, die Auswahl behält sich der Arbeitskreis vor.
30 Ausstellungsorte
Denn während die „Kalk Kunst“ zuletzt im Jahr 2019 auf rund 80 Ausstellungsorte im Bezirk verteilt war, werden es diesmal eher 30 sein, schätzt Giesecke. Die Gespräche liefen noch, aber das Bürgerhaus, das Bezirksrathaus oder die Kirchengemeinden seien sicher dabei. Um wirklich allen eine Teilnahme zu ermöglichen, ist die Aktion kostenlos, die Kosten für Plakate, Flyer, Eröffnungsveranstaltungen und Ähnliches sollen über Sponsoren gedeckt werden, außerdem ist an einen Katalog gedacht. Und das andere Thema habe man auch im Blick, versichert Giesecke: „Wenn im Herbst wegen Corona noch immer Schließungen notwendig sind, müssen wir über andere Präsentationsformen nachdenken, im Internet zum Beispiel.“ Wer mitmachen möchte, muss sich bis Samstag, 31. Juli anmelden, Infos im Internet unter:http://www.kalkkunst.de

