Widdersdorf Mindestens so schön wie in Köln am Rhein ist es in Widdersdorf am Randkanal. Das findet jedenfalls ein Karnevalstrupp, der sich nach dem Gewässer ganz im Kölner Westen benannt hat: Die „Randkanalperlen“ waren wie die anderen tapferen Widdersdorfer Jecken bei Sturm und Regen im Veedelszug unterwegs, ganz klassisch-karnevalistisch in rot-weiß geringelten Shirts und mit einem „Dom-Hut“ auf dem Kopf. Und unter den „Perlen“ die früher noch „Rösige Wiever“ hießen, waren auch einige männliche Exemplare. „Die haben wir uns aber gut herausgepickt“, kommentierte Gruppenmitglied Claudia Sturm-Bergerhoff lächelnd. Die gute Laune hatte einen Grund: Der Widdersdorfer Veedelszug gehörte zu jenen in Köln, die am Sonntag dem Wetter trotzten. Passend zum aktuellen Karnevalsmotto „Et Hätz schleiht em Veedel“ hatten die Zugteilnehmer ganz auf Tradition gesetzt.
So waren die Mitglieder der Großen Widdersdorfer Karnevalsgesellschaft wieder einmal als Köche unterwegs und verteilten Porreestangen sowie Möhren. „Damit die Dorfbewohner nicht darben“, begründete Karnevals-Koch Stefan Schmitz. Zu ihrer Verkleidung hatten sie auch die passende Hintergrundgeschichte parat: Die Mitglieder nehmen nicht nur regelmäßig am Veedelszug teil, sondern kochen auch gemeinsam. „Nächste Woche ist unser Fisch-Hopping“, erzählte Schmitz. Dann ziehen wir durchs Dorf und essen in jedem Haus einen anderen Gang.“ Vor jedem Dinner-Hopping, das zweimal im Jahr stattfindet, wird ausgelost, welche Mitglieder ihr Heim zur Verfügung stellen und eine Speise zubereiten müssen. Die Jecken sind schon lange befreundet. „Früher haben wir Tennis gespielt und davor waren wir eine Krabbelgruppe“, berichteten sie. Über ihre Kinder haben sie sich einst kennengelernt.
Viele junge Karnevalisten waren vor allem bei dem Trupp vom neuen Widdersdorfer Gymnasium in der Neuen Sandkaul unterwegs. In goldglänzenden Gewändern demonstrierten sie, dass mit dem eigenen Gymnasium für das Veedel eine goldene Zeit angebrochen ist. „Weil wir als Schule ganz neu sind, können wir viele eigene Ideen einbringen und ganz modern sein“, schilderte Lehrerin Maike Riehl. „Widdersdorf ist ein fantastischer Standort. Wir sind hier gut angekommen und gut aufgenommen worden“.
Zum 25. Mal war die Evangelische Kirchengemeinde Ichthys beim Zug dabei und hatte sich passend zum Jubiläum noch einmal kostümiert wie bei ihrem ersten Auftritt. Mit ihrer Kapitänin Pfarrerin Liane Scholz im Schlepptau steuerten die Gemeindemitglieder als Matrosen das jecke Kirchenschiff durch Widdersdorf. (se)