Abo

Karnevalshöhepunkt in KölnPersiflagen, Pferde, Stimmung – so war der Rosenmontagszug 2024

Lesezeit 4 Minuten
Prinz Sascha auf dem Prinzenwagen auf der Severinstraße.

Prinz Sascha auf dem Prinzenwagen auf der Severinstraße.

Wie nachhaltig war der Kölner Rosenmontagszug 2024, wie war die Stimmung? Wir ordnen den Höhepunkt des Kölner Karnevals ein.

Erstmals nach der Corona-Pandemie, der Friedensdemonstration 2022 und dem Jubiläumszoch 2023 fuhr der Rosenmontagszug wieder seine gewohnten Wege durchs linksrheinische Köln. Und doch fehlt etwas – beziehungsweise jemand: Jungfrau Frieda musste nach einer Operation im Krankenbett bleiben. Das ist bitter für das Familiendreigestirn. Frieda fuhr als Puppe mit. 

Stimmung

Eines ist so sicher wie das Alaaf: Die Stimmung beim Zoch ist joot. Das war auch 2024 so. Viele Jecken hatten sich schon Stunden vor Beginn an die Straße gestellt, um in der ersten Reihe zu stehen. Das ist Hingabe!

Wetter

Nach einer verregneten Weiberfastnacht hatte mancher Jeck schon Sorge, der Fastelovend würde ganz ins Wasser fallen. Die Sorge war unbegründet. Nach leichten Schauern am Morgen blieb es auch an Rosenmontag weitgehend trocken. Sogar eine handvoll Sonnenstrahlen kamen durch. Jlöck jehabt!

Alles zum Thema Rosenmontag

Zoch in Zahlen

8,5 Kilometer maß der Zug, der eine Strecke von 7,5 Kilometern zurücklegte, ein Kilometer kürzer als im Rekord-Jahr 2023. Insgesamt nahmen rund 11.500 Jecke teil. Die meisten davon waren zu Fuß unterwegs, darunter etwa 1344 Mitglieder von Kinder- und Jugendtanzgruppen, 1626 Musiker in 60 Kapellen und 3790 Helferinnen und Helfer. In Richtung der 92 Tribünen, 78 LKW-Tribünen und stehenden Jecken am Zugrand wurden rund 300 Tonnen Kamelle und 300.000 Strüßjer geworfen und verteilt. Allein für die Kamelle am Zug werden 3,1 Millionen Euro ausgegeben. Das Wurfmaterial wurde von den Zugteilnehmern selbst bezahlt. Insgesamt fuhren unter anderem 24 Persiflagewagen und 77 Festwagen im Kölner Rosenmontagszug mit. Rund 2.000 Polizeibeamte aus ganz NRW sind im Einsatz. Dazu kommt Sicherheitspersonal gestellt von den Gesellschaften, dem Festkomitee und externen Sicherheitsunternehmen.

Persiflagewagen

Der Kallendresser, der im Wortsinne „auf die Nazis scheißt“, die sich ihm mit einem Hitlergruß entgegenstrecken, war sicherlich einer der stärkten Wagen. Alle Persiflagewagen nahmen das Theater-Motto irgendwo mit auf. Besonders oft zitiert: Shakespeares Hamlet. „Das Phantom der Oper“ um die ewigen Verzögerungen bei der Kölner Oper lag dabei auf der Hand. Und leider muss es auch in diesem Jahr wieder um Krieg gehen – Ukraine-Präsident Selenskyj betrachtete wie Hamlet, der auf den Totenschädel blickt und sich die die Frage „sein oder nicht sein“ stellt, einen Militärhelm und fragt: „To Be or NATO be“.  

Stammgast im Zoch ist auch das „Trauerspiel“ um Missbrauchsfälle im Erzbistum. „Der Besuch der alten Dame“ ist einer der Geheimwagen gewesen – die alte Dame heißt Antisemitismus und hält zähnefletschende Hunde namens „Hass“ und „Gewalt“ an der Leine. Außerdem: Fachkräftemangel beim FC, Kölner Verkehrspolitik als Affentheater und ein selig schlafender Olaf Scholz als Faultier.

Die Letzte Generation bekam genauso ihr Fett weg wie die protestierenden Bauern und die Politik der Ampel, die der AfD Aufschwung verleihe. Christian Lindner als schwitzendes Sparschwein dürfte dem Finanzminister nicht gefallen.

Tanzgruppen

Einfach beeindruckend, wie konzentriert die Tänzerinnen und Tänzer bleiben, obwohl um sie herum der Jeck los ist. Die Tanzgruppen sorgen überall für Stimmung und Jubel.

Pferde

Ein Thema, das jedes Jahr verlässlich zu Diskussionen führt. 234 Pferde waren dabei, 147 davon liefen unterm Sattel, der Rest vor der Kutsche. Die meisten davon wirkten entspannt – manchem war der Lärm allerdings zu viel. Einzelne Pferde schienen nervös und gestresst. Ein Pferd der Blauen Funken wurde deshalb schon kurz nach Beginn auf der Severinstraße aus dem Zug genommen, es hatte bei einigen Zuschauern einen Schrecken eingejagt, weil es fast durchging. Dass schnell reagiert wurde, spricht für die Pferdeorganisation beim Zoch, zeigt aber, dass es für die Tiere eine Herausforderung ist. Hübsch anzusehen aber sind sie – besonders der Vierspänner der Altstädter mit vier Kaltblutschimmeln – durchaus.

Nachhaltigkeit

Die Blauen Funken waren am Rosenmontag mit futuristischem Elektro-Pferd und dem ersten vollelektrisch angetriebenen Wagen und biologisch abbaubarer Verpackung für Strüßjer und Wurfmaterial unterwegs. Das ist ein gutes Zeichen. Wer aber nach dem Zoch durch die Straßen läuft, stellt fest: Es bleibt ganz schön viel Müll übrig. Da ist noch Luft nach oben.

Held Carneval

Eine schöne neue Tradition, um die Helden des Kölner Brauchtums zu ehren, ist der Wagen des Held Carneval, eine Hommage an die Geburtsstunde des Rosenmontagszugs. Neben Vertretern des Großen Senats ist das in diesem Jahr etwa Rolf Törpel, seit 40 Jahren ehrenamtlicher Zugordner.

KStA abonnieren