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Bauvorhaben in NeubrückHarsche Kritik an GAG-Projekt in Madaus-Gärten

4 min
Viele Menschen stehen vor Infotafeln und sprechen miteinander.

Auf Schauwänden stellten die Architekten ihre Entwürfe vor.

Das Bauprojekt der GAG in den ehemaligen Madaus-Gärten in Neubrück sorgt für Kontroversen. Kritisiert werden der Verlust der Kaltluftschneise und unzulängliche Grundversorgung.

Eigentlich hatten das Stadtplanungsamt und die GAG eingeladen zur Vorstellung der sechs Architektenentwürfe zur Bebauung der ehemaligen Madaus-Gärten am Neubrücker Ring. Die GAG möchte dort 850 Wohnungen bauen. Doch aus einer Veranstaltung wurden sehr schnell zwei. In der Aula des Schulzentrums Ostheim am Hardtgenbuscher Kirchweg sprachen die Neubrücker mit den Architekten über deren Pläne. Auf dem Schulhof vor der Aula diskutierten andere Neubrücker mit Eva Herr vom Stadtplanungsamt und Daniel Delbrück von der GAG darüber, ob überhaupt gebaut werden soll. 

Verlust der Kaltluftschneise

Der GAG-Vertreter wollte gleich zu Beginn ein wenig Druck aus dem Kessel lassen. „Das sind Entwürfe. Bauklötze sozusagen. Da wird sich noch einiges ändern.“ Besänftigen ließen sich die Neubrücker davon nicht und kritisierten das Bauvorhaben grundsätzlich. Ein ganz heißes Thema war der Verlust der Kaltluftschneise, der mit der Bebauung der Grünfläche einhergeht.

Zahlreiche Gutachten, auch der Kölner Verwaltung, belegen die hohe stadtklimatische Bedeutung der Freiflächen, sagt Frank Patt, Sprecher des „Bündnisses für die Felder“. Ein weiteres Thema, das den Menschen vor Ort auf den Nägeln brennt: die Grundversorgung. „Es gibt hier einen Discounter. Der ist aber jetzt schon zu klein. Wer ein Auto hat, fährt in andere Stadtteile zum Einkaufen“, sagte eine Bürgerin und ergänzte: „Wenn jetzt noch 2000 Leute zusätzlich nach Neubrück ziehen, stehen wir vor dem Supermarkt Schlange.“   

Eine Gruppe von Menschen im angeregten Gespräch.

Auf dem Schulhof vor der Aula diskutierten die Menschen.

Delbrück wandte ein, dass die GAG nicht zuständig sei für den Bau von Supermärkten. Da müsse man auf Investoren vertrauen. „Das hat ja in der Waldbadsiedlung super geklappt“, entgegnete ein Neubrücker. „Da gibt es kein einziges Geschäft bis auf den Kiosk.“ Und so ging es weiter. Der Stellplatzschlüssel war das nächste Thema. Angesichts des sehr dürftigen ÖPNV-Angebots in Neubrück – die einzige Bahnhaltestelle heißt „Autobahn“ und liegt ziemlich weit draußen – hegten die Bürger erhebliche Zweifel, ob ein geplanter Parkplatz für zwei Wohnungen ausreichen wird.

Für Ärger sorgte auch, dass 500 Bürgereingaben bis heute von der Verwaltung nicht beantwortet wurden. Eva Herr erklärte, dass man beim derzeitigen Planungsstand die meisten Eingaben nicht bearbeiten könne. „Dafür sind die Pläne noch nicht weit genug fortgeschritten.“ Den Vorwurf, die Eingaben nicht in der Aula für jedermann einsehbar ausgehängt zu haben, konterte die Chefin des Stadtplanungsamtes: „Etliche Dokumente waren erkennbar KI-generiert und deshalb sehr umfangreich.“ Empörte Zwischenrufe aus dem Publikum.

Mehrgenerationenprojekt in Planung

Bezirksbürgermeisterin Claudia Greven-Thürmer ist verwundert über die Aggressivität, mit der einige Kritiker die Vertreterinnen und Vertreter von Stadt und GAG angehen. „Gute Kinderstube sieht anders aus.“ Greven-Thürmer ist Mitglied der Jury, die am 14. September den besten Architektenentwurf küren soll. Zeitdruck empfindet sie nicht. Im Gegenteil. „Es gibt einen eklatanten Mangel an bezahlbaren Wohnungen. Mir ist ein schnelles Verfahren lieber als das ewige Warten, wie beispielsweise beim Kronenbrot-Areal.“ Die Bürgermeisterin hat in der Aula des Schulzentrums eine Gruppe von Leuten getroffen, die einen Plan verfolgen. „Die wollen in dem neuen Quartier ein Mehrgenerationenprojekt gründen. Das ist doch mal ein konstruktiver Ansatz.“

Bürgerverein kündigt eigenen Entwurf an

Sylvia Schrage ist Vorsitzende des Neubrücker Bürgervereins und nennt die Öffentlichkeitsbeteiligung eine Farce. „Warum ist das schon wieder in Ostheim? Wie sollen die älteren Menschen aus Neubrück abends dahin- und wieder zurückkommen?“ Die Stadt habe lediglich zwei Plakate aufgehängt, auf denen die Veranstaltung angekündigt wurde. Schrage wünscht sich einen Park für die Bürger in den Madaus-Garten. „Das ist, was wir hier brauchen. Und einen Supermarkt.“ Die Vorsitzende kündigt einen Entwurf des Bürgervereins für neue Wohnungen in Neubrück an, der in den nächsten Tagen öffentlich wird.

„Versündigung an der kommenden Generation“

Frank Patt vom Felder-Bündnis zieht bei aller Kritik ein in Teilen positives Fazit des Abends. Er hat wahrgenommen, dass GAG und Verwaltung festgestellt haben, dass es konstruktiv ist, die Bürger bei der Planung einzubeziehen. „Ich finde die Idee sehr gut, einen Runden Tisch Köln-Ost einzuberufen und die Entwicklung des Rechtsrheinischen insgesamt zu betrachten.“ Patts Nein zum Projekt Madaus-Gärten bleibt trotz allem unerschütterlich. Er nennt die Zerstörung der Kaltluftschneise „eine Versündigung an den kommenden Generationen“. Patt ist fest davon überzeugt, dass die noch ausstehende Änderung des Flächennutzungsplans nicht genehmigungsfähig ist. „Wir würden das auf jeden Fall gerichtlich überprüfen lassen.“