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„Stehen nicht für US-Politik“Prinzenpaare aus San Diego besuchen Kölner Karneval

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Timothy und Priscilla Swan (l.) sowie Niki und Peter Battaglia sind Prinzenpaare aus San Diego und besuchen den Kölner Karneval.

Timothy und Priscilla Swan (l.) sowie Niki und Peter Battaglia sind Prinzenpaare aus San Diego und besuchen den Kölner Karneval. 

Mit Tanzmariechen, Elferrat und Ornaten: US-Karnevalisten pflegen seit Generationen deutsche Bräuche. Sie brennen für den Karneval.

Als ihre deutschen Großeltern in die USA einwanderten, half ihnen der Karneval, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden. „Mein Opa kam aus der Nähe von Frankfurt, meine Oma aus Kassel“, sagt Niki Battaglia. Es war das Jahr 1968 und die German Association of San Diego war seit Kurzem gestartet: Neben einem eigenen Schützenverein und dem Oktoberfest spielte auch die Karnevalstradition eine große Rolle in der Fremde. Enkeltochter Niki Battaglia war schon im Bauch ihrer Mutter dabei, als diese als Mariechen auf der Bühne tanzte. „Es ist eine Ehre für mich, diese Traditionen nun weiterzugeben, an meine Kinder und andere“, sagt Battaglia.

Battaglia und ihr Mann Peter sind das Prinzenpaar von San Diego. Ihren Ehemann mit irisch-italienischen Wurzeln hat sie mit der Liebe zum Karneval angesteckt. Die beiden sind zum ersten Mal zu den Tollen Tagen in Köln. 

Auch Timothy und Priscilla Swann sind samt Hofstaat gekommen: Sie repräsentieren als Prinzenpaar den Dachverband der deutsch-amerikanischen Karnevalsgesellschaften in den USA und Kanada, der sein 40-jähriges Bestehen feiert. Es ist ihr zweiter Köln-Besuch, beim ersten Besuch waren sie Prinzenpaar von San Diego, genau wie Niki und Peter Battaglia jetzt. Timothy Swanns Vorfahren stammen aus Berlin und waren Mitte des 18. Jahrhunderts Mitgründer von Berlin in Pennsylvania.

Dichtes Programm für US-Karnevalisten aus San Diego

Prinzenpaar Tim I. und Priscilla I. im vollen Ornat am Strand von San Diego

Prinzenpaar Tim. I. und Priscilla I. des GAMGA-Dachverbands, der alle deutsch-amerikanischen Karnevalsgesellschaften repräsentiert.

Ihr Programm ist dicht: An Weiberfastnacht hat sie der Organisator und Kölner Thomas Merbeck in den Straßenkarneval eingeführt. Den kennen sie aus der Heimat nämlich nicht. Abends waren sie im Maritim-Hotel auf der Karnevalsparty. Samstag gingen sie im vollen Ornat zum Funkenbiwak auf dem Neumarkt und Sonntag besuchen sie den Umzug in Bergheim. Der Zoch am heutigen Rosenmontag darf nicht fehlen. Die US-Karnevalisten sind begeistert von Köln. „Es ist einfach schön, dass die Menschen ihre Freude am Karneval gemeinsam teilen und darin so vereint sind. Sie wundern sich auch, was wir hier machen“, sagt Timothy Swann alias Tim I.

„Sie stellen dann fest, dass unsere Uniformen kein Kostüm sind, sondern unsere Ornate. Sie sind erst verwundert und dann begeistert, wenn wir erzählen, dass wir den Karneval in den USA pflegen und vermitteln“, sagt Priscilla I. Sie füllen ihre Funktion nicht nur aus Spaß aus, sondern mit gebotenem Pflichtbewusstsein: „Es ist bei uns auch so organisiert wie hier“, sagt Niki Battaglia.

Prinzenpaar Tim. I. und Priscilla I. und ein Gruppenbild aus dem Verein

Prinzenpaar Tim. I. und Priscilla I. und ein Gruppenbild aus dem Verein

Am 11.11. gibt es eine Prinzenproklamation im Kreise des Vereins, im Laufe der Session werden Bälle und Besuche bei anderen Karnevalsgesellschaften, etwa in Los Angeles und Las Vegas, organisiert. Nach Köln stehen Besuche in Chicago und Cincinnati an. Sie hören kölsche Musik und rufen „Alaaf und Helau“ – „mehr Alaaf“, sagt Battaglia. Es gibt einen eigenen Kinderkarneval mit Kindertanzgruppe, einem Elferrat und Tanzmariechen.

Unter den Karnevalsgesellschaften respektiere man sich. Ein bisschen Konkurrenz müsse aber trotzdem sein. „Das ist ein bisschen wie bei den Roten und Blauen Funken. Wir haben jedes Jahr  einen Kostümwettbewerb, wir überlegen uns ein Thema. Einmal waren wir Flamingos und sind mit 80 Leuten nach Las Vegas gegangen“, sagt Peter Battaglia. Der Karneval in den USA sei insgesamt nicht so bekannt wie das Oktoberfest; doch sie werben bei ihren Vereinskollegen kräftig dafür. Insgesamt zählt der deutsch-amerikanische Verein in San Diego 1200 Mitglieder, im Karneval sind allein 150 engagiert.

Das denken die US-Karnevalisten über Trump und die US-Politik

Früher musste man deutsche Wurzeln haben. Das ist nicht mehr so: „Es zählt einzig das Engagement. Man muss die Traditionen respektieren und sie lieben. Und natürlich ist es auch ein finanzieller Aufwand“, sagt Niki Battaglia. Die Herkunft spiele eine untergeordnete Rolle. Priscilla I. hat mexikanische Wurzeln, ihre Vorfahren waren Native Americans. Es gab kürzlich auch einen Karnevalspräsidenten mit spanisch-mexikanischen Wurzeln. In Zeiten von Trump und seiner repressiven Einwanderungspolitik ein positives Zeichen.

Missmutige Reaktionen hätten sie hier noch keine erfahren: „Wir repräsentieren nicht die amerikanische Politik, wir sind für die Freundschaft“, sagt Timothy Swann. Über die aktuelle Stimmung in den USA sagt Niki Battaglia: „Es gibt zwei sehr starke konträre Meinungen. Es gibt weitaus mehr Akzeptanz zwischen den Lagern als vermittelt wird. Ich persönlich fühle keine Angst, wir leben in Kalifornien.“ Und Swann ergänzt: „Die zwei Extreme sind laut, aber wir stehen hier, in der Mitte, und wir sind mehr. “