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Erinnerungen ans EsspapierSo schlug sich der Redner-Nachwuchs für den Kölner Karneval beim „Prix de la Bütt“

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Peter Löhmann schwelgt in Erinnerungen an die Kindheit in den 80ern.

Peter Löhmann schwelgt in Erinnerungen an seine Kindheit in den 80ern.

Am Sonntag traten beim „Prix de la Bütt“ der Damengarde fünf Redner gegeneinander an.

Martin Schopps, Volker Weininger und Marc Metzger – sie haben sich längst im Kölner Karneval etabliert. Wie es aber um den Nachwuchs in der Bütt steht, das lässt sich etwa bei den Vorstellabenden kurz vor Sessionsbeginn beobachten.

Die Damengarde hat sich im vergangenen Jahr außerdem eine weitere Plattform ausgedacht, um der zweiten Reihe eine Chance auf der Bühne zu geben: Der „Prix de la Bütt“. Am Sonntagnachmittag (28. Januar) kämpften zum zweiten Mal Nachwuchs-Redner um das Heinzelmännchen. Der Gewinner ist der Einzige der fünf Bewerber, der Hochdeutsch spricht.

„Prix de la Bütt“: Keine Frauen auf der Bühne

Dass Peter Löhmann die Bierdeckelwahl gewinnen würde, das war schon bei seinem Auftritt klar – und dabei war er erst der zweite Büttenredner auf der Bühne im Gloria-Theater. Der gebürtige Oldenburger, wohnhaft in der Schweiz, spricht in seiner Rede über seine Kindheit in den 1980ern: Esspapier, das am Gaumen pappt, Leckmuscheln, Pinocchio und der Titelsong der Sesamstraße. Seine Rede hat eine hohe Gagdichte und ist wenig bis gar nicht kontrovers, Löhmann zieht sein Publikum wie ein überdrehter Animateur auf einem Kreuzfahrtschiff mit.

"Oma Helga" hat immer eine Flasche Klaren in der Handtasche.

„Oma Helga“ hat immer eine Flasche Klaren in der Handtasche.

Wenig kontrovers, das trifft auf die meisten Redner am Sonntagnachmittag zu. Verzällcher aus der Familie, dem Veedel oder vom Schützenfest dominieren. Nach politischem Biss sucht man erfolglos. Die Pointen des Zwiegesprächs von Sebastian Kock und Rainer Moll alias „Die Henkelmännchen“ versanden, besser funktionieren da ihre Krätzchen.

Andreas Wolff landet als „Ne Schötzejung“ einige Treffer, wenn er von Fritz und Karl aus seinem Schützenverein erzählt, da fehlt es noch etwas an Sicherheit und Routine. Die hat Marco Ages alias „Ne Jung us dem Veedel“ ihm voraus, stand er doch jahrelang mit dem Duo „Woosch un Wööschje“ auf der Bühne. Mittlerweile versucht er sich solo und verzällt aus der Familie und der Nachbarschaft. Sein ehemaliger Partner, Daniel Thelen, trat am Sonntag auch mit seiner Solo-Nummer als „Oma Helga“ auf. Das hat Biss, bei einigen seiner Familiengeschichten fragt man sich: „Hat sie (er) das gerade wirklich gesagt?“

„Oma Helga“ ist am Sonntag die einzige „Frau“, die angesagt wird. Auch die Nachwuchsbands, die zwischendurch spielen, Aluis, Auerbach und Eldorado, sind ausschließlich männlich. Das sieht bei den Vorstellabenden nicht anders aus. Als Literat ein weiblicheres Programm aufstellen, das scheint kaum möglich.