Mehr als 15 Jahre geplantKölns erste Wakeboard-Anlage startet in Debütsaison

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Nach jahrelangem Streit hat am Ostermontag der „Wakeclub Cologne“ am Rather See eröffnet. Die Stimmung kann selbst das schlechte Wetter nicht vermiesen.

Der Himmel über dem Rather See ist verhangen, das Thermometer zeigt 13 Grad Celsius und auch der Regen will sich bis zum Nachmittag nicht verziehen. Die Stimmung will sich André van den Höövel vom schlechten Wetter aber nicht verhageln lassen. „Trotz des Wetters haben sich heute 20 Leute angemeldet. Für einen verregneten Ostermontag ist das kein schlechter Start“, sagt er bei einem Rundgang über das Gelände seines „Wakeclub Cologne“, der ersten Wakeboard-Anlage Kölns.

Tatsächlich haben sich am Montag einige Wassersport-Fans vom mäßigen Wetter nicht abschrecken lassen und flitzen zum Start der Debütsaison der Wassersport-Anlage in Neopren-Anzügen eingepackt auf ihren Wakeboards über den See.

An den zwei Wakeboard-Anlagen können bis zu 16 Personen gleichzeitig fahren. Im Klubhaus stehen Umkleiden und ein Imbiss zur Verfügung. Für zwei Stunden zahlen Erwachsene 32 Euro, für Kinder werden 28 Euro fällig. Schon seit vergangenem Sommer ist außerdem das Strandbad mit Beachvolleyball-Platz, Liegewiese und Sandstrand geöffnet. Während der Badezeiten überwacht ein Bademeister die Anlage, „also voraussichtlich ab Mitte Mai, je nachdem, wie das Wetter wird“, sagt van den Höövel.

Langer Streit um Nutzung des Rather Sees

Einst wurde an der Stelle Kies abgebaggert. Die Idee, hier eine Wakeboard- und Wasserski-Anlage zu bauen, hatte van den Höövel schon vor über 15 Jahren. Doch bis sie Realität wurde, brauchte es einen langen Atem.

Denn wie der Rather See genutzt werden soll, darüber wurde jahrelang auch im Stadtrat gestritten. Naturschützer und einige Anwohner stellten sich gegen die Pläne van den Höövels. Sie befürchteten einen „Verkehrskollaps“, außerdem stelle der Bau der Anlage einen erheblichen Eingriff in die Lebenswelt von Tieren und Pflanzen dar. Statt einer kommerziellen Nutzung durch einen privaten Betreiber solle die Stadt den See kaufen, um ihn den Anwohnern als Naherholungsgebiet zur Verfügung zu stellen, forderten sie.

2020 stimmte der Stadtrat schließlich für den Bebauungsplan-Entwurf – gegen die Stimmen von Grünen, Linken und der Gruppe GUT. Ein Drittel des Sees darf nun als Freizeitanlage genutzt werden, zwei Drittel sind für den Naturschutz vorgesehen. Außerdem darf die Anlage nur zwischen dem 1. April und dem 15. Oktober und jeweils nur bis Sonnenuntergang in Betrieb sein.

„Als ich den Plan in Angriff genommen habe, war mir klar, dass das kein leichtes Unterfangen wird“, blickt van den Höövel zurück. „Aber dass es über 15 Jahre dauert, hätte ich auch nicht gedacht.“ Hätte ihm das jemand vorher gesagt, hätte er verzichtet. „Aber irgendwann gab es diesen Punkt, ab dem es kein Zurück mehr gab. Und jetzt bin ich einfach froh, Köln so eine tolle Freizeitanlage bieten zu können.“

„Soft-Opening“ des „Wakeclub Cologne“ bereits im Oktober 2023

Nachdem alle Genehmigungen eingeholt waren, öffnete die Wassersport-Anlage bereits im vergangenen Oktober bei einer Art „Soft-Opening“ ohne große Werbung für zwei Wochen. „So konnten wir schon mal alle Funktionen und Abläufe testen.“ Nun hoffe er, dass auch die letzten kleinen Arbeiten rund um den See abgeschlossen werden können – und dass das Wetter besser wird. „Dann gehe ich davon aus, dass hier bald auch deutlich mehr los sein wird.“

Bei den ersten Gästen kommt die Wakeboard-Anlage bereits am Ostermontag gut an. Daniel Teybig zum Beispiel lässt sich von den Wassertemperaturen nicht beirren. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, sagt der 32-Jährige und verweist auf seinen dicken Neopren-Anzug. „Ich komme aus Rath/Heumar. Bisher musste ich zum Wakeboard-Fahren immer nach Langenfeld fahren. So eine Anlage jetzt in der Nachbarschaft zu haben, finde ich großartig.“

Mit Blick auf den Bagger und die Schuttberge, die sich im Schatten der Anlage auftürmen, merkt Teybig allerdings an: „Noch sieht es hier ein bisschen so aus wie auf einer Baustelle.“ Spaß mache das Wakeboard-Fahren aber trotzdem schon. „Ich bin ja nicht hier, um mir die Landschaft anzuschauen“, sagt er, bevor er sich sein Board greift und Richtung Anlage läuft.

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