Nach der Absage des Zollstocker Dienstagzugs ist es nicht damit getan, nur nach mehr Geld zu rufen, meint unser Autor.
Umzug abgesagtWem das Veedel wichtig ist, der sollte das Karnevalsmotto beherzigen


Der Zollstocker Veedelszoch ist für 2027 abgesagt worden.
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„Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?“ Die Frage nach dem nötigen Pinkepinke umtrieb den Karnevals-Sänger Jupp Schmitz schon 1949. Der Ohrwurm gilt als Evergreen – in Zollstock ist er für Michael Siegenbruck längst zum Klagelied mutiert. „Ich höre auf, wir lösen den Verein auf, keiner will sich engagieren, und die Kasse ist leer. Ich könnte heulen“, sagte der Vorsitzende des Zollstocker Dienstagszuges bereits im März 2025. Dennoch schaffte es der Verein unter größten Anstrengungen, den Veedelszug im vergangenen Jahr noch einmal stattfinden zu lassen.
Karneval in Köln: Zollstocker Dienstagszug abgesagt
Dass es 2027 keine Wiederholung geben wird, ist zunächst einmal traurig. Und dass sich Michael Siegenbruck erschöpft und entmutigt zeigt, ist mehr als verständlich: Die rasant gestiegenen Kosten in den vergangenen Jahren, vor allem für Sanitätsdienst und Sicherheitskräfte, wirken auf Dauer zermürbend für jeden Ehrenamtler.
Viele Ausrichter von anderen Stadtteilzügen plagen dieselben Probleme. Hätte die Stadt 2023 nicht doch noch 90.000 Euro für den Veedelskarneval locker gemacht, wären einige der mehr als 50 Karnevalsumzüge gefährdet gewesen. Angesichts der leeren Stadtkasse sieht der aktuelle Haushaltsentwurf auch Kürzungen beim Brauchtum vor. Zudem sitzt nach Jahren der Stagnation und Rezession bei vielen Sponsoren das Geld nicht mehr locker, auch die Einnahmen von Veedelsfesten, mit denen die Züge mitfinanziert werden, lassen zu wünschen übrig. Kein Wunder, dass bei dieser Gemengelage für einen umtriebigen und sympathischen Jecken wie Michael Siegenbruck „Schluss mit lustig“ ist.
Wer nun reflexartig nach mehr finanzieller Hilfe beim Oberbürgermeister oder Oberjeck des Festkomitees ruft, übersieht ein weiteres Problem, das auf lange Sicht viel schwerwiegender ist: Es fehlt gerade in Zollstock an Unterstützern, freiwilligen Helfern, Kölnerinnen und Kölnern, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Wem das Veedel, wo „mer zesamme hält, ejal wat och paseet“, wirklich so wichtig ist, der sollte nicht nur das Lied der Bläck Fööss mitsingen. Jeder Freiwillige, der sich eine gelbe Weste überzieht und als Ordner oder in anderer Funktion mithelfen will, ist nicht nur in Zollstock willkommen. Das aktuelle Karnevalsmotto ist da unmissverständlich: „Morje es, wat do drus mähs!“
