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KostümeFantasievolle Verkleidungen gibt es im Straßenkarneval nur noch selten

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Maria-Luise und Stefanie Kuhl tragen echtes Rokoko und das Resultat von 50 Stunden Nähmaschine am Leib.

Maria-Luise und Stefanie Kuhl tragen echtes Rokoko und das Resultat von 50 Stunden Nähmaschine am Leib.

Köln – Festtackern und die Heißklebepistole ansetzen kann jeder. Von der Stange kaufen sowieso. Beides käme für Maria-Luise und Stefanie Kuhl nicht mal im Notfall in Frage. Wer – wie die 65-jährige Maria-Luise – im Vringsveedel geboren ist, hat den karnevalistischen Ehrgeiz quasi im Kreißsaal aufgesogen. „Vieles, was man sieht, ist langweilig“, finden Mutter und Tochter und beklagen die wachsende Fantasielosigkeit.

„Diesmal haben wir zusammen mindestens 50 Stunden an der Nähmaschine gesessen.“ Bei Stefanie ist das Ergebnis ein durchkomponiertes Rokoko-Kostüm vom Scheitel bis zur Sohle. Selbst die Schuhe hat die 37-Jährige bemalt, beklebt und der Epoche angepasst – ebenso wie das Stofftäschchen. Am Kopfputz der Mutter kann man sehen, dass es sich auszahlt, mit dem Wegpacken der Weihnachtsdekoration bis Aschermittwoch zu warten, weil Christbaumkugeln als Hutdekoration immer was hermachen.

Definitiv ein Hingucker

Auch Jean-Pierre Welter gehört zu den Zaungästen des Rosenmontagszugs, die sich normalerweise Jahr für Jahr etwas Neues einfallen lassen. Diesmal gibt er aus der Not heraus den „Igel reloaded“. Sein Partner sei krank geworden. Die großteils aus Dämmmaterial für Tonstudios hergestellte Kostümierung samt der vorwegrollenden Henne im Kakteenbett ist definitiv ein Hingucker, sowohl von hinten als auch von vorne.

Bei einem früheren Kostüm hätten sie sich mal eine Plastik-Fott an das entsprechende Körperteil geheftet, was bei anderen Jecken so viel Zuspruch erzeugt hätte, dass sie seitdem jede Verkleidung mit dem blanken Hintern kombinierten.

Inge Ackermann – nicht die Frau des ehemaligen Deutsche-Bank-Chefs, „sonst wäre mein Kostüm sicher teurer ausgefallen“, – läuft vor dem Zug in der Gruppe der Ahl Säu mit, die diesmal das Motto „Viva la revolución!“ hochhalten. Um stilgerecht aufmarschieren zu können, hat Inge Ackermann wie alle anderen Frauen eine Zigarre im Mund. Auffallend sind die hervorragenden, besonders hübsch arrangierten Vorbauten der Damen.

Jungfrau Andreas Blumenthal aus Blumenberg gehört zu denen, die man zuverlässig bei jedem Rosenmontagszug in Neumarktnähe trifft. Seine Frau Eva, eine farbechte Unterwasserpiratin, hat am Morgen lediglich zehn Minuten für die Verwandlung benötigt. „Wir sind ja seit drei Tagen unterwegs und legen uns abends immer schon die Klamotten für den nächsten Tag zurecht. Nur das Unterhöschen ist frisch.“

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