Karnevals-ExzesseSüdstadt-Gastronomen wollten Glasverbot – Stadt nicht

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Auswüchse im Karneval: Wildpinkler am 11.11. an der Severinstorburg

Innenstadt – Die kostümierten Wildpinkler vor der Severinstorburg sind das Bild, das von der vorigen Sessionseröffnung in der Südstadt in Erinnerung geblieben ist. Damals fiel der „Elfte im Elften“ auf einen Samstag. Nun ist es ein Sonntag und die Wirte und Interessenvertreter in der Südstadt sind vorsichtig optimistisch, dass sich die Szenen am Wochenende nicht wiederholen werden.

Karnevalsvereine, Politiker, Gastronomen und Vertreter der Stadtverwaltung hatten nach gemeinsamen Beratungen vor dem Straßenkarneval mehr Toiletten, ein Glasverbot in der Altstadt und rund um die Zülpicher Straße sowie ein Bühnenprogramm vor der Unimensa beschlossen, um die negativen Auswirkungen der Exzesse der Sessionseröffnung, unter denen Anwohner in der ganzen Stadt litten, zu reduzieren. Weil das wohl einigermaßen funktionierte, sollen die Bemühungen in dieser Session fortgeführt werden. Auch in der Südstadt soll es mehr Toiletten und Abfallbehälter geben. Die Stadt bietet zudem am Sonntag eine Umfüllstation an: Plastikbecher sollen das Scherbenrisiko reduzieren. Doch das ist freiwillig. „Wir hätten gerne ein Glasverbot gehabt“, sagt Alice Baker. Sie vertritt die Interessen der Händler und Gastronomen in der Südstadt.

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Das Verbot sei abgelehnt worden, weil die Gefahr, die sonst drohe, nicht ausreichend hätte belegt werden können, sagt sie. „Es ist schade, dass immer erst etwas passieren muss.“ Die Ergebnisse des Runden Tisches sind ihr zu wenig. Sie hofft trotzdem, dass mit mehr Toiletten und höherer Präsenz des Ordnungsamtes die Lage in den Griff zu kriegen ist. Baker erwartet ähnlich viele Menschen wie im Vorjahr. Die Wirte, für die Karneval ein einträgliches Geschäft ist, lobt sie ausdrücklich für ihre Bemühungen. „Ich glaube, es geht früh los und ist früh vorbei. Die Menschen müssen ja alle montags arbeiten“, sagt Till Riekenbrauk, Wirt des Brauhauses Johann Schäfer in der Elsaßstraße. Er hat zur Sessionseröffnung im vorigen Jahr den Betrieb aufgenommen und weiß um den Konflikt zwischen Anwohnern und Gastronomen. Riekenbrauk streitet seit der Eröffnung um längere Öffnungszeiten. Er muss laut Genehmigung der Stadt um 22 Uhr schließen. Anwohner hatten sich über das neue Lokal beschwert. Und für Sonntag hat er schon jetzt die ersten Beschwerden erhalten. Die Ankündigung reichte wohl.

Riekenbrauk und viele andere Wirte stellen vor ihren Läden Dixie-Toiletten auf. Die Wartenden vor der Kneipe sollen sich dort erleichtern können. Allerdings gibt Detlef Weisweiler, einer der Betreiber der Ubierschänke, zu bedenken: „Die Auswüchse gab es ja auf der Straße, nicht in den Kneipen.“ Er sieht die Stadtverwaltung in der Pflicht. Die Wirte haben sich auch Gedanken gemacht, wie sie vor ihren Kneipen Flaschen sicher entsorgen. Vor der Ubierschänke sammelt jemand das Leergut ein. Riekenbrauk stellt leere Bierkästen bereit. Weisweiler kritisiert die Kioskbetreiber, die „leider nicht mitmachen“. Auch SPD-Ratsmitglied Karl-Heinz Walter mit Wahlkreis in der Südstadt nennt sie die „Schwachstelle“ in den Bemühungen.

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